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Tourismusprojekt Via mosel' für Weinbau und Architektur startet

Grenzenlos : Perlenkette aus Weingütern: Was hinter dem Tourismusprojekt Via mosel' steckt

Weinbau und Architektur: Nichts verbindet dies in Frankreich, Luxemburg und Deutschland besser als die gemeinsame Lage von Weingütern und Dörfern entlang der Mosel. Wie das neue Projekt Via mosel’ dem Rechnung tragen will:

Auf ihren 544 Kilometern Länge schlängelt sich die Mosel von ihrer Quelle in den Vogesen nicht nur durch die drei Länder Frankreich, Luxemburg und Deutschland, bis sie endlich in den Rhein mündet. Sie durchquert eine historisch und kulturtechnisch einmalige Weinbaulandschaft in Europa: 10 000 Hektar Rebfläche und fast 4000 Winzerbetriebe in den drei Ländern haben nicht nur den Weinbau gemeinsam, sondern auch eine Architektur, die oftmals in den Hintergrund tritt. Dies gemeinsam zu vermarkten und die Beziehung von Weinbau und Gebäudetrends einerseits sowie das Identitätsstiftende in den Ländern andererseits zu einem neuen Tourismusprojekt zu verarbeiten, ist Ziel des ersten grenzüberschreitenden Angebots rund um den Weintourismus mit Namen Via mosel’.

„Die Mosel ist DER europäischste Fluss überhaupt“, sagt Marc Weyer, Präsident der europäischen wirtschaftlichen Interessenvereinigung (EWIV) Terroir Moselle und gleichzeitig Präsident des Luxemurger Weinbauverbands. Hier liege es nahe, herausragende Kellereien und Weingüter entlang der Mosel „wie eine Perlenkette aufzuschnüren und sie international an eine kulturinteressierte Klientel touristisch zu rmarkten“.

Denn ob die Villa Huesgen in Traben-Trarbach, das Weingut Würtzberg in Serrig oder die Vereinigten Hospitien in Trier: Neben ihrer langen Weinbautradition haben die in einem Auswahlverfahren prämierten Betriebe ebenfalls eine für den Weinbau einmalige oder ausgefallene Architektur. „Zu jedem Weingut gehört ein Betrieb, ein Keller, ein Winzer, der den Gebäuden immer auch einen Stempel durch den Bau des Gutes aufgesetzt hat“, sagt Lia Backendorf aus Wincheringen und Projektkoordinatorin von Via mosel’. 58 Betriebe insgesamt, davon 38 allein aus Deutschland, haben sich inzwischen für das Projekt qualifiziert. Außerdem wirbt Via mosel’ mit 36 sogenannten „Weindörfern“ entlang der Mosel, die sich besonders beispielhaft durch das Produkt der Region und ihr gesamtes Erscheinungsbild hervortun. Dass viele davon in Frankreich liegen, wundert nicht, aber auch Longuich oder Bernkastel-Kues aus der Region Trier gehören mit dazu.

„Wein und Qualitätstourismus zu verbinden, um den Gästen aus dem In- und Ausland die Menschen und die Produkte der Region näher zu bringen, ist das Ziel des Projekts, quasi eine Reise in die Geschichte und mit und für die Sinne“, sagt Weyer. Aus dem europäischen Interregprogramm seit 2018 entstanden, hat das Projekt in den vergangenen drei Jahren rund 450­ 000 Euro gekostet, 60 Prozent davon hat die Europäische Union über das Programm Efre beigesteuert, der Rest wurde kofinanziert durch Rheinland-Pfalz, das Saarland, Luxemburg und die Region Grand-Est.

Von Oktober an soll Via mosel’ seinen Standort dann dauerhaft in Grevenmacher in Luxemburg haben, angedockt an das dortige Office régional de tourisme (ORT) Région Moselle Luxembourgeoise. Denn neben der touristischen Vermarktung geht es dem Projekt auch um eine bessere Wertschöpfung aus dem Wirtschaftsfaktor Wein. „Von den Betrieben wissen wir, dass es oft schwierig ist, Wein über Grenzen hinweg zu vermarkten, andererseits ist das Kundeninteresse aus dem Ausland an Produkten, Weinproben und Reisen an die Mosel groß“, sagt Ségolène Charvet, Geschäftsführerin von Terroir Moselle. Ob es um die Mehrsprachigkeit von Online-Shops geht oder um die Exportbestimmungen beim Wein, es gehe dauerhaft auch um technische Fragen der Weinbauern. Dazu hat Via mosel’ eine Reihe von Partnern aus den drei Ländern mit ins Boot genommen, so etwa auch den Mosel e.V. und die Vereinigung Vins et Crémants Luxembourg.

Der offizielle Startschuss zur Vermarktung von Via mosel’ ist nun für den 17. und 18. April vorgesehen, vorausgesetzt, in allen drei Ländern lässt die Corona-Infektionslage dies zu. Bis dahin stehen auch mehrere Dutzend Wein-Gästeführer bereit, die sich mit einer Sonderprüfung weitergebildet haben. Ziel ist es, nicht nur die über ein Faltblatt und im Internet sowie in den sozialen Medien aufgelisteten Betriebe und Weindörfer vorzustellen, sondern auch Aktivitäten wie Wanderungen, Fahrradouten entlang der Mosel und Kellereibesichtigungen anbieten zu können. Die Internetseite soll ab Mitte März online gehen.

„Wir hoffen, dem Tourimussektor mit Via mosel’ ein Handwerkszeug in die Hand geben zu können, das nicht nur neue Besucher anlockt, sondern es den Betrieben ermöglicht, damit mehr Geld zu verdienen, das sie in den Erhalt und die Fortführung ihrer Betriebe investieren können“, freut sich Luxemburgs Weinbaupräsident Marc Weyer.