Weihnachten als Klimasünder

Kostenpflichtiger Inhalt: Weihnachten als Klimasünder : TV-Serie Klimaschutz konkret – Oh du Himmlische – CO2-Sünde

Weihnachten – das Fest der Liebe. Aber auch zunehmend das Fest der großen Hektik, der großen Geschenke und der großen Umweltsünden.

Alle Jahre wieder verfällt die Welt zu den Feiertagen in einen großen Konsumrausch. Der fängt zudem immer früher an, nämlich oft schon im November zum Black Friday. Als würde nicht das Klima auf der Klippe stehen, wird gefeiert und gekauft als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei fallen einige Klimasünder ganz schön ins Gewicht – auch wenn man vermeintlich die umweltfreundlichere Alternative wählt.

Weihnachtsbäume

Weihnachtsbäume kommen fast alle von großen Plantagen - doch die Öko-Alternativen werden mehr. Foto: dpa/Sina Schuldt

In deutschen Haushalten und auch an vielen öffentlichen Orten ist er kaum mehr wegzudenken: Der Weihnachtsbaum. An dieser Stelle beginnt es schon: 2018 erreichte der Absatz an Weihnachtsbäumen ein neues Rekordhoch von 29,8 Millionen Bäumen, die in den deutschen Haushalten standen. Über zwei Millionen Bäume werden dabei nach Deutschland importiert – aus Dänemark, Österreich, Polen oder Tschechien. Davon gehen nach Schätzungen etwa 1,4 Millionen Bäume nach Rheinland-Pfalz. Beliebteste Sorte ist die Nordmanntanne, gefolgt von der Blaufichte. Die meisten wachsen auf Plantagen, werden mit Pestiziden und Herbiziden behandelt, die nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit schädlich sein können.

Das Umwelt-Bundesamt empfiehlt an der Stelle Öko-Bäume, die in Mischkulturen und ohne Herbizide gewachsen sind. Der Anteil eben dieser beläuft sich laut der Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt, Robin Wood, auf gerade einmal ein Prozent der gekauften Weihnachtsbäume. Eine neutrale CO2 -Bilanz haben dagegen Bäume direkt aus dem heimischen Wald, die ohnehin gefällt werden müssten. Fünf Prozent der Weihnachtsbäume kommen aus dem deutschen Forst. Dabei waren die rheinland-pfälzischen Bäume 2016 die bundesweit ersten FSC®-zertifizierten Öko-Weihnachtsbäumen. Für den Transport werden sie in Naturfaser-Netze verpackt. Umweltministerin Ulrike Höfken begrüßte den Schritt, da so nicht nur die Forstwirte eine Marktlücke schließen, sondern auch die Verbraucher eine bewusste Entscheidung für ein regionales Bio-Produkt treffen könnten.

Weitere zwölf Prozent nutzen künstliche Bäume – ebenfalls keine dauerhafte Lösung. Vermeintlich halten die Plastikbäumchen zwar länger, doch irgendwann verblasst und verstaubt das Grün und es landet auf der nächsten Mülldeponie, wo es die nächsten Jahrhunderte verrottet und als Mikroplastik der Umwelt auf Dauer schadet.

In letzter Zeit nehmen auch Unternehmen zu, die Weihnachtsbäume im Topf vermieten. Die lebendigen Bäume werden danach wieder zurückgenommen und können im kommenden Jahr (zumindest teilweise) wieder genutzt werden. Eine luxemburgische Baumschule bietet diesen Service bereits seit rund 30 Jahren an und macht damit gute Erfahrungen. „Wir wollen verhindern, dass Tannenbäume gefällt und nach den Feiertagen achtlos weggeworfen werden“, heißt es auf der Webseite der Bamschoul Becker.

Eine andere Möglichkeit sind Bäumchen im Topf, die danach auf dem Balkon oder im Garten weiterleben können. Dies bieten auch regionale Baumschulen an. Eine Garantie, dass die Bäume überleben, gebe es aber nicht. Durch die maschinelle Ernte werden die Wurzelballen nicht komplett erhalten – die Chance auf ein Leben nach den Feiertagen liegt entsprechend bei 50:50. In beiden Fällen müssen Kleinigkeiten beachtet werden, etwa ein Standort abseits der Heizung, genügend Wasser und am besten nur ein kurzer Zeitraum in der warmen Wohnungsluft.

