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Soziales
Die Region will Adoptionen erleichtern – und sparen

FOTO: dpa / Patrick Seeger
Trier. Die Stadt Trier und die vier Kreise bündeln ihre Vermittlungsarbeit in einer Zentralstelle. Das soll Kosten senken und gleichzeitig zu einer intensiveren Betreuung führen. Von Benedikt Laubert
Benedikt Laubert

Viele Paare wollen Kinder, können aber keine bekommen. Sie wünschen sich ein Adoptivkind. Bis sie tatsächlich zu Adoptiveltern werden, müssen sie viele Beratungsgespräche führen, ihre Fähigkeiten als Adoptiveltern unter Beweis stellen – und vor allem: seitenlange Anträge ausfüllen. Dieser bürokratische Aufwand dürfte nun für alle, die ein Kind aus der Region adoptieren wollen, etwas geringer werden.

Denn ab dem 1. Juli soll es beim Thema Adoption in der Region nur noch einen Ansprechpartner geben: eine gemeinsame Adoptionsvermittlungsstelle der Landkreise Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell, des Vulkaneifelkreises und der Stadt Trier. Sitz der Stelle soll Trier sein. Bislang arbeiten die dafür zuständigen Jugendämter Triers und des Kreises Trier-Saarburg im Bereich Adoption selbstständig. Die anderen vier Kreise kooperieren bereits in der Adoptionsarbeit, unterhalten aber keine gemeinsame Stelle.

Für die mehreren Dutzend Alleinstehenden und Paare in der Region, die jährlich ihre Eignung als Adoptiveltern überprüfen lassen, bedeutet das: Zuständig ist künftig nicht mehr der Heimatkreis, sondern nur noch die neue Vermittlungsstelle in Trier.

Für alle Überprüften, die sich im nächsten Schritt darum bewerben, tatsächlich adoptieren zu dürfen, bedeutet das: Sie müssen sich künftig nicht mehr bei mehreren Kreisen einzeln bewerben, sondern nur noch in Trier.

Mit der Einrichtung der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle wollen Trier und die fünf Kreise die Betreuung der Kinder und Eltern verbessern und gleichzeitig Ausgaben sparen (siehe Infobox). Im Gegensatz zu heute sollen sich laut Zweckvereinbarung die Mitarbeiter in der neuen Vermittlungsstelle ausschließlich mit Adoptionsarbeit beschäftigen. Drei Mitarbeiter sollen dort mit einem Umfang von insgesamt 2,5 Stellen beschäftigt werden. Zusammengerechnet beschäftigen Trier und die fünf Kreise bislang Mitarbeiter mit einem Umfang von 3,6 Stellen in diesem Bereich. Trier spart damit zum Beispiel voraussichtlich 67 000 Euro pro Jahr.

Carsten Lang, Leiter des Trierer Jugendamts, sagt: „So können sie sich noch tiefer in das Thema einarbeiten.“ Die Trierer Adoptionsvermittlerin Inge Schöndorf wird die neue Stelle leiten. Sie hält die Bündelung für „hilfreich für Kinder, Eltern und Mitarbeiter“. Die neue Vermittlungsstelle ist nicht die erste ihrer Art. Kreise in der ganzen Bundesrepublik haben schon ihre Adoptionsarbeit zusammengelegt.

Die Städte Pirmasens und Zweibrücken sowie der Landkreis Südwestpfalz haben das zum Beispiel schon 2004 getan. Aus der dortigen Verwaltung heißt es, dass die Zusammenlegung vor allem bei den Mitarbeitern zu einer Verbesserung geführt habe, weil sich die Mitarbeiter nun ausschließlich mit dem Thema Adoption befassten und „durch den Austausch untereinander profitieren“.

Noch ist nichts endgültig entschieden. Die Kreistage Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm haben dem Vorhaben bereits zugestimmt, Trier und die übrigen Kreise entscheiden nach und nach bis zum 18. Juni. Ihre Zustimmung gilt als sicher – die Details sind bereits in Ausschüssen verhandelt worden.

Zum Schluss müssen die Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen sowie die Landesbehörde ADD zustimmen.

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