Minus vier in der Region Trier: Warum es immer weniger Apotheken im Land gibt

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Personalnot, Online-Konkurrenz:  Weniger Apotheken in der Region

Konz, Hetzerath, Ürzig, Binsfeld sind bereits von Schließungen betroffen. Weitere Orte werden folgen. Die Wege für Patienten werden weiter. Angeblich ist die Versorgung trotzdem gesichert.

Die Eifeltor-Apotheke in Hetzerath hat es Ende Dezember erwischt, die Sternapotheke in Konz öffnet seit Ende November nicht mehr. Im Kreis Bernkastel-Wittlich haben laut Landesapothekenkammer im vergangenen Jahr auch die örtlichen Apotheken in Ürzig und Binsfeld  ihre Geschäfte eingestellt. Die Wege für die Patienten werden deshalb weiter. Doch das „Apothekensterben“ ist kein regionales Phänomen. Rheinland-Pfalz-weit hat die Landesapothekenkammer (LAK) im vergangenen Jahr insgesamt 15, im Jahr 2018 sogar 24 Schließungen registriert. Für das laufende Jahr bahnt sich im Kreis Trier-Saarburg schon eine weitere Schließung  an. Die Eigentümer der betroffenen Apotheke wollen sich dazu auf TV-Anfrage nicht äußern.

 Die Zahl der Apotheken geht laut LAK schon länger zurück: Seit 2010 haben in der Region insgesamt 31 Apotheken ihr Geschäft aufgegeben, elf davon in der Stadt Trier.   Insgesamt zählt die Kammer in Rheinland-Pfalz 964 Apotheken. Das entspricht dem Stand von 1982. 119 Apotheken gibt es in der Region Trier. Laut LAK-Geschäftsführer Tilman Scheinert schließt fast an jedem Arbeitstag eine Apotheke in Deutschland. Jede einzelne sei ein Standortfaktor für eine Gemeinde oder Stadt, sagt er. Für die dort lebenden Menschen sie sie wichtiger, unter Umständen sogar lebenswichtiger Versorgungsort – vor allem bei Akutfällen und der persönlichen Betreuung bei chronischen Erkrankungen.

Foto: TV/Schramm, Johannes

 Oftmals überlagern sich aus Scheinerts Sicht bei einer Schließung mehrere Gründe dafür. Allgemein sagt der Kammer-Geschäftsführer: „Wo es keine Arztpraxen mehr gibt, kann eine Apotheke wirtschaftlich nicht überleben.“ Das liege daran, dass etwa 80 Prozent des Umsatzes einer Apotheke auf verschreibungspflichtige Arzneimittel zurückzuführen seien, die zuvor von einem Arzt verordnet wurden. In Landapotheken liege dieser Anteil eher noch höher als in Stadtapotheken. Fachkräftemangel und Konkurrenz durch Online-Apotheken seien ebenfalls oft Gründe für die Schließung.  „Jedoch lässt sich die Problematik nicht auf diese beiden Umstände begrenzen“, sagt er. In den meisten Fällen würden keine Nachfolger gefunden, wenn Apotheker aufhörten. Letzten Endes könnten nur die Apothekeninhaber vor Ort die ganze Geschichte erzählen.

So hat in Binsfeld zum Beispiel die Arztpraxis geschlossen. Auch in Konz ist ein Allgemeinmediziner weggefallen. Doch die Eigentümer der Stern­apotheke führen auch Fachkräftemangel, erhöhten bürokratischen Aufwand durch gesetzliche Vorgaben und Konkurrenz durch Online-Apotheken als Schließungsgrund auf. In Hetzerath heißt,  dass unter anderem Personalprobleme zu der Schließung führten. In Ürzig resultierte das Ende der Apotheke aus einer langfristigen Erkrankung.

Neben diesen Problemen gibt es seit Monaten Lieferengpässe bei einigen Arzneimitteln – darunter auch Impfstoffe und Antibiotika (der TV berichtete). Die Versorgungssicherheit sieht Scheinert trotz allem nicht gefährdet. Der Notdienst wird aber auf immer weniger Schultern verteilt. Außerhalb der Geschäftszeiten werden die Wege für die Kunden dadurch wohl noch weiter.