Die Wahl des passenden Weihnachtsbaumes wird immer mehr zu einer (klima-)politischen und moralischen Entscheidung, die jeder bewusst treffen sollte. Dabei sollte auch der Baumschmuck nicht außer Acht gelassen werden. Statt Lametta oder Glitzer- und Schneespray zu benutzen, bieten sich hier nachhaltigere Alternativen an.

Beleuchtung

Etliche Lichterketten, die in der Weihnachtszeit aufgehangen werden, verbrauchen jede Menge Strom. Foto: dpa/Holger Hollemann

Tausend kleine Lämpchen – zur Weihnachtszeit werden die Lichterketten ausgepackt. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verschwenden sie jede Menge Strom. Das Energieunternehmen Lichtblick habe berechnet, dass deutschlandweit für Weihnachtsbeleuchtung so viel Strom verbraucht wird wie eine Stadt mit 270 000 Einwohnern in einem ganzen Jahr benötigt. Daher, so der BUND, komme es auch hier auf die umweltfreundlichere Alternative an: Lichterketten mit Leuchtdioden (LED) verbrauchen 90 Prozent weniger Strom als herkömmliche und haben eine längere Lebensdauer. Wichtig sei hierbei, keine batteriebetriebenen Lichterketten zu verwenden, da die Batterien im Müll landen und dadurch zusammengenommen etliche Tonnen schädliches Cadmium in die Umwelt gelangen können. Zeitschaltuhren sorgen zudem dafür, dass die Beleuchtung nicht permanent brennt. Gerade bei Außenbeleuchtung hat das sogar noch Vorteile für Tiere, denen künstliches Licht Probleme beim Winterschlaf oder Vogelzug bereiten kann.

Kerzen

Kerzen werden aus unterschiedlichen Materialien hergestellt: Paraffin, Stearin oder Bienenwachs. Foto: dpa/Roland Weihrauch

Bei sanftem Kerzenschein gemütlich beisammensitzen und selbstgebackene Plätzchen zu einem warmen Kakao oder Punsch essen – der Inbegriff der Weihnachtszeit. Doch selbst bei Kerzen gibt es diverse Faktoren, die die Umweltbilanz verschlechtern.

Pro Kopf kommen die Deutschen auf 2,4 Kilogramm Kerzen, die sie jährlich abbrennen lassen. Dabei wird etwa die Hälfte der hier verbrauchten Kerze auch in Deutschland hergestellt. Der Rest kommt aus Polen und in den vergangenen Jahren vermehrt als Billigkerzen aus China.

Für die Herstellung von Kerzen wird in der Regel Paraffin verwendet. Das ist ein Abfallprodukt in der Schmierölproduktion. Durch bessere Herstellungsverfahren wird Paraffin immer weniger, wodurch dieses importiert werden muss – was den Preis höher treibt und entsprechend billigeren Produkten einen größeren Markt bietet. Erdölprodukte bringen prinzipiell eine negative Klimabilanz mit sich.

Eine Alternative sind Kerzen aus Stearin. Das sind pflanzliche oder tierische Fette, in einigen Fällen werden sie mit Paraffin vermischt. Da die Fette meist aus Palmöl entstehen, ist deren Herstellung ebenfalls eher kritisch zu betrachten. Alternativen bieten Soja-, Kokos- oder Rapsölkerzen. Kerzen aus tierischen Fetten werden meist aus Schlachtabfällen hergestellt, womit zumindest die Verwertung des ganzen Tieres gewährleistet ist.

Klassische Bienenwachskerzen bilden gerade einmal 0,5 Prozent der gesamten Kerzenwachsproduktion. Dabei wird die Klimabilanz erneut ins Negative gedrückt, weil das Wachs zumeist importiert werden muss – aus China, Südamerika oder Südafrika.

