Der „heiße Monat“ im Islam Ramadan 2024: Das müssen Sie zum Fastenmonat der Muslime wissen

Der 9. Monat im islamischen Mondkalender nimmt sein Ende – und damit auch Ramadan. Was nun ansteht, ist das dreitägige Zuckerfest. Was es damit auf sich hat und wie Muslime feiern.

 Ein Muslim der in Mekka, Saudi-Arabien, während der Hadsch (Pilgerfahrt nach Mekka) vor der Kaaba betet. In diesem Jahr geht sie von Freitag, 14. Juni bis Mittwoch, 19. Juni.

Ein Muslim der in Mekka, Saudi-Arabien, während der Hadsch (Pilgerfahrt nach Mekka) vor der Kaaba betet. In diesem Jahr geht sie von Freitag, 14. Juni bis Mittwoch, 19. Juni.

Foto: Getty Images/iStockphoto/iStock/Zurijeta

Wir schreiben das Jahr 1446, sofern man nach dem islamischen Mondkalender gehen möchte. Ist der neunte Monat in diesem Kalender erreicht, beginnt auch der alljährliche Ramadan – der Fastenmonat der Muslime.

In diesem fasten gläubige Muslime für etwa 30 Tage. Ramadan bedeutet so viel wie „heißer Monat“ und spielt auf die Hitze an, die im Magen durch Hunger und Durst entsteht. Im Jahr 2024 begann Ramadan am Sonntag, 10. März, und endet am Dienstag, 9. April. Da der islamische Mondkalender pro Jahr zehn oder elf Tage kürzer ist als der Sonnenkalender, verschiebt sich auch jährlich das Datum der Fastenzeit. Direkt nach dem Ramadan feiern Millionen von Muslimen das dreitägige Zuckerfest, auch „Eid al-Fitr“ genannt.

Muslime essen und trinken zwischen Sonnenaufgang und -untergang nichts

Dem Koran zufolge beginnt das Fasten, sobald in der Morgendämmerung ein weißer von einem schwarzen Faden zu unterscheiden ist. Heutzutage gibt es minutengenaue Zeitpläne im Internet zu finden, die auf den jeweiligen Ort angepasst sind.

Muslime verzichten in dieser Zeit zwischen Sonnenaufgang und -untergang auf Essen und Trinken. Was viele nicht wissen, auch Rauchen und Geschlechtsverkehr sind tabu. Nur während der Nächte gelten die Regeln nicht. Die Dattel ist meistens das erste, was am Abend beim Fastenbrechen, „Iftar“ genannt, gegessen wird. Auch Moscheen laden zum gemeinsamen Iftaressen ein. Außerdem lesen in diesem Monat viele Muslime den Koran gründlich durch und pflegen den Kontakt zu ihren Mitmenschen.

Besonders in den muslimischen Ländern verläuft im Fastenmonat alles etwas langsamer. Wenn möglich, versuchen sie auch die Zeit mit Schlaf zu überbrücken. Die Nacht wird aber zum Tag: Denn dann bekommen die Straßen einen lebendigen und festlichen Charakter.

Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam – die wichtigsten Pflichten der Muslime

Warum ist Ramadan für Muslime so wichtig? Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam und ist daher eine heilige Pflicht für Muslime auf der ganzen Welt. Die vier weiteren Säulen sind:

