1. Nachrichten

Tornado in Urexweiler: Kachelmann-Wetterexperte geht von 70 Meter Höhe aus

Es gab Indizien für Tornado-Potenzial : Kachelmann-Wetterexperte: Tornado in Urexweiler hatte wohl 70 Meter Höhe

Nach dem Tornado in Urexweiler geht Kachelmann-Wetterexperte Jens Motsch davon aus, dass das Wetterphänomen tatsächlich um die 70 Meter Höhe hatte. Das passe zu den entstandenen Schäden und Videos. Motsch leitet den Bereich Daseinsvorsorge/Gefahrenabwehr. Das sind seine bisherigen Erkenntnisse zum Ereignis:

Herr Motsch, können Sie schon genauere Daten zu dem Tornado in Urexweiler liefern?

MOTSCH Ich bin am Donnerstag um kurz nach 19 Uhr nach Urexweiler gefahren und habe mir im Halbdunkeln die Schäden angeguckt. Außerdem habe ich mit unserem Meteorologen vom Dienst gesprochen, der für unsere Social-Media-Kanäle zuständig war. Er hat einige Videos und Bilder von dem Tornado erhalten. Anhand dieser Aufnahmen und meiner Eindrücke vor Ort gehen wir aktuell davon aus, dass es ein Tornado der Stärke F1 mit Windböen von etwa 150 Stundenkilometern war. Allerdings werden wir das jetzt genauer prüfen und uns die Schäden auch noch mal bei Tageslicht ansehen.

Ein Augenzeuge hat den Tornado auf etwa 70 Meter Höhe geschätzt. Können Sie das bestätigen?

MOTSCH Das ist immer schwierig abzuschätzen. So ein Tornado variiert sehr stark, weil er beweglich ist. Aber ich halte 70 Meter durchaus für realistisch. Das würde zum Schadensbild und den Videos passen.

Sie nutzen den Begriff Tornado, aber es ist auch das Wort Windhose im Umlauf. Gibt es da einen Unterschied?

MOTSCH Der Begriff Windhose ist meteorologisch absoluter Unsinn. Allerdings hat sich im deutschen Sprachgebrauch so eingebürgert, dass man zu kleineren Wirbelwinden auch Windhosen sagt. Dieses Wort würde in den USA niemand verwenden, dort bezeichnen die Menschen auch schwache Wirbelwinde als Tornados. Letztlich verharmlost der Begriff Windhose das meteorologische Ereignis und führt dazu, dass sich Menschen in gefährliche Situationen begeben. Ich habe schon etliche Videos gesehen, auf denen die Leute an den Fenstern stehen, filmen und dem Tornado zuschauen. Das ist sehr gefährlich, wenn man bedenkt, dass in Urexweiler Ziegeln durch die Fensterscheiben geschleudert wurden.

Der Kachelmann Wetterkanal hat um 14.30 Uhr auf Twitter vor Tornados im Saarland gewarnt. Lässt sich das Naturereignis vorhersagen?

MOTSCH Wir haben am Donnerstag im Radar eine auffällige Gewitterzelle beobachtet, die sich zu einer sogenannten Superzelle entwickelt hat. Aufgrund der Messdaten war damit zu rechnen, dass die Windscherung relativ hoch sein wird. Das sind Indizien, dass Tornado-Potenzial besteht. So gegen 14.30 Uhr haben wir im Doppelradar dann eine auffällige Signatur entdeckt, also gegensätzliche Windbewegungen detektiert. Das bedeutet aber immer noch nicht, dass der Tornado zwangsläufig auch Bodenkontakt hat. Genau vorhersagen lässt sich ein Wirbelwind nicht. Wir können nur Tendenzen anhand der Windscherung erkennen.

Begünstigt die Lage von Urexweiler die Entstehung eines Tornados?

MOTSCH Nein. Urexweiler war am Donnerstag eben das leidtragende Dorf. Im Mai hatten wir einen Tornado in Lippstadt und Paderborn. In Deutschland treten im Schnitt bis zu 60 Tornados pro Jahr auf. Es kann jeden Ort treffen, wenn die Zutaten im Wetterkochtopf ideal gemischt sind.