Religiöse Bräuche Das Opferfest 2024: Was feiern Muslime in diesen Tagen?

Vier Tage lang feiern Muslime das Opferfest und damit ihr wichtigstes Fest des Jahres. Die Überlieferung, auf der die Tradition aufbaut, kennt man auch aus dem Christentum.

 Gebet zum Beginn des Opferfestes 2023 in Madrid.

Gebet zum Beginn des Opferfestes 2023 in Madrid.

Foto: dpa/Carlos Luján

Vier Tage lang begehen Muslime das höchste Fest ihrer Religion. Mit dem Opferfest endet der Hadsch, die jährliche Pilgerfahrt nach Mekka. Es wird aber nicht nur rund um Mekka gefeiert, sondern in aller Welt. Der Name geht auf eine Überlieferung aus dem Koran zurück, die man auch außerhalb des Islams kennt. Noch heute spielt das Tieropfer, das in dieser Erzählung vorkommt, eine Rolle bei den Feierlichkeiten.

Wann wird das Opferfest 2024 gefeiert?

Das Opferfest dauert immer vier Tage lang und beginnt am zehnten Tag des letzten Monats im islamischen Kalender. Da sich dieser Kalender am Mond orientiert, verschiebt sich der Termin jedes Jahr um elf Tage nach vorne. Das Opferfest wandert somit auf lange Sicht auch durch alle Jahreszeiten. Das Opferfest 2024 beginnt am 16. und endet am 20. Juni.

Welche Namen gibt es für das Opferfest?

Auf Arabisch heißt das Opferfest Eid al-Adha. Auch andere Schreibweisen wie Īd ul-Adha sind möglich. Auf Türkisch wird das Fest Kurban Bayramı genannt. Die Wörter „Eid“ und „Bayram“ kennzeichnen dabei jeweils den „Feiertag“.

Was ist das Opferfest und welche Bedeutung hat es?

Das Opferfest ist das höchste Fest im Islam und basiert auf der Erzählung vom Propheten Abraham (Ibrahim), der von Gott den Befehl erhielt, seinen eigenen Sohn zu opfern. Abraham war bereit, diesem Befehl zu gehorchen. Er wurde aber von Gott noch davon abgehalten, seinen eigenen Sohn zu töten. Auch in der Bibel taucht diese Erzählung im Alten Testament auf. Sowohl der Islam als auch das Christentum und das Judentum betrachten Abraham als ihren „Stammvater“. Im Islam ist er einer der Vorfahren des Propheten Mohammed.

Das Opferfest bezieht sich direkt auf diese Geschichte und erinnert somit daran, dass Abraham sein Vertrauen in Gott bewiesen hat. Außerdem wird für Gläubige dadurch die Barmherzigkeit Gottes gezeigt. Die Deutsche Islamkonferenz erklärte: „Mit dem Opferfest soll in erster Linie die Ergebenheit der Muslime in Gott und die Verantwortung und Aufrichtigkeit ihres Glaubens symbolisiert werden.“

Aus Dankbarkeit erbrachte Abraham trotzdem noch ein Opfer. Hierfür schlachtete er einen Widder. Die Tradition, das Opferfest zu begehen, wurde laut muslimischem Glauben vom Propheten Mohammed eingeführt, und zwar bei seiner ersten Pilgerfahrt nach Mekka.

Mit der Bedeutung des Opferfestes sind im Islam nur noch der Fastenmonat Ramadan und das daran anschließende Zuckerfest vergleichbar.

Welche Traditionen sind mit dem Opferfest verbunden?

Das Tieropfer ist auch heute noch in muslimisch geprägten Ländern eine lebendige Tradition zu diesem Fest. Bei den Feierlichkeiten geht es aber um viel mehr als das Tier.

Am Morgen des ersten Tages sind Männer und Frauen gleichermaßen zur Teilnahme am Festgebet und der Predigt in der Moschee aufgerufen. Die folgenden Feierlichkeiten finden im Kreis der Familie statt. Der Besuch bei Verwandten ist ein fester Teil des Opferfestes. Auch neue Kleidung und Geschenke für die Kinder gehören dazu. Die überragende religiöse Bedeutung und die familiäre Art der Feiern führen häufig zu einem Vergleich mit dem christlichen Weihnachtsfest.

Das Opfertier wird an einem der Festtage geschlachtet. In modernen Zeiten ist es kein Widder, sondern eher ein Lamm oder Rind. Einen von drei Teilen des Fleisches behält die Familie, einen erhalten Nachbarn und Verwandte und den letzten erhalten die Bedürftigen.

Eigentlich wird das Opfertier nach islamischer Tradition geschächtet. Dieses Ausbluten ohne Betäubung ist in Deutschland verboten und kann nur durch Ausnahmegenehmigungen aus einem wichtigen religiösen Grund erlaubt werden. Das traditionelle Schlachten durch die Hand des Familienoberhaupts ist in Deutschland nicht üblich, sondern bleibt Fachkräften überlassen.

Was bedeutet der traditionelle Gruß „Eid Mubarak“?

Wie bei so vielen großen Anlässen gibt es auch beim Opferfest wiederkehrende Grußformeln. Im Arabischen sagt man „Eid Mubarak“, was sich mit „gesegnetes Fest“ ins Deutsche übersetzen lässt. Im Türkischen könnte man das gleich mit „Kurban bayraminiz mübarek olsun“ zum Ausdruck bringen.

Ist das Opferfest ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland?

Zwar ist das Opferfest das höchste Fest im Islam, zu den gesetzlichen Feiertagen in Deutschland gehört es aber nicht. Dennoch haben Eltern das Recht, ihre Kinder vom Unterricht zu befreien – aber nur für den ersten Festtag. Dafür müssen sie einen Antrag bei der Schule stellen. Arbeitnehmer hingegen können unbezahlten Urlaub beantragen. Gleiches gilt für das Zuckerfest nach Ramadan.

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