Wie Gewalt gegen Schiedsrichter auf dem Fußballplatz verhindert werden kann

Kostenpflichtiger Inhalt: Unparteiischer erklärt : Wie Gewalt gegen Schiedsrichter auf dem Fußballplatz verhindert werden kann

Ein zusammengeschlagener Schiedsrichter im südhessischen Dieburg, Jagdszenen und der Angriff auf einen Unparteiischen bei einem Kreisligaspiel in Köln: Gewalt auf dem Fußballplatz machte zuletzt Schlagzeilen. Was tun als Referee? Dazu gab es nun im Fußballkreis Trier-Saarburg einen Info-Abend.

Draußen rieselte der Schnee auf den Kunstrasenplatz in Trier-Tarforst und verbreitete eine winterlich-entspannte Atmosphäre. Drinnen im Schulungsraum ging es aber um ein ernstes Thema: Die Gewalt an Schiedsrichtern mit den schockierenden Beispielen aus Hessen und Köln nahm Arianit Besiri zum Anlass, um im Auftrag des Trier-Saarburger Schiedsrichterausschusses über dieses Thema zu referieren.

„Wenn der eine Spieler den anderen schlägt, ist der Fall klar. Da braucht man nicht zu fragen, ob es sich um Gewalt handelt. Die Rote Karte ist die Folge“, sagte Besiri (26), der seit zwölf Jahren pfeift. Seit Sommer leitet er auch Spiele in der viertklassigen Regionalliga, beim Fußballverband Rheinland Mitglied arbeitet er in der Kommission Prävention und Integration mit.

Doch es gibt auch Grauzonen, wie Besiri aus eigener Erfahrung zu berichten weiß: „Ein Spieler sagt zu einem jungen Schiri: ‚Pass auf, man sieht sich immer zweimal im Leben‘. Solch ein Satz hat Wirkung.“ Den rund 60 anwesenden Unparteiischen gab er mit auf den Weg, sich „nicht in diese Zone reindrängen zu lassen“ und so gar nicht erst zur Zielscheibe zu werden. Vor, während und nach der Partie könne man als Schiedsrichter durch bestimmte Aktionen deeskalierend wirken, sagte Besiri: „Wenn ich erst sieben Minuten vorher am Spielort bin, mache ich mich angreifbar.“ Auch ein gepflegtes Erscheinungsbild und ein höfliches, aber durchaus selbstbewusstes Auftreten gegenüber den Mannschaften könne wichtig sein, um von Anfang auf dem Platz die nötige Autorität zu haben.

Die vorgeschriebene Ordnerliste – nach Angaben des Kreisvorsitzenden Hans-Peter Dellwing sind zur neuen Saison vom Verband sogar spezielle Schulungen geplant – beim Heimverein auch anzufordern, sei wichtig. „Auf wen wartet ihr, wenn was passiert und ihr im Fall der Fälle Hilfe braucht, um sicher den Platz verlassen zu können?“ Dank seiner rhetorischen Qualitäten weckte Besiri die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Durch seinen Beruf als Kommissar bei der Bundespolizei wusste er das Thema Gewalt auch insgesamt einzuordnen: „Es ist ein generelles Problem. Die Gesellschaft scheint grober zu werden.“

Regionalliga-Schiedsrichter spricht über Gewalt auf dem Fußballplatz

Im Spiel selbst sei es wichtig, frühzeitig zu erkennen, wenn ein Akteur „heißgelaufen“ sei: „Dann muss ich ihn mir zur Brust nehmen und auch zum Beispiel dem Kapitän oder Trainer sagen, dass mir das Verhalten desjenigen negativ auffällt.“

Transparenz und Kommunikation machen viel aus. Das konnte Jens Schneider (SG Ruwertal) zuletzt auch beim mit Spannung erwarteten Kreisliga-C-Trier/Eifel-Duell zwischen den Trierer Clubs SSG Mariahof und Alemannia (Endstand: 2:1) erleben: Harte Entscheidungen nahmen ihm beide Teams ab. „Wenn es drauf ankommt, ist der Dialog wichtig. Dann ist die Akzeptanz auch da“, berichtete Schneider am Rande der Belehrung, die jeder Schiedsrichter sechs Mal pro Saison besuchen muss, um regelfest zu bleiben.

Ehrlichkeit sei auch nach dem Abpfiff das Wichtigste, sagte der für den FSV Trier-Tarforst aktive Besiri: „Wenn ich ein Handspiel im Strafraum kurz vor Schluss nicht gesehen habe, dann ist es so. Und das kann ich nach dem Spiel auch offen zugeben. Wir müssen sehen, entscheiden und bewerten – und das in Sekundenschnelle und ohne Videobeweis wie bei den Profis.“

„Der Abend kam an. Es waren wichtige Tipps für unsere Schiedsrichter dabei, die Sonntag für Sonntag an der Basis im Einsatz sind“, bilanzierte Kreisvorsitzender Dellwing. „Noch besser vorbereitet“, fühlt sich auch der 13-jährige Sören Speckter, der für die DJK St. Matthias Trier Jugendspiele leitet. Drei Jahrzehnte lang leitete Klaus Schwarz früher Partien. „Mitte der Achtziger rempelte mich mal ein Spieler in Longuich an. Ich habe das Spiel trotzdem bis zum Ende weiterlaufen lassen“, erinnerte er sich. Er weiß, dass es damals wie heute besser gewesen wäre, die Partie abzubrechen.

„Hier haben unsere Schiris aber erfahren, wie man vieles schon im Keim ersticken kann, damit es gar nicht zu Gewaltexzessen kommt“, stufte auch Schwarz den Vortrag von Arianit Besiri als sehr gelungen ein.