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Viel Grün, aber wenig Hoffnung

Umwelt : Viel Grün, aber wenig Hoffnung

Die Verwertung von Grüngut ist für den Zweckverband Abfallwirtschaft in der Region Trier (A.R.T.) teurer und aufwendiger geworden. Den Kompost wird das kommunale Unternehmen außerdem immer schlechter los. Den Grund dafür sieht Geschäftsführer Max Monzel in zwei Verordnungen der Bundesregierung.

Dampf steigt von den Haufen auf. An den Bergen von Grüngut, die sich im Hof des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) auftürmen, rollen Bagger vorbei. Doch außer den Mitarbeitern des kommunalen Entsorgungsbetriebs arbeiten hier noch andere: Bakterien, Pilze und Würmer zersetzen Laub, Grasschnitt und Zweige. Sie haben  viel zu tun auf dem Gelände in Mertesdorf (Kreis Trier-Saarburg). Denn die Komposthaufen werden größer. Für Geschäftsführer Max Monzel ist das ein Problem.

Aber von Anfang an. Seit einigen Jahren übernimmt der A.R.T. die Verwertung des Grünguts, das auf den mehr als 80 Sammelstellen in der Region zusammenkommt. Es ist eine freiwillige Aufgabe. Doch die Kosten seien in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, sagt Monzel. Schuld daran seien Novellen der Bioabfallverordnung und der Düngeverordnung, die die Bundesregierung 2013 beziehungsweise 2017 erlassen hat. Um zu verstehen, was sich durch die neue Gesetzeslage geändert hat, muss man erst wissen, wie die Entsorgung von Grüngut früher gehandhabt wurde:

Wer seinen Rasen mäht und das Gras danach in den Wald wirft, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Wilde Deponien finden sich zwar vielerorts. Doch der legale Weg zur Entsorgung des Weihnachtsbaumes oder des Heckenschnitts führt zur Sammelstelle eines Landwirtes. Früher durften diese Bauern sogenanntes holziges Material (Stöcke und Äste) zusammen mit krautigem Material (Gräser, Hecken, Blumen) zusammen lagern. Ihnen war es erlaubt, den Kompost geschreddert als Dünger auf den Äckern zu verteilen.

Das Material wurde zuvor von Mitarbeitern des A.R.T. aufgemessen, und der Landwirt erhielt eine entsprechende Entlohnung. Ein lukratives Geschäft für beide Seiten: Der Zweckverband wurde das Grünzeug los, der Bauer hatte seinen Dünger und bekam noch Geld dafür. Doch die Verordnungen machten den Landwirten und dem kommunalen Betrieb einen Strich durch die Rechnung.

Seit 2017 ist es nur noch erlaubt, holziges Material auszubringen, nicht aber das krautige. Zumindest nicht, bevor es aufwendig kompostiert wurde. Denn der Gesetzgeber fürchtet, dass sonst sogenannte Neophyten in die Umwelt gelangen könnten. Unter diesem Begriff versteht man Lebewesen, die nicht in unser Ökosystem gehören. Der Riesenbärenklau ist so eine Spezies. Die invasive Pflanze stammt aus dem Kaukasus, hat es aber nach Deutschland geschafft. Und sorgt hier für Ärger, weil sie andere Arten verdrängt und bei Berührung Verbrennungen verursacht.

Doch nach Einschätzung der Bundesregierung gibt es noch andere Neophyten, deren Sporen oder Samen im Kompost schlummern könnten. Sie möchte verhindern, dass sie auf deutsche Äcker und Felder gelangen. Und daher dürfen sie dort auch nicht mehr hin. Es sei denn, jemand hat das Material vorher sozusagen unschädlich gemacht.

Das übernimmt  rund um Trier der A.R.T.. Der Zweckverband muss Gras und Gartenabfälle also bei den Sammelstellen abholen, nach Mertesdorf transportieren und dort kompostieren. Jährlich sorgt diese Entsorgung, die früher gar nicht nötig war, für Kosten von rund drei Millionen Euro. Nachvollziehen kann Geschäftsführer Monzel nicht, was er als „Regelungswut des Gesetzgebers“ bezeichnet: „Man kann sich das so vorstellen: Kinder dürfen mit blankem Hintern auf dem Rasen im Park sitzen. Und wenn der gemäht ist, wird er auf einmal behandelt, als ob er brandgefährlich wäre.“

Unsinn oder nicht: Der Zweckverband muss sich an die neuen Spielregeln halten. Mit denen sind aber auch die Landwirte nicht froh. Denn ihnen geht der Kompost ja als Dünger verloren. Außerdem gelten für ihre Sammelstellen nun auch neue Auflagen. Grüngutsammelstellen brauchen nun nämlich eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Eine zu bekommen, erfordert viel Geduld und ein gut gefülltes Portemonnaie. Denn die Verfahren sind lang, die Auflagen teils hoch.

Bestimmungen über Plätze, die sich jahrelang kein Beamter angeschaut hat, füllen heute Aktenordner. Das Gros der Verfahren sei inzwischen geschafft, sagt Monzel, rund 80 Prozent genehmigt. Nur wenige seien wegen umwelttechnischer Bedenken weggefallen. Die anderen mussten vom A.R.T. mit Containern aufgerüstet werden. Die Bauern sollten ihre Sammelstellen schottern.

Doch damit nicht genug. Wegen der Düngeverordnung müssen Landwirte seit Neuestem außerdem alle Nährstoffe bilanzieren, mit denen sie ihrem Feld etwas Gutes tun wollen. Weil es aber einigen zu viel Aufwand sei, den Nährstoffgehalt vom kompostierten Grünschnitt zu berechnen, griffen heute viel mehr Bauern zum Industriedünger. „Da wissen sie genau, was sie auf ihr Feld kippen“, erklärt Monzel. Die Folge: „Ich werde mein Grüngut nicht mehr los. Wir laufen über.“

Und so werden die Komposthaufen in Mertesdorf immer höher und höher. Der Rekord laut Monzel: 9990 Tonnen. Die Kosten gehen seit wenigen Jahren in die Millionen – ganz schön teuer ist die freiwillige Aufgabe also geworden. Aufgeben will Monzel sie trotzdem nicht, sagt er: „Wir machen das gern.“ Allerdings könnte sich die Situation auch irgendwann auf die Müllgebühren auswirken, befürchtet er.

Die Verträge der Landwirte, die die Sammelstellen betreiben, wurden durch die neuen Gegebenheiten bereits verändert. Eine Neufassung sei, sagt der Chef, nicht abwendbar gewesen. Die Maschinenringe in der Region sehen das ein. Der Vorsitzende der landwirtschaftlichen Interessengemeinschaft im Eifelkreis Bitburg-Prüm hält die neuen Verträge sogar für fairer. Zwei Landwirte aus der VG Wittlich Land und einer aus der VG Prüm haben in den vergangenen Monaten allerdings wohl deshalb ihre Grüngutsammelstellen aufgegeben. Sie werfen dem Zweckverband vor, die Preise zu drücken (der TV berichtete).