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Urlaub 2020 unter Corona-Bedingungen sieht anders aus als in den Vorjahren.

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Viele wollen nicht mehr in die Ferne schweifen

Urlaub 2020 unter Corona-Bedingungen sieht anders aus als in den Vorjahren. Viele suchen Erholung in Deutschland. Etwas, wovon auch Hotels, Pensionen und Gästebetreuer in Eifel und Hunsrück sowie an der Mosel profitieren wollen.

Wenn bis Mitte Juni noch viele Ferienflieger auf dem Boden und Strände am Mittelmeer vorläufig geschlossen bleiben und selbst Nachbarländer wie die Niederlande ihre Ferienparks erst ab dem 1. Juli wieder voll öffnen, dann werden sich viele denken: „Warum in die Ferne schweifen?“

Und so gehen die Touristiker und Forscher davon aus, dass der Inlandstourismus in diesem Jahr unter eingeschränkten Corona-Bedingungen einen Boom erleben wird (siehe Interview unten). „In Deutschland wird es enger werden“, prophezeit auch der Trierer Tourismus-Professor Andreas Kagermeier. Zwar sei vieles derzeit „Kaffeesatzleserei“, doch es spreche einiges für einen Boom im Inlandstourismus. Zumal es viele Ängste gebe. „Der deutsche Markt ist ein sehr ängstlicher“, sagt der Tourismusforscher.

Von diesem Wunsch nach Sicherheit und Nähe profitieren schon jetzt nicht nur Nord- und Ostsee, Allgäu und Bayerischer Wald, wie ein Blick auf die Entwicklung der Ferienhauspreise in unserer Grafik der Rheinischen Post zeigt. „Für die Region bin ich verhalten optimistisch und rechne gerade für das zweite Halbjahr mit einer signifikanten Erholung bei guten Zahlen“, so Kagermeier.

Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt ist sogar überzeugt davon, dass jeder etwas für seine Erholung und die heimische Wirtschaft gleichzeitig tun kann: „Mit jedem Besuch im Restaurant um die Ecke oder dem Urlaub an der Mosel oder im Hunsrück kann jeder seinen Beitrag leisten. Es ist Zeit für Urlaub in Rheinland-Pfalz“, wirbt sie.

Das würde der heimischen Hotellerie gut tun, darf sie doch am Montag erstmals wieder nach Wochen der Schließung die ersten Gäste begrüßen. „Das war wie eine Vollbremsung bei Höchstgeschwindigkeit“, beschreibt Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus (ETI) GmbH in Prüm, den Shut-Down. Noch im Januar und Februar hatte die Eifel nach den ersten Buchungen mit einem Umsatzplus von 22 Prozent für dieses Jahr gerechnet, für ganz Rheinland-Pfalz war die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Koblenz von einem Buchungsplus bei Gästen und Übernachtungen laut Chef Stefan Zindler von 13 Prozent ausgegangen.

Doch die Absage der Internationalen Tourismusbörse (ITB) war der erste Schock. „Der März ist unsere Hauptwerbephase“, sagt Sabine Winkhaus-Robert, Geschäftsführerin der Mosellandtouristik in Bernkastel-Kues. Und die sei komplett ausgefallen. Nun stünden die meisten Betriebe aber wieder in den Startlöchern und wollten – unter Einhaltung aller Auflagen wie Belegung, Distanzzonen und Tischabständen – am Montag wieder öffnen. „Wir freuen uns“, sagt sie euphorisch.

Und die Gäste scheinbar auch, verzeichnen schließlich alle großen Touristinformationen der Region auf Nachfrage seit Tagen ein erhöhtes Buchungsaufkommen. „Die Telefone stehen nicht mehr still. Wir hoffen, dass das so bleibt“, sagt Eifeltouristiker Schäfer, und im Gesundland Vulkaneifel gibt es täglich gar mehrere hundert Anfragen über Internet. „Schon während der großen Einschränkungen gab es ein großes Interesse an der Eifel“, sagt Schäfer und verweist auf die zeitweilige Schließung mehrerer Wanderparkplätze aufgrund des Massenandrangs. „Das hat uns Aufmerksamkeit auch bei Einheimischen, aber nicht unbedingt Wertschöpfung, gebracht. Das wollen wir jetzt ändern.“

Stefan Zindler, Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, sieht demnach die Eifel auch als Vorreiter, hat sie schließlich ihre „derzeit machbaren“ Aktivitäten zu Routen für verschiedene Zielgruppen im Internet gebündelt und sogar miteinander vernetzt. Ziel ist es etwa, dass Ferienhausanbieter feste Tische in lokalen Restaurants für ihre Gäste buchen, um so einen Mehrwert auf beiden Seiten zu schaffen. So können alle Gästegruppen abgedeckt und alle Angebote auch auf die Infektionslage jederzeit angepasst werden. Immerhin rechnet die ETI mit einem Umsatzverlust von täglich 4,3 Millionen Euro (siehe Info), wovon das meiste bis zum Jahresende nicht mehr ausgeglichen werden kann. Moseltouristikerin Winkaus-Robert rechnet sogar damit, dass die gute Ausgangslage von vor Corona erst in zwei bis drei Jahren wieder erreicht wird.

Damit mehr Gäste in die ländlichen Regionen von Eifel, Mosel und Hunsrück, aber auch ins Oberzentrum Trier, kommen, setzt Norbert Käthler, Chef der Trier Tourismus Marketing GmbH, auf Vernetzung. „Unsere Attraktionen können wir als Gesamtpaket von Natur und Kultur verkaufen“, sagt er. Und wenn es dann heiße „Ausgebucht!“, dann „kann das den Hotels mit ihren mehr als 5000 Betten allein in Trier nur gut tun“. Schließlich mache der Tourismus zwölf Prozent der Wirtschaftskraft der Stadt Trier aus.

Dabei gehen die Touristiker davon aus, dass es weitaus weniger ausländische Touristen aus Belgien, Frankreich oder den Niederlanden als sonst geben wird. Dafür rücken Tagestouristen, Kurzurlauber und Familien in den Blick.  „Unser Fokus liegt nun auf dem Gästen aus dem Speckgürtel um Rheinland-Pfalz wie Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Saarland: Das versuchen wir auszuweiten, auch jahreszeitlich“, sagt Stefan Zindler. Denn Betten könne man nur einmal vergeben, aber dann bitte profitabel.