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Ukraine-Krieg: Gepard-Flugabwehrpanzer aus Deutschland immer noch gefährlich

Flugabwehr-Panzer für die Ukraine : Der „Gepard“ ist noch immer gefährlich

Der deutsche Flugabwehr-Panzer „Gepard“ soll die Verteidigung der Ukrainer stärken. Das Fahrzeug aus den 1970er-Jahren ist zwischenzeitlich mehrfach modernisiert worden. Für die ukrainischen Kräfte wäre er ideal geeignet.

Der Flugabwehr-Kanonenpanzer „Gepard“, von dem jetzt 50 Exemplare an die Ukraine weitergegeben werden sollen, war damals seiner Zeit technisch weit voraus. Die 420 Exemplare der Bundeswehr fielen trotzdem 2010 – wie die gesamte Heeresflugabwehrtruppe – dem Rotstift zum Opfer. Man ging in Deutschland nach dem Mauerfall davon aus, nicht mehr auf den Kampf mit einer regulären Armee hin gerüstet sein zu müssen. An die Gefährdung der Soldaten durch Drohnen dachte man merkwürdigerweise noch nicht, obwohl sich das bereits deutlich abzeichnete.

Mit seinen beiden parallelen 35-Millimeter-Maschinenkanonen war der „Gepard“ für den Schutz der Kampfverbände vor niedrig fliegenden Flugzeugen und Hubschraubern vorgesehen, wäre also noch immer ideal für die ukrainischen Heereskräfte geeignet. Sie müssen sich jetzt im Süden und Osten ihres Landes im offenen Gefecht starken russischen Panzerverbänden stellen, die durch Kampfhubschrauber, Jagdbomber und Drohnen unterstützt werden.

Der bereits 1976 von der Firma Krauss-Maffei erstmals ausgelieferte, rund 42 Tonnen schwere Koloss ist mehrfach modernisiert worden, so gibt es auch eine Version mit einer zusätzlichen Flugabwehrrakete vom Typ „Stinger“. Sein auf dem Turm befestigtes Rundum-Radar reicht rund 15 Kilometer weit; Ziele können notfalls auch optisch anvisiert und bis zu fünf Kilometer Entfernung und bis zu 3,5 km Höhe mit einer Wolke von Geschossen bekämpft werden. Dabei hat der Gepard eine so hohe Feuergeschwindigkeit (mehr als tausend Schuss pro Minute), dass man die einzelnen Schüsse nicht mehr hören kann. Der Panzer auf Fahrgestell des „Leopard 1“, er sollte so schnell und geländegängig sein wie die zu begleitenden Kampf- und Schützenpanzer, ist wegen seiner hohen Feuerkraft auch zur Bekämpfung sogenannter Erdziele bis zu zwei Kilometer Entfernung einsetzbar. Mit besonderer Munition wird er selbst schweren Kampfpanzern gefährlich. Der Richtschütze – die Besatzung besteht darüber hinaus aus dem Kommandanten und dem Fahrer – kann dazu einfach per Kippschalter in Sekundenschnelle entsprechend umgurten.

Diese speziellen Munitionssorten werden als ein Argument genutzt, warum eine „Gepard“-Weitergabe an die Ukraine nicht sinnvoll sei. Die Schnellfeuerkanonen wie die Geschosse stammen vom schweizerischen Rüstungskonzern Oerlikon, der aus Neutralitätsgründen an Kriegsparteien nicht liefern dürfe, hieß es. Dieses Unternehmen gehört indes heute zum Düsseldorfer Konzern Rheinmetall. Das Problem scheint aber zu sein, dass die Produktion der 35-mm-Geschosse zwischenzeitlich eingestellt worden ist. Doch sind die Bundeswehr-„Geparden“ seinerzeit unter anderem an den Nato-Partner Rumänien (43) weitergegeben worden, sodass darüber noch kurzfristig Munition beschafft werden könnte, um diesen Engpass für die Ukrainer zunächst zu überbrücken.

570 „Geparden“ hat der Konzern Krauss-Maffei-Wegmann mit Partnerfirmen insgesamt gebaut. Während Belgien und die Niederlande ihre Panzer ebenfalls nach Ende des Kalten Krieges aus Kostengründen abschafften, sind sie unter anderem noch in Brasilien oder in Jordanien im Einsatz, das zum Beispiel zu seinen 60 „Geparden“ zuzüglich 350.000 Schuss Munition gekauft hat. Neuester Nutzer soll Katar sein. Das Emirat will 15 „Geparden“ während der bevorstehenden Fußball-WM zum Schutz seiner Stadien vor terroristischen Drohnen-Attacken einsetzen. Möglicherweise ist auch von solchen Nutzern weitere Munition zu beschaffen.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, wie schnell Besatzungen an dem Waffensystem auszubilden sind. In der Bundeswehr sollten es damals auch Wehrpflichtige bedienen können. Die Bekämpfung von Flugzielen ist, unter anderem durch einen Feuerleitrechner und einen Laser-Entfernungsmesser, weitgehend automatisiert. Fachleute schätzen, dass eine Besatzung etwa vier bis sechs Wochen braucht, bis sie mit dem „Gepard“ professionell umgehen kann. Ungleich komplizierter sind die Einweisung und die Ausbildung für die Waffen- und Fahrzeuginstandsetzung. Zu Reparaturen an den Rechnern, der Radaranlage oder der Datenfunkgeräte müssten die „Gepard“ mutmaßlich zurück auf Nato-Territorium geschafft werden.