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Trierer Corona-Klinik in Rekordzeit errichtetWie durch Kooperation eine Trierer Corona-Klinik in Rekordzeit entstanden ist

Kostenpflichtiger Inhalt: Virus-Behandlung : Wie durch Kooperation eine Trierer Corona-Klinik in Rekordzeit entsteht

In einer Außenstelle des Trierer Mutterhauses entsteht gemeinsam mit dem Brüderkrankenhaus eine neue Station mit über 150 Plätzen für Infizierte, die schwer erkrankt sind.

Noch wird gebohrt und gehämmert in den ehemaligen Operationssälen des früheren Elisabeth-Krankenhauses. Arbeiter stehen auf Leitern, montieren Lampen, ziehen Kabel in die Decke.

Auch wenn es nicht so aussieht am Mittwochvormittag: In weniger als 24 Stunden soll dort eine komplett neue Intensivstation in Betrieb gehen. Eine Intensivstation, auf der ausschließlich schwer an Corona erkrankte Patienten behandelt werden sollen. In Rekordzeit haben die Verantwortlichen von Brüderkrankenhaus und Mutterhaus alle Voraussetzungen geschaffen, um das ehemalige Evangelische Krankenhaus, das mittlerweile zum Mutterhaus gehört, zu einer gemeinsam betriebenen Station für CoronaPatienten umzufunktionieren.

Eine Station mit 135 Betten, in denen weniger schwer erkrankte Corona-Patienten behandelt werden sollen. Hinzu kommen noch 24 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten. Es handele sich um zusätzliche Intensivplätze zu den bestehenden rund 100 Plätzen in Mutterhaus und Brüderkrankenhaus, sagt Mutterhausgeschäftsführer Christian Sprenger.

Coronastation Mutterhaus Trier. Foto: Bernd Wientjes

Damit sollen im Mutterhaus Nord, wie die Klinik offiziell heißt, ausschließlich Corona-Patienten stationär behandelt werden. Keinen Einfluss hat das auf den restlichen Betrieb in dem Haus. So würden weiterhin Patienten in seiner radiologischen Praxis untersucht, sagt Christof Walter. Es bestehe keine Gefahr, dass diese sich infizieren.

Mit der gemeinsam betriebenen Station wolle man die beiden Kliniken möglichst lange frei halten von Corona-Patienten, erklärt Sprenger. Auch um dort solange wie möglich den weitgehend normalen Betrieb aufrechtzuerhalten. „Wir haben ja nicht nur Corona-Patienten“, sagt Sprenger. Schwerkranke, etwa Krebs- oder Schlaganfallpatienten, müssten weiterhin an beiden Standorten optimal versorgt werden können. Und einige der dort behandelten, lebensbedrohlich erkrankten Patienten, müssten ebenfalls beatmet werden, so dass man nicht einfach alle Beatmungsplätze nur für Corona-Patienten freihalten könnte. Die Behandlung und Untersuchung von allen anderen Patienten müsse auch in diesen Zeiten sichergestellt sein, sagt auch Radiologe Walter.

Einschränkungen gibt es aber trotzdem. Alle aufschiebbaren Eingriffe sind erst einmal verschoben worden. Nicht nur in den Trierer Kliniken. Auch in anderen Krankenhäusern in der Region wird im Krisenmodus gearbeitet. Etwa im Saarburger Krankenhaus. Dort ist eine Station komplett geräumt und zur Infektstation umfunktioniert worden. 26 Betten stehen laut einer Krankenhaussprecherin zur Verfügung.

In den nächsten Tagen soll eine Station geschlossen werden. Vor allem um damit zusätzliches Personal zur Verfügung zu haben, falls es zu einem deutlichen Anstieg der Corona-Patienten in Saarburg kommen sollte. Ein Teil dieses Personals wird nun darauf geschult, beatmungspflichtige Patienten zu betreuen. Zehn zusätzliche Beatmungsplätze seien auf der Intensivstation geschaffen worden, sagt die Sprecherin, vier weitere könnten noch eingerichtet werden.

In allen Krankenhäusern in der Region könnten Corona-Patienten behandelt werden, sagt Mutterhauschef Sprenger. Er geht davon aus, dass in der neu geschaffenen Trierer Station vorerst nur Patienten aufgenommen werden müssen, die aus der näheren Umgebung stammen. Der Klinikgeschäftsführer weist auch darauf hin, dass sich Patienten nicht selbst auf die Station einweisen können. Es bringe nichts, wenn Menschen, die glauben, an Corona erkrankt zu sein, einfach an der Pforte klingelten. „Sie brauchen eine Einweisung eines Arztes“, stellt Sprenger klar. Und Ärzte würden Corona-Patienten nur dann ins Krankenhaus schicken, wenn es notwendig ist. „Nicht jeder, der Corona hat, muss stationär behandelt werden“, sagt auch Oliver Kunitz, Chefanästhesist im Mutterhaus.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Tim Piepho leitet er die Station. „Es handelt sich nicht um Ebola“, sagt Kunitz. Corona stelle für das Personal – die Ärzte, die Pfleger – kein größeres Problem dar als Influenza oder die Behandlung von Patienten, die an resistenten Keimen erkrankt sind. „Wir sind gut aufgestellt und gut vorbereitet“, sagt Kunitz, der einen entspannten Eindruck macht. So wie das gesamte Personal auf der ehemaligen Intensivstation des Elisabeth-Krankenhauses.

Und das obwohl dort seit gestern bereits der erste Corona-Patient behandelt wird. Es bestehe keine Lebensgefahr bei ihm, meint Kunitz. Um ausreichend Personal zur Verfügung zu haben, falls die Zahl der mit dem Virus Infizierten, die in der Außenstelle des Mutterhauses behandelt werden müssen, habe man nicht nur den Normalbetrieb in beiden Kliniken heruntergefahren, sondern auch eine Urlaubssperre ausgesprochen. Auch habe man bei Teilzeitkräften nachgefragt, ob sie kurzfristig ihre Arbeitszeit aufstocken könnten. Allerdings könnten nicht jeder Pfleger und jeder Arzt auf der Intensivstation eingesetzt werden. Mediziner müssten dazu eine mehrjährige Ausbildung machen, Pfleger müssten nach ihrer Ausbildung eine zweijährige Fortbildung zum Intensivpfleger machen. Der Personalbedarf auf Intensivstationen sei höher als auf Normalstationen, sagt Kunitz. In der Regel betreuen zwei Pfleger einen Patienten, auf einen Arzt kommen acht Patienten.

Da hier aber Personal aus beiden Trierer Großkliniken zusammenarbeite und die jeweiligen Dienstpläne nun aufeinander abgestimmt würden, gehe man davon aus, dass ausreichend Personal zur Verfügung stehe, sagt Kunitz. Momentan bestehe kein Bedarf, zusätzlich etwa Medizinstudenten oder Ärzte von außen zu rekrutrieren. Wie etwa in Saarburg, wo das Krankenhaus niedergelassene Anästhesisten angefragt hat, ob diese notfalls auf der Intensivstation helfen können. „Wir haben generell einen Mangel an Pflegekräften und auch viele offene Arztstellen. Zusätzliches Personal auf die Schnelle herzuzaubern, ist deshalb leider nicht möglich“, sagt Günther Matheis, Vorsitzender der Landesärztekammer. Die Kammer habe daher gemeinsam mit dem Ministerium Ärzte im Ruhestand angeschrieben, ob sie sich vorstellen können, auszuhelfen. „Auch Medizinstudierende müssen von der Universitätsmedizin gefragt werden, ob sie unterstützen können“, sagt Matheis.