Strenge Sicherheitsvorschriften beim Prozess um eine vermeintliche Todesdrohung

Kriminalität : „Nach so einer Sache lebt man in ständiger Angst“

Prozessauftakt um eine vermeintliche Todesdrohung: Für einen Wittlicher Justizbeamten hat sich das ganze Leben verändert.

Mit einem Teilgeständnis des Angeklagten hat vor dem Trierer Landgericht der Prozess gegen ein Mitglied des Rockerclubs Hells Angels begonnen. Der 37-Jährige räumte über seinen Verteidiger Gabor Subai ein, im vergangenen Jahr einem Bediensteten der Wittlicher Justizvollzugsanstalt eine Droh-Nachricht geschrieben zu haben. Allerdings sei die Nachricht nicht dazu gedacht gewesen, den Beamten zum Schweigen zu verdonnern oder einzuschüchtern, schränkte der Anwalt ein. „Es gab keine Todesdrohung.“

Die Staatsanwaltschaft wirft dem seit über sieben Jahren inhaftierten Angeklagten vor, dem Justizbediensteten mit dem Tod gedroht zu haben. Dabei ging es um eine bevorstehende Zeugenaussage des Beamten. Der Angeklagte soll den Justizbediensteten vor zwei Jahren im Sanitätsbereich des Gefängnisses am Hals gepackt und leicht verletzt haben. Dieser Vorfall ist in dem aktuellen Verfahren mit angeklagt.

Als wegen dieses vermeintlichen gewalttätigen Übergriffs im vergangenen Jahr ein Prozess in Wittlich terminiert wurde, soll der Angeklagte mit Unterstützung eines ehemaligen Mithäftlings die über Facebook versandte Droh-Nachricht mit einem manipulierten Foto des geköpften Justizbediensteten verfasst haben. Der Text: „Irgendwann, irgendwo, wir finden dich (...) für deine Lügen wirst du zahlen (...) heute, morgen oder in fünf Jahren.“

Eine Drohung, die dem Justizbediensteten nach dem vorausgegangenen Vorfall im Sanitätsbereich nach eigenen Angaben den Rest gab. „Ich habe es in der Justizvollzugsanstalt einfach nicht mehr ausgehalten“, sagte er am Donnerstag in der Verhandlung, „man lebt nach so einer Sache in ständiger Angst.“ Schließlich sei der Angeklagte „ja kein Eierdieb“.

Das kann man so sagen. Der 37-jährige Hells Angel wurde im Juli 2012 vom Landgericht Kaiserslautern wegen Totschlags zu einer zwölfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, weil er drei Jahre zuvor gemeinsam mit zwei Komplizen den Chef der pfälzischen Outlaws erstochen hat.

Mit ein Grund, warum im aktuellen Prozess am Trierer Landgericht der Vorsitzende Richter Armin Hardt besondere Sicherheitsvorkehrungen angeordnet hat. Es gibt Befürchtungen, dass die Outlaws versuchen könnten, den Tod ihres Chefs zu rächen.

Besucher mussten deshalb am Donnerstag durch eine Sicherheitsschleuse, bevor sie in den großen Sitzungssaal gelassen wurden, in dem sich zeitweise ein Dutzend Justiz- und Kripobeamte aufhielten. Der als Zeuge geladene Wittlicher Justizbedienstete kam unter Polizeischutz in die Verhandlung. Er hat inzwischen einen neuen Job, ist mit der Familie umgezogen und hat eine Traumatherapie hinter sich.

Wenn es in der Wohnung plötzlich ein ungewohntes Geräusch gebe oder ein unbekannter Wagen vor dem Haus halte, komme die Angst wieder in ihm hoch, schilderte der ehemalige Justizbedienstete, wie sehr ihn die Drohungen auch Monate später noch beschäftigen.

Demgegenüber hatte Verteidiger Gabor Subai von „Pillepalle-Anklagepunkten“ gegen seinen Mandanten gesprochen und die sachliche Zuständigkeit des Trierer Landgerichts in diesem Fall angezweifelt. „Dann müssten wir in Zukunft nur noch vor Landgerichten verhandeln, wenn jemand ein bisschen weinerlich ist“, sagte der Anwalt und zog sich damit den Zorn von Oberstaatsanwalt Eric Samel zu: „Wenn ein Verteidiger eine Todesdrohung als Pillepalle bezeichnet, ist dies mehr als bedenklich“, echauffierte sich Samel. In die gleiche Kerbe stieß auch der Trierer Anwalt Andreas Ammer, der den als Nebenkläger auftretenden ehemaligen Wittlicher Justizbediensteten vertritt. Der Beamte und dessen Familie lebten seit den Übergriffen in ständiger Angst, sagte Ammer. Nach den Schilderungen des Mandanten wurde er von dem Angeklagten bereits bei dem ersten Vorfall im Sanitätsbereich des Wittlicher Gefängnisses massiv bedroht.

Dort hielt sich der Hells-Angels-Rocker wegen starker Kopfschmerzen und Grippesymptomen auf. Weil er nach der Behandlung offenbar zu lange warten musste, habe er den Beamten am Hals gepackt, zugedrückt und gedroht: „Ich verfolge dich dein Leben lang. Schau nach, mit wem du es zu tun hast“, soll der Angeklagte seinerzeit gedroht haben, bevor er den Justizbediensteten wieder losgelassen habe. Ein Vorfall, den der 37-jährige Angeklagte aber – wie gesagt – bestreitet. Sein Pflichtverteidiger Gabor Subai verwies am Donnerstag darauf, dass der Arzt unmittelbar nach dem Vorfall auch keine Rötungen am Hals des Wittlicher Beamten festgestellt habe.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Bleibt es bei den von der Kammer angesetzten drei Verhandlungstagen, fällt Ende September ein Urteil.

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