| 18:16 Uhr

Katholische Kirche
Verdacht auf Kinderpornographie – Bistum Trier beurlaubt Diakon

 Frauen der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) demonstrieren beim Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Mit der Aktion "#MachtLichtAn" wollen sie aufmerksam machen auf die Missbrauchsfälle in der Kirche.  Foto: Friso Gentsch/dpa
Frauen der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) demonstrieren beim Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Mit der Aktion "#MachtLichtAn" wollen sie aufmerksam machen auf die Missbrauchsfälle in der Kirche. Foto: Friso Gentsch/dpa FOTO: dpa / Friso Gentsch
Trier/Lingen. Während Bischof Stephan Ackermann in Lingen über Missbrauch redet, gibt es in seinem Heimatbistum eine neue Affäre, von der auch ein katholisches Krankenhaus betroffen ist. Von Rolf Seydewitz

Die deutschen Bischöfe haben neue Maßnahmen zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs beschlossen. Zudem sollen die sogenannten Anerkennungszahlungen für Opfer überprüft und möglicherweise erhöht werden, kündigte der Trierer Bischof  Stephan Ackermann beim Frühjahrstreffen der Bischöfe im niedersächsischen Lingen an. Das Bistum Trier hat bislang 475 000 Euro aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls an Missbrauchsopfer ausgezahlt. 104 Anträge seien eingegangen, heißt es.

Parallel zu dem Treffen der Bischöfe wurde bekannt, dass das Bistum Trier einen Diakon, gegen den wegen Besitzes kinderpornographischer Schriften ermittelt wird, beurlaubt hat. Zudem sei ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den Mann eingeleitet worden, sagte Bistumssprecherin Judith Rupp.

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um denselben Mann, von dem sich das Trierer Mutterhaus getrennt hat. Der Mitarbeiter habe die Klinik von sich aus über die Ermittlungen der Trierer Staatsanwaltschaft informiert, sagte Sprecherin Helga Bohnet. Das Arbeitsverhältnis mit dem Mann sei daraufhin „einvernehmlich beendet“, der Mann unverzüglich von seinen Dienstpflichten entbunden und freigestellt worden.

Nach Angaben des Leitenden Trierer Oberstaatsanwalts Peter Fritzen soll der Mann eine Kinderpornodatei auf einer Online-Plattform zum Tausch mit anderen Nutzern hochgeladen haben. Die Erkenntnisse wurden von amerikanischen Ermittlern an die deutschen Behörden weitergegeben. Bereits im Februar sei die Wohnung des Beschuldigten durchsucht und Material beschlagnahmt worden. Die Auswertung dauert an.

Nach Angaben der Sprecherin des Mutterhauses gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Mann sich bei der Ausübung seines Berufs strafbar gemacht habe. Ähnlich äußerte sich auch das Bistum. Nach Informationen unserer Zeitung war der verheiratete Diakon in einer Trierer Pfarrei eingesetzt. Er wird als freundlich, unauffällig und beliebt beschrieben.

Im Gespräch mit unserer Zeitung äußerte sich der Trierer Bischof bedrückt über den jüngsten Verdachtsfall. Er zeige, „dass das Thema gegenwärtig bleibt und wir in Prävention und Intervention nicht nachlassen dürfen“, sagte Stephan Ackermann. Der Fall zeige aber auch, dass die Problematik des Missbrauchs in der Kirche nicht allein eine Problematik zölibatärer Priester sei.

Derzeit gibt es im Bistum Trier 186 Diakone. Von diesen sind 146 im aktiven Dienst: 107 als Diakone mit Zivilberuf, 39 im Hauptberuf. Diakone unterstützen in der Regel die Priester, dürfen taufen oder predigen, nicht aber die Messe feiern oder die Beichte abnehmen.

Ackermann kündigte in Lingen an, dass die katholische Kirche künftig mit unabhängigen Beratungsstellen zusammenarbeiten wolle, um Opfern sexueller Gewalt in der Kirche schneller helfen zu können. Dazu suche man nach Partnern außerhalb der Kirche. „Das könnte ein Weg sein, auf diese Weise noch niederschwelliger zu reagieren.“

Einen Hintergrund-Artikel zu dem Thema gibt es hier, ein Interview mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann hier.