Warum die Region Trier dem wirtschaftlichen Abschwung noch trotzt

Kostenpflichtiger Inhalt: Konjunktur : Warum die Region Trier dem wirtschaftlichen Abschwung noch trotzt

Die Unternehmen zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück profitieren derzeit davon, dass sie nicht so exportabhängig sind. Die Auftragsbücher der meisten Betriebe sind noch gut gefüllt.

Internationale Handelskonflikte, politische Krisen und die Diskussionen über den Brexit hemmen derzeit weltweit die wirtschaftliche Entwicklung. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung von Experten im Frühjahr eine Vollbremsung hingelegt. Die Auswirkungen des Abschwungs auf die Region Trier halten sich bislang allerdings noch in Grenzen. Einer der Gründe: Die regionalen Betriebe sind deutlich weniger exportorientiert als anderswo. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Trier liegt die Exportquote in der Region bei 30 Prozent, während sie landesweit über 50 Prozent beträgt. „Dadurch wirken sich Schwankungen auf dem Weltmarkt weniger stark auf die regionale Konjunktur aus“, sagt IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt.

Dennoch war die Stimmung der regionalen Unternehmer in der Vergangenheit schon einmal besser. Bei der zuletzt veröffentlichten Umfrage sackte der Konjunkturklimaindikator von 138 auf 125 Punkte. Das sei zwar immer noch ein toller Wert, kommentiert Jan Glockauer. Doch auch der IHK-Hauptgeschäftsführer spricht von „ersten Eintrübungen“, die die Luft gerade im internationalen Feld dünner werden ließen.

Auch die Trierer Handwerkskammer sieht den einsetzenden wirtschaftlichen Abschwung mit Sorge. Allerdings hätten die meisten Handwerksunternehmen nach wie vor volle Auftragsbücher, sagt Geschäftsführer Matthias Schwalbach. Das Handwerk suche immer noch händeringend nach Fachkräften und Lehrlingen.

Im Mainzer Wirtschaftsministerium sind die Sorgenfalten da schon etwas ausgeprägter. Rheinland-Pfalz sei als exportstarkes Bundesland von weltwirtschaftlichen Entwicklungen besonders betroffen, sagt Sprecherin Susanne Keeding. Daher erachte die Landesregierung das unsichere außenwirtschaftliche Umfeld, das insbesondere auf nationalistische und protektionistische Tendenzen zurückzuführen sei, als kritischen Faktor für die rheinland-pfälzische Wirtschaftsentwicklung. Die Gefahr einer ausgeprägten Rezession sehen aber auch die Experten im Ministerium von Minister Volker Wissing (FDP) als gering an.

Gibt es denn überhaupt etwas, was die hiesige Politik tun kann, wenn der wirtschaftliche Abschwung größtenteils auf internationale Krisen zurückzuführen ist, auf die Deutschland so gut wie keinen Einfluss hat? Im FDP-regierten Mainzer Wirtschaftsministerium verweist man darauf, dass auf Bundesebene zu wenig getan worden sei, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu unterstützen, etwa durch eine Unternehmenssteuerreform. Auch auf regionaler Ebene haben die Unternehmensvertreter eine ganze Palette Erwartungen an die Politik. Investitionen in Bildung, Digitalisierung und Verkehrsinfrastruktur sowie ein einfaches Steuersystem mit moderaten Steuersätzen seien sinnvolle Maßnahmen, die es Unternehmen erlaubten, sich auch in schwierigen Konjunkturphasen erfolgreich am Markt zu behaupten, sagt IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt.

Derweil macht sich der Konjunkturabschwung inzwischen auch in den öffentlichen Haushalten bemerkbar: Im Juli waren die Steuereinnahmen zum zweiten Mal in diesem Jahr rückläufig. Eine weitere Verschlechterung zeichnet sich nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft ab. Trotzdem brauche es weder übereilte Sparmaßnahmen noch ein Konjunkturpaket.

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