Politiker: Mehr Bundespolizei auf Bahnhöfen – auch in der Region

Sicherheit : Politiker: Mehr Bundespolizei auf Bahnhöfen – auch in der Region

Nach tödlicher Attacke auf Achtjährigen: Minister Seehofer warnt vor Hetze gegen Ausländer.

Am Tag nach dem tragischen Tod eines Achtjährigen am Frankfurter Hauptbahnhof geht der Betrieb am Trierer Hauptbahnhof normal weiter. Von erhöhten Sicherheitsvorkehrungen – etwa durch mehr Bundespolizisten – an den Gleisen  ist auf den ersten Blick nichts zu erkennen.

Auch die Reisenden, die an den Bahnsteigen warten, verhalten sich offenkundig nicht anders als vor der Tat in Frankfurt. Eine ältere Dame ist an diesem Nachmittag mit ihren Enkeln im Trierer Bahnhof unterwegs, auf der Suche nach dem richtigen Gleis. Als die Frau am Informationsschalter in der Bahnhofshalle nachfragt, stehen die beiden Kinder zunächst allein am Bahnsteig – von besonderer Angst ist hier nichts zu spüren.

Ein aus der Schweiz stammender Eritreer hatte am Montag in Frankfurt einen Achtjährigen und seine Mutter vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Die Mutter konnte sich retten, der Junge starb. Außerdem soll der 40-jährige, dreifache Familienvater versucht haben, eine 78-Jährige ins Gleisbett zu stoßen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nannte die Tat gestern einen „kaltblütigen Mord“. Der Tatverdächtige sei zur Fahndung ausgeschrieben und auf der Flucht gewesen, sagte Seehofer. Laut der Schweizer Polizei soll er vergangene Woche seine Familie und eine Nachbarin angegriffen haben.

Seehofer kündigte an, die Sicherheit auf den 6500 Bahnhöfen in Deutschland zu erhöhen. Er sprach von einer größeren Polizeipräsenz und forderte eine stärkere Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Eine absolute Sicherheit sei nicht möglich, aber man habe eine „moralische Verantwortung“, so Seehofer.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz erwarte eine „größtmögliche Präsenz der Bundespolizei auf Bahnhöfen“, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage unserer Zeitung und ergänzte, dass die Gedanken nach der  Tat vor allem bei den Angehörigen des Jungen, insbesondere der Mutter, und den Zeugen seien, die sich am Bahnhof aufhielten, so die Sprecherin.

Eine dieser Zeugen ist die Mainzer Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs. Auf ihrer Facebook-Seite schreibt sie: „Der entsetzliche Schrei klingt nach. Und das Erlebnis, wildfremde Menschen fest in den Arm zu nehmen, weil sie sichtlich Schockreaktionen zeigen.“

Derweil warnte Horst Seehofer davor, den Fall zur Hetze gegen Migranten zu nutzen. Es stelle sich nicht die Frage nach einer Änderung des Aufenthaltsrechts: Der Eritreer habe eine Aufenthaltserlaubnis und sei seit 2008 dazu berechtigt, in der Schweiz zu leben. Dort galt er als gut integriert.

Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge hatte, wie auch andere Mitglieder der Partei, den Tod des Jungen dazu genutzt, ausländerfeindliche Äußerungen zu tätigen. „Zugkiller, #Messerkiller, #Vergewaltiger, #Schwimmbadpöbel usw.! Abschieben, abschieben, abschieben BEVOR sie töten und vergewaltigen können! Es reicht!“, schrieb Junge auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

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