Schweicher SPD-Politikerin Katarina Barley startet im Europaparlament voll durch.

Politiker : Auch in Straßburg mittendrin statt nur dabei - SPD-Politikerin Katarina Barley im Europaparlament

Die Schweicher SPD-Politikerin Katarina Barley startet auch im Europaparlament direkt voll durch. Wo soll das bloß enden?

Die ehemalige Bundesjustizministerin sitzt im Europäischen Parlament mittendrin. Platz 238 in der siebten Reihe der sozialdemokratischen Fraktion lautet Katarina Barleys neue Adresse im Straßburger Plenum; das ist schon etwas anderes als die gut sichtbare Ministerbank im Deutschen Bundestag. Doch die Schweicher Genossin begnügt sich auch in ihrem neuen Job nicht lange damit, künftig „nur“ noch als einfache Abgeordnete im Parlament zu sitzen.

Gleich in der ersten Straßburger Sitzung kandidiert Katarina Barley am Mittwochabend für den Posten der Parlaments-Vizepräsidentin und bekommt – neben 13 anderen – prompt den Zuschlag. „Drittbestes Ergebnis. Und das als Neue. Vielen herzlichen Dank für dieses überwältigende Vertrauen“, kommentiert die Schweicher Genossin im Internet sogleich ihr gutes Abschneiden – und setzt zum Beweis noch ein Foto der Anzeigentafel mit dem Abstimmungsergebnis dazu. Die Botschaft dahinter: Ich mache in Straßburg und Brüssel genauso erfolgreich weiter, wie ich in Berlin aufgehört habe.

Der Wechsel Barleys war nicht ganz freiwillig; sie hatte die Kandidatur für das Europäische Parlament erst abgelehnt, bevor die damalige SPD-Chefin Andrea Nahles sie doch noch vom Gegenteil überzeugen konnte. Mit dem Bundesjustizministerium hatte die promovierte Juristin, die gerne betont, ihre Doktorarbeit „ehrlich recherchiert und ganz alleine geschrieben“ zu haben, ihren Traumjob im Kabinett der Regierung Merkel inne. Zuvor war die 50-jährige Schweicherin schon Bundesfamilienministerin und geschäftsführende Bundesarbeitsministerin.

Drei Ministerposten innerhalb von nur zwei Jahren, das nötigt bei der Überreichung der Entlassungsurkunde am Donnerstag vergangener Woche auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Respekt ab. „Sie werden gerufen, wenn es brennt. Und Sie lassen sich in die Pflicht nehmen, wo es notwendig ist“, lobt Steinmeier die Spitzenpolitikerin, die auf dem bundespolitischen Parkett so rasch Karriere gemacht hat, wie nur wenige.

Als Parlamentsneuling mit gerade einmal zweijähriger Erfahrung wurde Katarina Barley im Dezember 2015 zur SPD-Generalsekretärin gewählt. Der damalige  Vorsitzende Sigmar Gabriel hatte sich für die Juristin entschieden und damit auch viele Parteifreunde überrascht. Im Berliner Politbetrieb zuckten damals nicht wenige mit den Schultern, weil ihnen der Name der Genossin zuvor noch nie untergekommen war. Dabei gehörte sie als Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion immerhin dem geschäftsführenden Fraktionsvorstand an.

Später als viele andere, mit 25 Jahren, war Barley der SPD beigetreten. „Die Ungerechtigkeit, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft über den Erfolg im Leben entscheidet, dass Armut krank und Krankheit arm macht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht“, nannte die Tochter einer deutschen Mutter und eines britischen Vaters rückblickend als Motive für den Parteieintritt.

Die gebürtige Kölnerin übernahm in der SPD schnell Verantwortung, wurde auf Anhieb Vorstands- und Ortsbeiratsmitglied in einem Trierer Stadtteil. 2005 kandidierte Barley für das Amt des Trier-Saarburger Landrats, unterlag allerdings gegen den CDU-Bewerber Günther Schartz.

Mit ihrem Ergebnis von knapp 45 Prozent hatte die zuvor in der Region noch weitgehend unbekannte, aber äußerst strebsame Politikerin auf sich aufmerksam gemacht. Die damalige Trierer SPD-Vorsitzende Malu Dreyer wurde eine von Katarina Barleys Fürsprechern in der Partei. „Ohne Dreyer hätte ich auch nicht für den Bundestag kandidiert“, sagte Barley später.

Die Mutter zweier Söhne arbeitete zunächst als Vertreterin des Landes im luxemburgischen Haus der Großregion, war später als Richterin in Trier und Wittlich tätig, bevor sie 2008 ins rheinland-pfälzische Justizministerium wechselte. Da war in SPD-Kreisen längst klar, dass auch dieser Posten für die gebürtige Kölnerin nur eine Übergangsstelle sein würde. 2013 schaffte Barley über die SPD-Landesliste den Sprung in den Bundestag.

Dort ging es steil nach oben, wenngleich es auch Rückschläge gab: Als SPD-Generalsekretärin musste Barley erfahren, wie hart das politische Geschäft sein kann. Nach drei verlorenen Landtagswahlen am Stück und sinkenden Umfragewerten nahm vor ihrem Wechsel ins Familienministerium die innerparteiliche Kritik an der zuvor erfolgsverwöhnten Genossin zu, die als Generalsekretärin hauptverantwortlich war für den SPD-Bundestagswahlkampf. Dass der furios gestartete Schulz-Zug letztlich entgleiste, wurde auch Barley angelastet. Anders als Martin Schulz überlebte Katarina Barley aber das innerparteiliche Tohuwabohu – sogar ohne Blessuren.

Auch das schlechte Abschneiden der SPD bei der Europawahl im Mai wurde nicht der zuvor unermüdlich wahlkämpfenden Spitzenkandidatin Katarina Barley angelastet. Seit dem Rücktritt von Andrea Nahles fällt auch immer mal wieder Barleys Name, wenn von einer potenziellen Nachfolgerin an der Parteispitze die Rede ist. Damit muss Katarina Barley leben, schließlich hat sie sich selbst schon mal nicht ohne Stolz als „Allzweckwaffe der SPD“ bezeichnet.

Trotz ihres neuen Postens als Vizepräsidentin des EU-Parlaments wird die 50-Jährige in Straßburg und Brüssel nun zunächst etwas weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen als die letzten zwei Jahre in Berlin. „Ich möchte Europa stärker, fairer und sozialer gestalten, aber auch greifbarer machen“, formuliert sie am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung ihre Ziele.

Privat schwebt Katarina Barley, die seit einiger Zeit mit dem ehemaligen Trierer Basketballtrainer Marco van den Berg liiert ist, auf Wolke sieben. Dass ihr Lebensgefährte im niederländischen Amsterdam und damit während ihrer Sitzungswochen in Brüssel  nur zwei Autostunden entfernt lebt, ist für die Karriere-Genossin ein angenehmer Teil ihres politischen Seitenwechsels: „Wir können uns jetzt öfter sehen“, schwärmte Barley unlängst in der Bunten.

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