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Kriminalität
Verbrecher kennen keine Grenzen

Hand in Hand: Die Beamten aus vier Staaten arbeiten im gemeinsamen Zentrum für grenzüberschreitende Polizei- und Zollzusammenarbeit in Luxemburg auf Zuruf zusammen.
Hand in Hand: Die Beamten aus vier Staaten arbeiten im gemeinsamen Zentrum für grenzüberschreitende Polizei- und Zollzusammenarbeit in Luxemburg auf Zuruf zusammen. FOTO: Gemeinsames Zentrum für grenzüberschreitende Polizei- und Zollzusammenarbeit in Luxemburg
Luxemburg. Ob Verkehrskontrollen, Kindesentführung oder Menschenhandel: 17 000 Mal im Jahr gibt das gemeinsame Zentrum der Polizei und des Zolls Luxemburg wichtige Hinweise. Bei Tötungsdelikten sind die Infos oftmals gar entscheidend für die Aufklärung. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Als vor wenigen Tagen ein Juwelier in Konz überfallen wird, dauert es nicht lange, und auch das gemeinsame Zentrum für grenzüberschreitende Polizei- und Zollzusammenarbeit (GZ) in der Nähe des Luxemburger Flughafens ist informiert. Denn bei Kriminalfällen in Grenznähe und bei einem Bezug zu Belgien, Frankreich oder Luxemburg werden die 40 Beamten, zwei davon vom rheinland-pfälzischen Landeskriminalamt, kontaktiert, um die ermittelnden Kollegen schnell mit der Prüfung von Personen- oder Fahrzeugdaten zu versorgen. „Bei uns schlägt das gesamte Spektrum der Polizeiarbeit auf“, sagt Mario Wolter, Kriminalhauptkommissar beim gemeinsamen Zentrum. Von Verkehrskontrolle über Kindesentführung, Fahndungen bei Suizidgefahr und Rauschgiftkriminalität bis hin zu Raubdelikten und Unterstützung bei Kapitaldelikten wie Mord: Die Beamten liefern rechtlich abgesicherte Informationen manchmal in Minutenschnelle, organisieren, moderieren und dolmetschen Besprechungen zwischen den Ländern und ihren Polizei- sowie Zollbehörden (siehe Info Prümer Abkommen).

Denn mit dem Wegfall von Grenzkontrollen haben auch Verbrecher ihr grenzüberschreitendes Potenzial entdeckt. Die Folge: Das GZ in Luxemburg als einer der Pioniere in der grenzüberschreitenden Polizei- und Zollzusammenarbeit hat inzwischen mehrere Dutzend Schwesterzentren quer durch Europa nach sich gezogen. Der Grund ist einfach: „Inzwischen haben alle komplexeren Straftaten in Europa einen grenzüberschreitenden Hintergrund“, stellt Experte Wolter fest. Vor allem bei Wohnungseinbrüchen gehen die Verbrecher zunehmend grenzüberschreitend vor: „In unserer Region ist es kein Problem, innerhalb einer Stunde durch drei verschiedene Länder durchzufahren. Das wissen die Täter und versuchen, die Polizei auszutricksen, indem sie etwa die Tat in Luxemburg planen, in Deutschland ausführen und nach Belgien flüchten.“ (Siehe Hintergrund und Tipps der Polizei).

Wolter ist ein Mann der ersten Stunde im GZ in Luxemburg und damit seit 2003 mit dem Gründungsvertrag an Bord. „Die Polizeiarbeit über die Grenze hinweg ist besser geworden, feste Strukturen sind gewachsen, teilweise sind über die Jahre persönliche Kontakte gewachsen“, sagt der Beamte, der im Dienst zwischen Deutsch, Französisch und Luxemburgisch fließend wechselt. Und so tauchen auch beim Trierer Weihnachtsmarkt oder auf der Luxemburger Schobermesse Polizeibeamte aller vier Staaten auf Streifengang auf, um in der Großregion für Sicherheit zu sorgen.

Der Erfolg des gemeinsamen Zentrums für grenzüberschreitende Polizei- und Zollzusammenarbeit ist nachweisbar: 2017 gab es in 17 000 Fällen eine Anfrage ans GZ in Luxemburg. Manchmal konnte in Minuten geholfen werden, manchmal dauerte es Tage und Wochen, doch 84 Prozent aller Anfragen waren innerhalb von vier Stunden abgearbeitet. Bei rund 50 Tötungsdelikten konnten die grenzüberschreitend tätigen Beamten seit Bestehen des GZ gar den entscheidenden Hinweis zur Klärung liefern.