So will das Land Rheinland-Pfalz Kaffeebecher-Müll weiter verringern

Pfandsysteme für Mehrwegbecher : So will das Land Rheinland-Pfalz Kaffeebecher-Müll weiter verringern

Bei vielen Bäckern gibt es jetzt schon Rabatte, wenn Kunden auf Pappe und Plastik verzichten. Umweltministerin Höfken will nun in einer Kampagne für Pfandbecher-Systeme werben – und Schüler aufrütteln.

Wer morgens beim Bäcker einen Kaffee bestellt, lässt ihn sich meistens in einen Pappbecher füllen, steckt einen Plastikdeckel drauf – und wirft den Müll nach dem Trinken vielleicht unachtsam weg.  Der Kult um die Coffee-to-go-Becher ist längst verflogen, weil immer mehr Gehwege, Parks Campingplätze und Seen vermüllt sind. Rheinland-Pfalz hat dem Müll längst den Kampf angesagt, startete im Mai den sogenannten Becher-Bonus, an dem sich bislang 560 Betriebe wie Bäckereien, Cafés und Restaurants beteiligen – in der Region in Trier, Bitburg, Trierweiler, Traben-Trarbach und Wincheringen.

Wer einen Mehrwegbecher in ein teilnehmendes Geschäft mitbringt und sich befüllen lässt, bekommt dabei auf den Kaffee oder den Tee einen Rabatt von mindestens zehn Cent. Nun geht das Land mit einer landesweiten Kampagne weiter in die Offensive und will Verbrauchern aufzeigen, in welchen Kommunen es Mehrwegbecher-Systeme gibt, wo Betriebe eigene Pfand-Behälter anbieten – und diese Angebote auf einer Internetseite (www.muellnichtrum.rlp.de) bündeln, die heute Vormittag startet.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) spricht von 2,8 Milliarden Einwegbechern für Heißgetränke, die die Deutschen pro Jahr verbrauchen und 40 000 Tonnen Müll, die entstehen. Die Eifelerin warnt vor dem Müllproblem, zumal kleinste Kunststoff-Teilchen nicht nur in großen Weltmeeren gefunden worden seien, „sondern auch im großen Ausmaß in Mosel und Rhein“. Das beeinträchtige nicht nur die Lebewesen im Wasser massiv. „Es ist ein ernstzunehmendes Problem, wenn Plastikpartikel auch im Darm des Menschen landen.“ Pro Stunde verbrauchten die Deutschen 320 000 Coffee-to-go-Becher.

Den Müll zu beseitigen koste auch die Kommunen jede Menge Geld. Jüngste Zahlen aus Rheinland-Pfalz, die von 2017 stammen, zeigen: Das Räumen illegal entsorgten Abfalls - zu dem nicht nur Pappbecher, sondern auch Bauschutt und Elektrogeräte gehören – kostet Städte und Gemeinden im Land bis zu 2,5 Millionen Euro pro Jahr.

Mehrere Partner – von Kommunen, Berufsverbänden bis zu Unternehmen – habe Höfken für die Kampagne bislang gewinnen können. „Wir als Land können und wollen aber nicht alle Kommunen zu einem einheitlichen System zwingen“, sagt Höfken. Sie baut eher auf den „Schneeballeffekt, bei dem sich einzelne Modelle bewähren und von anderen Kommunen übernommen werden“. Der Ministerin schweben dauerhaft echte Pfandsysteme für Mehrwegbecher vor, die Pappbecher und Plastikdeckel ersetzen und über kommunale Grenzen hinausgehen. Ein Beispiel: Kunden könnten sich dabei bei Betrieben im Hunsrück einen Becher ausleihen, Pfand darauf zahlen und ihn nach dem Verzehr des Getränkes wieder an Theken in der Pfalz zurückbringen. Müll fiele dann weg.

Eine solche Idee hat mit Recup ein Münchner Start-up-Unternehmen auf den Markt gebracht, in dessen Pfandbechern immer mehr Betriebe den Kaffee verkaufen.

Die Idee: Kunden zahlen einen Euro Pfand für die Becher, die sich bei allen bundesweiten Partnern abgeben lassen, von denen es laut Recup-Homepage mehr als 3000 gibt. Ganze Kommunen wollen inzwischen die Pfandbecher – Stuttgart will dafür mehrere Hunderttausend Euro investieren.

Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin von Rheinland-Pfalz, möchte den Müll durch Einwegbecher verringern. Foto: dpa/Andreas Arnold

Rheinland-Pfalz will nun dafür werben, auf Mehrwegbecher umzusteigen, sagt Höfken, die zwei Wochen durchs Land tourt. In 23 landesweiten Programmkinos laufen Kurzfilme gegen den Müll an, unter anderem im Trierer Broadway und in Bitburg. Schüler und junge Erwachsene sollen wiederum mit neuen Medien dafür aufrütteln, Plastikmüll einzudämmen.

Bei einem Wettbewerb, über den das Land die Schulen informiert und der bis zum 31. März 2020 läuft, „sind Apps, Spiele, Songs, Youtube-Videos, Blogs gefragt“, sagt Höfken. Pfandsysteme denke sie schon über Kaffee, Cappuccino und Tee hinaus. „2020 planen wir, die Kampagne unter anderem auch auf Mehrwegdosen für Käse und Wurst an den Theken auszuweiten“, sagt die Eifelerin.