Katholische Kirche: „Verheerende Außenwirkung“: Kirchenrechtler hält nichts vom Vorstoß des Trierer Bischofs

Kostenpflichtiger Inhalt: Katholische Kirche : „Verheerende Außenwirkung“: Kirchenrechtler hält nichts vom Vorstoß des Trierer Bischofs

Sollen Missbrauchsopfer aus Kirchensteuermitteln entschädigt werden? Ein prominenter Münsteraner Kirchenrechtler hält nichts vom Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann.

Nach dem Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann geht die Diskussion über eine mögliche Verwendung der Kirchensteuer für die Entschädigung von Missbrauchsopfern weiter. Der Münsteraner Kirchenrechtler und Universitätsprofessor Thomas Schüller hält ein solches Vorgehen nur als Ultima Ratio für denkbar. „Unmöglich ist das nicht, aber die Außenwirkung wäre verheerend“, sagte Schüller unserer Zeitung. Es sei eine makabere und unerträgliche Vorstellung, wenn plötzlich kirchensteuerzahlende Opfer sexueller Gewalt selbst einen Beitrag für die Entschädigung aufbringen sollten.

Käme es zu einer solchen Praxis, müsste darüber laut Professor Schüller der jeweilige Kirchensteuerrat entscheiden. Im Bistum Trier gehören dem gewählten Gremium Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg als Vorsitzender an, daneben Finanzchefin Kirsten Straus, fünf amtierende Pfarrer und je fünf gewählte Laien aus den drei Visitationsbezirken des Bistums sowie zwei Mitglieder des Diözesanpastoralrats.

Kirchenrechtler Schüller sagt, dass die meisten Kirchensteuermittel fest verplant seien, „aber fünf bis zehn Prozent Jongliermasse hat jeder Kirchensteuerrat“. Wenn ein Bischof Gelder für die Opferentschädigung einsetzen wolle, müsse er dies beim Kirchensteuerrat beantragen. Der Rat könne dieses Ansinnen ablehnen, so Schüller, „und er sollte dies auch unbedingt tun“.

Der 58-jährige Theologe fordert, dass zunächst die noch lebenden Täter für die finanzielle Entschädigung haftbar gemacht werden müssten. Eine Forderung, die auch eine Sprecherin des Bistums Trier vor einigen Tagen noch einmal erhoben hatte.

Dann sind nach Meinung des Münsteraner Universitätsprofessors die Bischöfe gefordert. Sie könnten als Zeichen der Buße auf ein Teil ihres Gehalts verzichten und für die Entschädigung bereitstellen. Es stehe fest, dass die Bischöfe bis weit in das neue Jahrtausend durch Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs versagt hätten, und sie würden endlich Verantwortung auch für das unentschuldbare Fehlverhalten ihrer Vorgänger im Amt übernehmen.

Erst danach sollte nach Ansicht Schüllers das Vermögen der Bischöflichen Stühle für die Entschädigung herangezogen werden. Das Vermögen des Bischöflichen Stuhls besteht aus Immobilien, Kapitalanlagen und Guthaben bei Banken.  Das Bistum Trier hat nach eigenen Angaben bis dato insgesamt 506 000 Euro Entschädigung an 105 Opfer gezahlt.

Derzeit wird bundesweit über eine neue Entschädigungsregelung diskutiert. Für die Opfer soll es deutlich mehr Geld geben. Nach Angaben des Trierer Bischofs Stephan Ackermann sollen von der Neuregelung auch Missbrauchsopfer profitieren, die bereits entschädigt wurden.

Kirchenrechtler Thomas Schüller kann sich vorstellen, dass für die Entschädigungszahlungen auch auf Immobilien, Grundstücke oder das Bistumsvermögen geschaut wird. „Warum kann der Bischof von Trier nicht seine Weinberge verkaufen?“, fragt der Münsteraner Kirchenrechtler und fügt hinzu: Irgendwann müsse es auch einmal weh tun.