„Politik ist kein Spiel“ – Alexander Licht rechnet mit Marlon Bröhr ab

Kostenpflichtiger Inhalt: Landtagswahlkampf : „Politik ist kein Spiel“ – Alexander Licht rechnet mit CDU-Kandidat Marlon Bröhr ab

In einem offenen Brief greift der Landtagsabgeordnete aus Brauneberg den CDU-Kandidaten an – und richtet einen deutlichen Appell an ihn.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Licht, kritisiert Marlon Bröhrs Bewerbung um die Spitzenkandidatur im Landtagswahlkampf scharf. Die Kampfkandidatur des Rhein-Hunsrück-Landrats gegen Christian Baldauf, den Vorsitzenden der CDU Landtagsfraktion, richte wider besseren Wissens „mehr Schaden als Nutzen“ an. Bröhr, so Licht in einem offenen Brief, der unserer Zeitung exklusiv vorliegt, mutiere „zur reinen Spielernatur“ und nehme Konsequenzen für die Partei „nicht nur billigend in Kauf“, sondern provoziere sie sogar „in aller Öffentlichkeit.“

Licht ist direkt gewählter Abgeordneter im Wahlkreis 23, in dem auch rund 20 000 Bürger des Rhein-Hunsrück-Kreises leben. Er wendet sich direkt an Bröhr und betont in dem Schreiben, dass ihn nicht die Kandidatur an sich störe, „sondern es ist die Art und Weise deiner Inszenierung, deines Zeitplans.“ Diese Inszenierung begann Mitte Oktober mit einer E-Mail und einem Facebook-Eintrag.

Bröhr, der seitdem die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner im Juni Christian Baldauf als Kandidaten vorgeschlagen hatte, mehr oder weniger offen mit einem eigenen Antreten kokettierte, lud zur Pressekonferenz nach Simmern. Dazu postete er via Facebook ein Urlaubsfoto auf einem Segelschiff – versehen mit dem Kommentar „frischer Wind“.

Während der Pressekonferenz attackierte er die Spitzenfunktionäre der CDU rustikal. Die Vorwürfe: schlechte Kommunikation eigener Themen (kommunale Finanzen), das Image der ewigen Wahlverlierer und Unkenntnis der Probleme auf kommunaler Ebene. „Ich stehe für einen glaubwürdigen Neuanfang, bin kein Protagonist verlorener Wahlen, kein Mandatsträger und kenne mich im Verwaltungsgeschäft aus“, sagte Bröhr.

Die „Generation Opposition“, zu der auch Alexander Licht (seit 1991 im Landtag) gehört, bekommt folgende Sätze zu hören: „Die CDU in Rheinland-Pfalz war erfolgreich bei Wahlen im Bund, in Europa und den Kommunen. Im Land bleibt seit 1991 aber der Sieg aus.“ Doch damit nicht genug. Gekrönt wurde der Auftritt mit einem Werbevideo, das Bröhr bei eine Klettertour zeigt. Dort fragt er: „Was macht man mit einem Konzept, das wiederholt nicht zum Erfolg geführt hat? Man muss es ändern.“

Licht kritisiert nun, dass allerdings auch einige Wochen nach dieser Show niemand außer Bröhr weiß, wie denn dessen Konzept aussehen soll. Bei einem ersten Rededuell mit Baldauf beim Bezirksparteitag Trier in Dreis, gab Bröhr sich mysteriös. Lichts Urteil: „Ohne Inhalt aufzuschlagen und lediglich anzukündigen, ,ausgeschlafen‘ beim Landesparteitag zu erscheinen, bedeutet doch für jeden Delegierten, die Katze im Sack zu kaufen.“

Seitdem, wendet er sich direkt an Bröhr, habe sich sein „Eindruck verstärkt, dass du mit deiner Kandidatur ein riskantes Spiel eingehst“. Licht deutete an, dass es auch interne Gespräche gab: „Mögliche Konsequenzen, Einschätzungen zu deiner Reputation hat dein engerer Freundeskreis dir oft genug vor Augen geführt, währenddessen du im Gegenzug aber immer mehr zur reinen Spielernatur mutierst.“ Und: „Politik ist kein Spiel!“

Klar ist, dass Bröhr auf eine Mitgliederentscheidung setzt. In einer Delegiertenwahl, werden ihm beim Parteitag am kommenden Samstag keine Chancen eingeräumt. Einen entsprechenden Antrag hatte der Gemeindeverband Kirchberg eingebracht. Laut Licht „ein Freundschaftsdienst“, nachdem Bröhrs Kreisverband ihm „klar signalisiert“ hatte, ihn nicht zu nominieren.

Im Brief wird auch deutlich, dass Urgestein Licht und der Quereinsteiger Bröhr ein völlig anderes Verständnis von Parteiarbeit pflegen. Während Bröhr immer wieder betonte, dass er „keine Zeit für Telefonate“ mit Parteifreunden habe, betrachtet Licht die Landes-Union als eine Partei „im repräsentativen Aufbau, in dem sich jede und jeder jederzeit gerne einbringen kann“: „Einbindungen waren dir stets möglich und willkommen.“

Auch zwei weitere Vorwürfe des Landrats weist Licht, der seinen Wahlkreis seit 1991 immer gewonnen hat, zurück: „Wie man Wahlen gewinnt, kann ich beurteilen.“ Und: „So wie ich kennen die Mandatsträger der CDU-Landtagsfraktion die Sorgen und Interessen auch der kommunalen Ebenen.“

Marlon Bröhr will CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz werden. Foto: dpa/Thomas Frey

Die Differenz zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung des Landrats verdeutlicht Licht an einem konkreten Beispiel:  „Bezeichnend ist ebenfalls die echauffierte Reaktion des Kreisverbandes der Grünen im Rhein-Hunsrück-Kreis auf deine Ankündigung, mit den Grünen eine Koalition zu bilden. Sie kennen dich wohl aus der politischen Praxis.“Licht forderte Bröhr auf, seine Kandidatur zu überdenken und gegebenenfalls zurückzuziehen, um die Wahlchancen der Union zu vergrößern.

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