Religion und Tradition Das Pessach-Fest und seine Bräuche: Was wird eigentlich gefeiert?

Eines der wichtigsten Feste im Judentum ist das Pessachfest. Warum und wie Pessach gefeiert wird und was ungesäuertes Brot damit zu tun hat.

Pessach-Fest: Was wird gefeiert und welche Bräuche gibt es?
Foto: dpa/Christophe Gateau

In Deutschland leben rund 100.000 Menschen jüdischen Glaubens. Für viele von ihnen ist Pessach eines der wichtigsten Feste des Jahres. Es wird im Frühjahr etwa zeitgleich mit dem christlichen Osterfest gefeiert. Im Jahr 2024 findet es vom 22. April bis zum 30. April statt.

Pessach erinnert an die Vergangenheit des jüdischen Volkes

Pessach ist ein Symbol für die Kraft des Glaubens, die Freiheit und die Hoffnung. Laut des Zentralrats der Juden in Deutschland wird an Pessach der Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten gefeiert und zugleich der Sklaverei, in der es dort leben musste, gedacht. Die biblischen Exodus-Überlieferungen im zweiten Buch Mose berichten vom Leiden der Israeliten, von ihrem überstürzten Aufbruch sowie der Flucht durch die Wüste.

In den Überlieferungen heißt es, dass Mose im Auftrag Gottes nach Ägypten zurückkehren und das Volk Israel aus der Sklaverei führen soll. Da der Pharao die Israeliten aber nicht gehen lassen will, schickt Gott zehn Plagen. Dazu zählt beispielsweise das Nilwasser, das zu Blut wird, viele Mücken, eine Pest und eine dunkle Finsternis. Mit der zehnten Plage bestraft Gott die Ägypter, indem er in jeder Familie den männlichen Erstgeborenen tötet.

Um verschont zu bleiben, schlachtet jede israelitische Familie ein Lamm. Mit dem Blut dieses Lammes bestreichen sie ihre Türen als Schutzzeichen. So zieht der Todesengel an den Häusern der jüdischen Sklaven vorbei. Daraufhin lässt der Pharao, dessen Erstgeborener ebenfalls gestorben ist, das Volk Israel ziehen.

An diese Überlieferung soll in vielen jüdischen Haushalten auch die Mesusa erinnern. Sie ist ein kleines längliches Kästchen, das am oberen rechten Teil des Türrahmens angebracht wird. Viele Gläubige betrachten die Mesusa als eine Art Glücksbringer, der Unheil von ihrer Wohnung fernhält.

Das passiert am jüdischen Sederabend

Laut des Zentralrats der Juden in Deutschland haben sich aus dieser Geschichte viele Rituale entwickelt. Diese Rituale zelebrieren Menschen jüdischen Glaubens vor allem am Sederabend. Mit dem Sederabend beginnt das Fest. Das hebräische Wort „Seder“ bedeutet „Vorüberschreiten“ und erinnert an den Tod, der die Häuser der Israeliten übersprungen hat.

Zum häuslichen Ritual der beiden ersten Abenden gehört eine festliche Mahlzeit, im Kreis der Familie und Freunden, die nach einer festen Ordnung verläuft. Auf dem Plan stehen traditionelle Speisen und eine Lesung aus der Haggada - der Geschichte vom Auszug der Juden aus Ägypten. Außerdem werden auch viele Lieder gesungen. Die praktizierten Rituale sind an beiden Abenden im Wesentlichen gleich.

Pessach: Das Fest der ungesäuerten Brote

Insgesamt wird Pessach acht Tage lang begangen. Gläubige essen zu dieser Zeit ungesäuertes und hefefreies Brot. Mit diesem speziellen Brot soll an den überstürzten Aufbruch der Israeliten aus Ägypten erinnert werden. Denn sie hatten keine Zeit mehr, den Teig für ihre Brote gären zu lassen. Stattdessen gab es nur aus Mehl und Wasser hergestellte trockene Mazze (ein ungesäuertes Fladenbrot bzw. eine Art Knäckebrot).

Der Frühjahrsputz gehört auch zum Pessach

Es ist nicht nur verboten, Gesäuertes zu genießen, sondern auch, es überhaupt zu besitzen. Deshalb wird vor dem Fest alles, was Sauerteig enthält oder mit Gesäuertem in Berührung gekommen ist, aus dem Haus geräumt. Außerdem wird das Haus gründlich gereinigt.

Dabei müssen alle Küchengeräte und Bestecke durch Ausglühen oder Auskochen von Sauerteigresten befreit werden. Für Pessach wird Geschirr verwendet, das nur für diesen Anlass bestimmt ist. Am Vorabend des Festes ist der Hausherr verpflichtet, das ganze Haus nach noch vorhandenem Gesäuerten zu durchsuchen. Was er findet, muss er dann am Morgen verbrennen.

Diese symbolischen Speisen gibt es zum jüdischen Fest

Auf die Teller kommen, laut des Zentralrats der Juden in Deutschland, viele symbolträchtige Speisen. Neben drei Mazzen, die jeweils in eine Serviette gewickelt oder in eine dreifächerige Tasche gelegt werden, gibt es zum Beispiel auch noch „Erdfrüchte“, wofür Radieschen, Sellerie oder Petersilie verwendet werden. Außerdem steht ein Gefäß mit Salzwasser bereit. Bitterkraut (Meerrettich oder Kopfsalat), ein Mus aus geriebenen Äpfeln, Mandeln, Zimt und Wein, ein Knochen mit etwas gebratenem Fleisch daran und ein gekochtes Ei gehören ebenfalls zu den symbolischen Speisen.

Der Knochen mit dem Fleisch soll an das Pessachopfer, das Opferlamm, erinnern. Eier werden einerseits als Symbol des Lebens gedeutet und sind andererseits auch ein Zeichen der Trauer. Die übrigen Speisen beziehen sich auf die Knechtschaft der Juden in Ägypten. Das Salzwasser, in das die Erdfrüchte getaucht werden, erinnert an die vergossenen Tränen. Mit dem Bitterkraut wird an die bitteren Leiden gedacht und das braune Fruchtmus erinnert an den Lehm, aus dem die Israeliten Ziegel herstellen mussten.

Wo versteckt sich der Afikoman?

Die Mazzen werden auch als „Brot der Armen“ bezeichnet. Beendet wird das Abendessen mit einem Stück Mazza, dem Afikoman. Es hat sich der fröhliche Brauch entwickelt, dass die an der Feier teilnehmenden Kinder das Stück Mazza versteckten und der Hausherr es zunächst nicht finden kann. Um die Feier fortsetzen zu können, muss der Afikoman gegen ein kleines Geschenk eingetauscht werden.

Schöne Glückwünsche zu Pessach

Sie möchten Freunden oder Bekannten zu Pessach Gutes auf Hebräisch wünschen? Das können Sie sagen:

  • „Pessach Sameach“ (deutsch: „Fröhliches Pessach“)
  • „Chag Sameach“ (deutsch: „Fröhliche Feier“)
  • „Chag Pessach Sameach ve Kasher“ (deutsch: „Ein fröhliches und koscheres Pessachfest“)
  • Ein einfaches „Fröhliches Pessach“ kann eine bequeme Alternative sein, wenn die hebräische Aussprache zu schwierig ist.
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