Trierer Bischof sagt, was Gläubige im Bistum von der Arbeitshilfe erwarten können

INTERVIEW STEPHAN ACKERMANN : „Christen glauben an die gleiche Würde aller“

Der Trierer Bischof sagt, was die Gläubigen im Bistum von der Arbeitshilfe erwarten können.

Eine Arbeitshilfe zum Thema Rechtspopulismus – das hört sich gut an. Aber was bedeutet das für die hiesigen Gläubigen konkret, hat TV-Redakteur Rolf Seydewitz den Trierer  Bischof Stephan Ackermann gefragt.

Warum halten Sie die Arbeitshilfe für wichtig?

ACKERMANN In vielen Ländern hat sich eine problematische politische Stimmung aufgebaut. Es wächst die Zahl derer, die ihren Blick auf das eigene Land, auf das eigene Volk, auf die eigene Religion verengen und die sich, oft feindselig, von den anderen abschotten wollen. Völkisch-nationalistische, fremdenfeindliche und islamfeindliche Tendenzen nehmen zu. Hier ist Aufklärung geboten, und eben darum bemüht sich die Arbeitshilfe. Denn das Christentum ist durch ein Gottes- und Menschenbild geprägt, das sich der Verkrümmung des Blicks auf uns selbst widersetzt. Christen glauben an die gleiche Würde aller und deshalb an die Zusammengehörigkeit aller Menschen.

Was erwarten Sie sich davon konkret für das Bistum Trier?

ACKERMANN Ich fände es gut, wenn sich Gremien und Gruppen mit der Arbeitshilfe befassen und die Jugendlichen, Frauen und Männer dadurch in die Lage kommen, populistischen Tendenzen da, wo es nötig ist, mit Argumenten entgegenzutreten. Oftmals spüren wir ja zum Beispiel in Diskussionen, dass das Gesagte so gar nicht zu unserem Glauben passt – und sind aber unsicher, was wir entgegnen könnten. Und ich würde mich freuen, wenn daraus auch vielleicht die eine oder andere konkrete Aktion wächst: so wie es schon www.wir-gegen-rassismus.de – die Jugendaktion im Bistum Trier gibt. Und selbstverständlich ist die Arbeitshilfe auch ein inhaltliches Gesprächsangebot für Leute, die mit rechtspopulistischen Positionen sympathisieren.

Welche Schlussfolgerungen für den Umgang mit der AfD lassen sich daraus ziehen?

ACKERMANN Wenn ich es richtig sehe, gibt es in der AfD auf der einen Seite konservative, der rechten Mitte zuzuordnende Kräfte, auf der anderen Seite eine Drift nach rechtsaußen. Wir beschäftigen uns in der neuen Arbeitshilfe nicht mit Parteien, auch nicht mit der AfD. Aber so viel ist natürlich klar: Ein völkischer Nationalismus, der die Menschenrechte geringschätzt, kann weder auf die Billigung noch auf das Stillschweigen der Kirche zählen.

Was halten Sie von der Entscheidung der Protestanten, keine AfD-Politiker zum Kirchentag einzuladen?

ACKERMANN Ich kann die Entscheidung verstehen. Es ging darum, der AfD nicht den Status einer aus christlicher Sicht „normalen“ Partei zuzubilligen. Bekanntlich wurde die Sache beim Katholikentag vor einem Jahr anders gehandhabt. Dort gab es eine Veranstaltung mit einem AfD-Politiker, um der AfD keine Märtyrerrolle zu gestatten. Beide Entscheidungen sind vertretbar und in ihren Gründen nachvollziehbar.

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