Schöpferische Faulheit: Rheinland-Pfalz genießt die Sommerferien

Heute ist Ferienstart : Schöpferische Faulheit: Rheinland-Pfalz genießt die Sommerferien

Die nächsten Wochen darf alles etwas langsamer und ruhiger gehen. Viele der mehr als 400 000 Schüler setzen in den großen Ferien auf neue Erfahrungen jenseits des Alltags. Andere nutzen die Zeit für die Chance zum Deutschlernen oder um in einem Ferienjob zu arbeiten.

Neuer Monat, neues Glück: Am 1. Juli beginnen in Rheinland-Pfalz die Sommerferien. Wenn am (morgigen Freitag) die Zeugnisse verteilt sind, können mehr als 400 000 Schülerinnen und Schüler bis zum 9. August aufatmen. Auch Eltern, Lehrer, Politiker oder Winzer freuen sich an freier Zeit.

FAULENZEN: Wer die Ferienzeit vor allem für intensives Nichtstun nutzen will, kann sich auf den Landesvorsitzenden der Lehrergewerkschaft VBE, Gerhard Bold, und dessen „zehn goldene Regeln für glückliche Ferien“ berufen. Erste Regel: „Schule hat Pause!“ Zweite Regel: Ferien sind Zeiten „schöpferischer Faulheit“. Nur wer seine „Seele baumeln“ lassen könne, fördere auch Fantasie und Kreativität und findet wieder Lust am Lernen oder Lehren.

FERIENJOB: Um Geld für eine besondere Reise oder ein anderes Projekt zu sparen, können die langen Sommerferien fürs Arbeiten genutzt werden. „Grundsätzlich müssen für einen Ferienjob immer Steuern gezahlt werden“, erklärt Finanzministerin Doris Ahnen (SPD). Sobald Schüler mehr als 1000 Euro im Monat verdienen, zahlen sie in der Steuerklasse I Lohnsteuer. Die einbehaltene Lohnsteuer wird aber nach Ende des Jahres vom Finanzamt in der Regel wieder erstattet, wenn eine Steuererklärung abgegeben wird. „Damit bleiben die meisten Ferienjobs letztendlich steuerfrei“, erklärt Ahnen.

LANDTAG: Auch das Parlament geht in die Sommerferien. „Es liegen keine Termine vor“, heißt es für den gesamten Juli auf der Webseite des Landtags. Erst am 13. August steht wieder die erste Ausschusssitzung an.

LEHRER: Sechs Wochen unterrichtsfreie Zeit geben den rund 41 000 Lehrkräften in Rheinland-Pfalz die Chance zur kreativen Erholung. Erstmals werden auch Vertretungslehrer, die vor dem 1. März einen befristeten Vertrag abgeschlossen haben, über die Sommerferien weiterbeschäftigt.

LESEN: Sommerferien sind Schmökerzeit. Viele Jugendliche haben sich dafür schon ein oder mehrere Bücher vorgenommen. Die Stiftung Lesen mit Sitz in Mainz empfiehlt unter Berufung auf Pädagogen, dass Eltern auch in den Sommerferien zehn Minuten täglich mit ihren Kindern das Lesen üben. „So können sie gut gerüstet in das neue Schuljahr starten.“

REISEN: Wer noch einen Platz in einer Sommerfreizeit oder einem Reitercamp sucht, kann in der Ferienbörse Rheinland-Pfalz des Landessportbunds gezielt nach Angeboten suchen. Dort haben Jugendverbände, Kommunen, Sportvereine und lokale Initiativen ihre Angebote eingestellt, die sich online durchsuchen lassen.

SPRACHKURSE: Für Schüler mit geringen oder keinen Deutsch-Kenntnissen bieten die Volkshochschulen in diesen Sommerferien insgesamt 70 Sprachkurse an. Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien oder mit einem anderen Migrationshintergrund nutzen so die sechs Wochen lange Schulpause, um Deutsch zu lernen. Das Bildungsministerium fördert die Kurse mit rund 88 000 Euro. In den Sommerferien 2018 gab es insgesamt 61 Kurse mit einem Fördervolumen von rund 76 000 Euro.

WINZER: Die Rebblüte ist in diesem Jahr nach einem eher kühlen Mai erst Mitte Juni zu Ende gegangen, so dass der rund 100 Tage danach erwartete Beginn der Weinlese diesmal nicht so früh sein wird wie im vergangenen Jahr. „Die Winzer können beruhigt in die Sommerferien fahren“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. In diesem Jahr sei erst mit einem Lesebeginn im September zu rechnen.

WISSENSCHAFT: Hochschulen in Rheinland-Pfalz bieten Jugendlichen Ferienprogramm mit Ausflügen in die Wissenschaft. An der Uni Mainz können sich etwa Oberstufenschüler auf eine „Sommer-Expedition Chemie“ begeben oder in der „KlimAkademie“ untersuchen, wie Pflanzen auf Temperaturveränderungen reagieren. Die Hochschule Koblenz hat Ferienkurse für Schüler ab 13 Jahren organisiert, etwa mit 3D-Druckern oder zum Entwerfen von digitalen Schaltungen.

(dpa)