  • Das Glaubensbekenntnis („Shahada“): Dabei sollen die Worte "Aschhadu an la ilaha illa-lah wa aschhadu anna muhammadan rasulu-lah" gesprochen werden. Es bedeutet: „Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter."
  • Die Pflichtgebete („Salāt“): Muslime sollten fünf Mal am Tag in Richtung Mekka beten: in der Morgendämmerung vor Sonnenaufgang, nach dem Höchststand der Sonne, zwischen Mittag und Abend, zwischen Sonnenuntergang und Dämmerung sowie in der Dunkelheit vor der Morgendämmerung. Gebetet wird aber erst nach der rituellen Reinigung „Wudu“. Dabei werden vor allem Gesicht, Hände und Füße gewaschen.
  • Die soziale Pflichtabgabe („Zakat“): Hierbei sollen Muslime arme Menschen finanziell unterstützen, sofern sie nicht selber hoch verschuldet oder unter dem Existenzminimum leben. Die Ziele: die soziale Sicherheit und das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Menschen stärken.
  • Die Pilgerfahrt nach Mekka („Hadsch“): Mindestens einmal im Leben sollten Muslime die Pilgerfahrt nach Mekka („Hadsch“) machen, wenn sie körperlich und finanziell dazu in der Lage sind. Dabei treffen sich etwa drei Millionen Muslime jährlich im zwölften Monat des Mondkalenders, während dem Opferfest, in Mekka. In diesem Jahr ist es in der Zeit vom 14. bis 19. Juni. Muslime können es an keinen anderen Tagen des Jahres machen. In Mekka umrunden sie sieben Mal die heiligste Stätte des Islams, die Kaaba. Neben der Hadsch gibt es auch eine „kleine“ Pilgerreise, die „Umrah“. Sie bringt den gleichen Segen mit sich wie der Hadsch, ist aber nicht verpflichtend und weniger kostspielig. Hinzu kommt, dass es für die Umrah keinen festen Zeitpunkt oder Zeitplan gibt. Auch wenn es sich bei beiden Pilgerfahrten um spirituelle Reisen handelt, sind sie nicht gleichwertig. Da der Hadsch zu den fünf Säulen des Islams gehört, ist sie verpflichtend und hat daher auch einen größeren Wert. Während der Pilgerfahrten sollen vor Gott alle gleich sein, weshalb sie besonders einfache Kleidung tragen sollen. So zeigen sie keine sozialen Unterschiede.

Auch zu Beginn des Ramadan pilgern viele Muslime nach Mekka. Der Fastenmonat hat im Islam eine besondere Bedeutung, denn in diesem Monat ist der Koran herabgesandt worden. Das Fasten soll Körper und Seele reinigen sowie Selbstbeherrschung und Konzentration auf das Wesentliche fördern. Außerdem sollen sie so Barmherzigkeit gegenüber Bedürftigen üben. Ganz wichtig: Es soll außerdem verdeutlichen, dass die Religion einen höheren Wert hat als das tägliche Leben.

Wer muss im Monat Ramadan fasten?

Aber nicht jeder ist zum Fasten verpflichtet. Kurzgesagt fastet eigentlich jeder gläubige Muslim, der die Pubertät erreicht hat, es gibt jedoch Ausnahmen. Zu diesen zählen:

  • Krankheit,
  • Schwangerschaft,
  • stillende Frauen,
  • Menstruation,
  • Reisen und
  • alte Menschen.

Auf wen einer dieser Punkte zutrifft, ist vom Ramadan befreit. Dennoch sind sie aufgefordert, Bedürftigen zu helfen und vereinzelte Tage, die zum Beispiel wegen einer Grippe nicht gefastet wurden, nachzuholen.

Nach dem Ramadan feiern Muslime das dreitägige Zuckerfest

In den normalen Alltag kehren Muslime nach Ramadan aber nicht zurück – jedenfalls nicht direkt. Zuerst feiern die rund zwei Milliarden Muslime für drei Tage das „Zuckerfest“ beziehungsweise „Eid al-Fitr“. In diesem Jahr dauert es vom 10. bis 12. April. Neben dem Opferfest, das Abraham gedenkt, ist das Zuckerfest das zweitwichtigste Fest im Islam. Es belohnt die Widerstandskraft und Selbstbeherrschung der Fastenden. Umgekehrt danken die Muslime ihrem Gott Allah dafür, dass sie die Kraft und Ausdauer bekommen haben diese heilige Pflicht zu erfüllen.

Das Zuckerfest ist außerdem ein Anlass zur Freude und zum Feiern. Bereits während des Ramadan beginnen Muslime sich auf die Festtage vorzubereiten. Sie planen Besuche und kaufen Geschenke sowie Festkleider. Zudem bereiten sie besondere Speisen vor. Was natürlich nicht fehlen darf: Süßigkeiten. Darauf freuen sich besonders die Kinder. Wegen der vielen Naschereien, die Kinder geschenkt bekommen, trägt das Zuckerfest auch seinen Namen.

Zuckerfest: Was Muslime an den drei Tagen machen

In islamischen Ländern müssen Kinder an diesen Tagen nicht die Schule besuchen. In Deutschland kann das hingegen variieren und ist von Schule zu Schule unterschiedlich.

Der erste Feiertag des Zuckerfestes beginnt üblicherweise mit einem gemeinsamen Gebet in der Moschee. Dafür sollen Muslime ihre schönsten und besten Kleider tragen. Viele gehen auch auf den Friedhof, um Verstorbenen zu gedenken. Im Anschluss stehen Besuche bei Verwandten und Freunden auf dem Plan. Es ist aber auch eine Zeit, um einander zu vergeben.

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