Trierer Politikprofessor Uwe Jun sieht die SPD-Parteiführung nach dem Groko-Votum gestärkt

Mitgliedervotum zur GroKo : „Die SPD muss zur Geschlossenheit zurückfinden“

Trierer Politikprofessor Uwe Jun sieht die SPD-Parteiführung nach dem Groko-Votum gestärkt.

Der Trierer Politikprofessor Uwe Jun sieht die SPD nach dem Mitgliedervotum über die Groko- gestärkt. Die Parteispitze könne sich damit bestätigt sehen, sie sei legitimiert, sagte Jun am Sonntag im Gespräch mit Volksfreund-Redakteur Rolf Seydewitz.

Zweidrittel für eine Fortsetzung der Groko: Haben Sie mit einem solch klaren Ergebnis gerechnet?

JUN Ich habe mit 60 Prozent gerechnet, jetzt ist es mit 66 Prozent ein bisschen mehr geworden.

Wie bewerten Sie das Votum?

JUN: Es zeigt, dass eine Mehrheit der Parteimitglieder den Wählern und der Parteiführung folgt. Damit kann die SPD-Spitze jetzt ihre beiden Ziele umsetzen: Eintritt in die Groko und Erneuerung der Partei.

War die Abstimmung klug oder eher ein Vabanquespiel?

JUN Ein Koalitionsvertrag ist ja ein eher abstraktes Gebilde. Darüber die Mitglieder zu befragen, ist nicht der allerbeste Weg. Aber die Parteiführung kann sich damit bestätigt sehen, sie ist legitimiert. Das ist besser, als wenn ständig ein Rumoren in der Partei zu hören wäre, wie dies ohne Mitgliederbefragung wohl der Fall gewesen wäre.

Also geht die Partei sogar trotz der ganzen Kapriolen gestärkt aus der Groko-Debatte heraus?

JUN Das hängt davon ab, wie sich die Gegner einer Regierungsbeteiligung mit dem Ergebnis umgehen. Interessant wird in diesem Zusammenhang auch sein, welche Zustimmung am Ende die designierte Parteivorsitzende Andrea Nahles bekommt. Aber nochmal: Für die Partei ist es besser, ein klares Votum der Mitglieder zu haben.

Kann die SPD in Umfragen zuletzt auf 18 Prozent abgestürzte Partei denn jetzt wieder Morgenluft wittern?

JUN Das liegt an der SPD selbst. Sie hat es jedenfalls in der Hand, wieder auf einen erfolgreichen Pfad zu kommen. Es hängt davon ab, welche Akzente die Partei in der Regierung setzen kann. Und wie sie den Prozess der Erneuerung gestaltet. Da warten wir noch auf konkrete Pläne und Konzepte. Wichtig ist natürlich auch, dass die Zerrissenheit und die Grabenkämpfe beendet werden. Die Partei muss wieder zur Geschlossenheit zurückfinden.