Oberbürgermeisterwahl in Mainz: Ist Michael Ebling Malu Dreyers wahrer Kronprinz?

Landespolitik : Ist Michael Ebling Malu Dreyers wahrer Kronprinz?

Am Sonntag wird in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt gewählt. Bleibt Michael Ebling Mainzer Oberbürgermeister, muss SPD-Fraktionschef Schweitzer schwitzen.

Malu Dreyer sitzt fest auf dem Thron der SPD. Geht es um die Landtagswahl 2021, setzt die Partei auf die Zugkraft der Ministerpräsidentin, die Genossen gerne die „Königin der Herzen“ nennen. Sprechen SPD-Politiker in Rheinland-Pfalz darüber, wer der Kronprinz ist, der eines Tages auf Dreyer folgt, fallen in der Landespolitik immer zwei Namen: Alexander Schweitzer, umtriebiger SPD-Fraktionschef im Landtag, der auch im Bundesvorstand sitzt. Und Michael Ebling, der Oberbürgermeister von Mainz, der am Sonntag zur Wiederwahl antritt – und dabei um seine politische Zukunft kämpft.

Obwohl der 52-Jährige als Favorit gilt, erwartet ihn ein enges Rennen. Die Rivalen, die gegen Ebling antreten, sind keine No Names: Tabea Rößner sitzt für die rheinland-pfälzischen Grünen im Bundestag und darf auf den Rückenwind hoffen, der ihre Partei schon bei der Kommunalwahl in Mainz – wie auch in Trier, Koblenz und Landau – zum Sieg trieb. Der unabhängige, von der CDU unterstützte Nino Haase schlug einst Stefan Raab bei „Schlag den Raab“, heimste drei Millionen Euro ein und verhinderte mit einer Bürgerinitiative eine Erweiterung des Gutenberg-Museums. Die Voraussetzungen, wie Ebling in die Oberbürgermeister-Wahl startet, ähneln Dreyer im Land 2021. Er gilt als beliebter Amtsinhaber, kämpft aber gegen miese SPD-Umfragen im Bund. Ebling treibt den Spagat im Wahlkampf auf die Spitze, auf seinen Plakaten taucht partout kein SPD-Emblem auf.

Klar ist: Eine Niederlage in einer der großen Städte, die als letzte kommunale Bastionen der Genossen in Rheinland-Pfalz gelten, dürfte das gebetsmühlenartig betonte Selbstvertrauen der Sozialdemokraten schmälern, dass alleine die Popularität von Dreyer für die SPD zum Sieg bei der Landtagswahl 2021 reicht.  Einen Sieg würden die jüngst kaum von Erfolgen verwöhnten Sozialdemokraten Ebling umso mehr danken. „Gewinnt Ebling, ist er im Jackpot. Fährt er im ersten Durchgang die absolute Mehrheit ein, bekommt er sogar noch Extra-Sternchen“, sagt ein Spitzengenosse im Land zur Kronprinzen-Frage.

Viele Genossen schließen nicht aus, dass den OB noch höhere Ziele reizen. Mancher Sozialdemokrat argwöhnt, dass SPD-Spitzenfrauen wie Malu Dreyer und Doris Ahnen näher an Ebling als an Schweitzer stehen. Der Mainzer sei empathisch, baue schnell einen direkten Zugang zu Bürgern auf, stehe da selbst Regierungschefin Dreyer in Nichts nach, heißt es. Landespolitisch hat Ebling Erfahrung als Bildungsstaatssekretär. Gegner zweifeln, ob das von Ebling verkörperte Mainz-Gefühl von Schorle und Fassenacht auch den ländlichen Raum entflammt. Andere wenden ein, dass im ländlich geprägten Niedersachsen mit Stephan Weil auch ein SPD-Oberbürgermeister aus der Landeshauptstadt Hannover den Sprung zum Ministerpräsidenten geschafft habe.

Ebling muss aber erst einmal die Wahl in Mainz gewinnen. „Das ist überlebensnotwendig für ihn“, sagt ein Genosse. Und: Mancher Sozialdemokrat im Land spekuliert schon, dass Malu Dreyer auch 2026 zur Wahl antritt, wenn sie 2021 die Staatskanzlei verteidigt. Die Regierungschefin versprühe neuen Tatendrang, seit sie den Bundesvorsitz vorübergehend übernommen hat, schildern Beobachter. Dreyer, ein großer Fan von Königin Elizabeth II., könnte ihre Kronprinzen wie die britische Queen also zappeln lassen. Sollte Ebling irgendwann ins Spiel kommen, würde sich Geschichte wiederholen. 2002, als er in Mainz Beigeordneter für Soziales wurde, folgte er auf Malu Dreyer.

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