Doch nicht nur das Grundprodukt kann problematisch sein, auch Zusatzstoffe erschweren den Kauf von nachhaltigen Kerzen. Einige Lacke, Farb- und Duftstoffe oder Glitzer können gesundheitsschädlich sein. Hinzu kommt das Herstellungsverfahren, bei dem teilweise auch chemische Substanzen untergemischt werden oder durch technische Verfahren, etwa die Zugabe von Luft, wird die Gesamtmasse an Wachs reduziert. Daher lässt sich am Gewicht erkennen, ob es sich um eine hochwertige Kerze handelt. Auch bei Kerzen gibt es Bio-Siegel, das beispielsweise Kerzen aus nachhaltig angebautem Sojaöl tragen dürfen.

Teelichter sind meist in Aluminiumhüllen eingelassen – ein weiterer Minuspunkt. Laut dem Europäischen Kerzenverband ECA wird jedes fünfte Teelicht von Ikea verkauft. Bei acht Milliarden verkauften Kerzchen in Deutschland ist das eine ganze Menge. Diese günstigen, aus Paraffin bestehenden und mit Aluminium versehenen Kerzen diktieren entsprechend den Preis.

Geschenkverpackungen

Weihnachtsgeschenke haben oft eine aufwendige Verpackung. Foto: Pixabay

Millionen Geschenke wollen auch verpackt werden. Kein Wunder also, dass die Massen an Verpackungsmaterial um 20 Prozent steigen im Vergleich zum restlichen Jahr, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schreibt. Papier, Folie, Schleifen, Anhänger oder Geschenkbänder wandern nach einmaliger Benutzung direkt in die Abfalltonne. Dabei gibt es auch hier Alternativen. Gerade bei großen Geschenken solle man auf eine komplette Ummantelung mit Papier verzichten. Eine einzelne große Schleife täte es in dem Fall auch, sagt die Stellvertretende DUH-Geschäftsführerin Barbara Metz. Allgemein bliebe der Schritt zu alternativen Verpackungen die beste Lösung: Alte Zeitschriften- oder Zeitungsseiten, Tücher, Kunstdrucke oder wiederverwendetes Geschenkpapier.

Gleichzeitig sieht die DUH den Einsatz von Geschenkpapier mit Kunststoff- oder Aluminiumbeschichtung äußerst kritisch. Diese behindern nicht nur den Recyclingkreislauf sondern führen noch dazu zur großen Umweltverschmutzungen in den Abbauländern gerade von Aluminium.

Alternative Verpackungsmöglichkeiten liefert die DUH in einem PDF.

Retouren

Retouren bescheren den Händlern Kosten von über fünf Milliarden Euro. Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Jede Menge Geschenke liegen unter dem Weihnachtsbaum. Und eine nicht geringe Anzahl geht wieder zurück, weil es nicht passt, nicht gefällt oder doch nicht so funktioniert, wie in der Vorstellung. 2019 gibt der deutsche Bundesbürger im Schnitt 359 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. Rheinland-Pfalz liegt mit 357 Euro auf Platz acht.

Insgesamt wurden vergangenes Jahr rund 280 Millionen Pakete zurückgesandt mit 490 Millionen Artikeln. Das verursacht bei den Händlern Kosten von 5,4 Milliarden Euro. Denn eine Retoure ist nicht günstig. Laut der Retourenforschung, einer Forschungsgruppe der Universität Bamberg, kostet die befragten Versandhändler eine Retoure durchschnittlich 15,18 Euro, das setzt sich aus 7,93 Euro Prozesskosten und 7,25 Euro Wertverlust zusammen. Ein Großteil der Pakete wird zu Weihnachten zurückgeschickt. Kleidung steht dabei an oberster Stelle. Reiht man die Pakete aneinander, erhält man eine Strecke, die einer 2,86 fachen Erdumrundung entspricht. Nicht zu missachten ist dabei auch die Belastung für das Klima. 238 000 Tonnen CO2 werden durch den Rücktransport verursacht.

Foto: TV/Schmitz, Alexandra

Etliche weitere Faktoren spielen beim Weihnachtsfest eine Rolle – das erhöhte Fahrtaufkommen durch Reisen in die Heimat oder zu Verwandten, die Wahl des Weihnachtsessens und vieles mehr. In allen Punkten gibt es jedoch ökologisch sinnvolle Alternativen, die zudem (wie etwa bei Weihnachtsbäumen oder Kerzen) für die Gesundheit zuträglich sind.