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Kriminalität
Polizei rüstet auf im Kampf gegen internationale Einbrecherbanden

FOTO: dpa / Roland Weihrauch
Trier/Luxemburg. Immer mehr Ganoven nutzen in der Großregion die Sprach- und Behördenvielfalt aus. In einem Zentrum mit 40 Beamten am Flughafen Luxemburg wird die Strafverfolgung forciert. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Ohne Grenzkontrollen von Deutschland nach Luxemburg nach Belgien und wieder zurück: Was für Grenzgänger zur Arbeit und für Reisende eine praktische und zeitsparende Sache ist, nutzen auch Kriminelle. Denn von der Freizügigkeit des Reisens profitieren ebenfalls Straftäter.

Die frühere Dunkelheit im Herbst, wenn die Bewohner noch nicht zu Hause oder im Urlaub sind, nutzen vor allem grenzüberschreitend tätige organisierte Einbrecherbanden, stellt Kriminalhauptkommissar Mario Wolter vom gemeinsamen Zentrum für grenzüberschreitende Polizei- und Zollzusammenarbeit (GZ) in Luxemburg fest: „Auch wenn die Zahl der Einbrüche insgesamt stark gesunken ist: Im Herbst steigen bei uns die Anfragen aus der Großregion erheblich an.“ Dabei nutzen die Verbrecher die laut Wolter „einmalige Strafgeografie in der Großregion“ aus. Schließlich sind innerhalb weniger Kilometer gleich mehrere Nationalstaaten mit verschiedenen zuständigen Behörden und unterschiedlichen Sprachen im Einsatz, die die Strafverfolgung über die Grenzen erschweren können. „Ein vermeintliches Eldorado für Straftäter“, sagt Wolter.

Doch die Polizei hat aufgerüstet. Seit 2003 gibt es per Gründungsvertrag das am Luxemburger Flughafen ansässige gemeinsame Zentrum mit 40 Beamten aus 13 verschiedenen Behörden der Polizei und des Zolls aus Deutschland, Luxemburg, Belgien und Frankreich. Für Rheinland-Pfalz sind es zwei Beamte des Landeskriminalamtes, Dezernat internationale polizeiliche Zusammenarbeit.

Seit 2005 sichert der Prümer Vertrag, auch Schengen III genannt, den beteiligten Staaten sogar per Beschluss den Zugriff auf Datenbanken wie DNA-Abdrücke und Fahrzeugdaten. 84 Prozent der jährlich rund 17 000 Überprüfungen (2017) haben die Beamten des GZ innerhalb von vier Stunden abarbeiten können. „Das ist unschlagbar“, sagt Wolter stolz.

Die rheinland-pfälzische Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes beim Bund für Europa, Medien und Digitales, Heike Raab, spricht folglich angesichts des gemeinsamen Zentrums in Luxemburg von einem „Leuchtturmprojekt“, das die Freizügigkeit erhalte. „Wir stehen zu Schengen und wollen dies für die Bürger und die Wirtschaft auch aufrechterhalten“, sagt sie bei einem Netzwerktreffen in der deutschen Botschaft in Luxemburg. Dies sei mit Blick auf die Zuständigkeit Rheinland-Pfalz’ im Sommer 2019 für die Europaministerkonferenz und die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2020 wichtig, wo auch grenzüberschreitende Themen wie Migration und Verbrechensbekämpfung auf der Tagesordnung stünden.

Gleichzeitig setzt die Politik verstärkt auf die Themen Sicherheit und Prävention. So hat das Haus der Großregion in Esch-sur-Alzette Datenkarten angefertigt, um anhand der Polizeidaten und Statistiken etwa Unfallschwerpunkte oder Delikthäufigkeiten ablesen zu können und daraus Schwerpunkte für Präventionsarbeit entwickeln zu können, sagt Florence Jacquey, Geschäftsführerin des Gipfelsekretariats der Großregion. Denn Sicherheit gehe vor. Für Kriminalhauptkommissar Wolter ist deshalb klar: „Ein gemeinsamer Raum der Freiheit muss auch ein gemeinsamer Raum der Sicherheit sein.“

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