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Verbraucher
Von Macht und Missbrauch der Daten

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Trier. Zum heutigen Weltverbrauchertag warnen Experten vor zu laschem Umgang mit persönlichen Informationen im Internet  und fordern von der Politik härtere Regeln und höhere Strafen. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

Als der damalige US-Präsident John F. Kennedy am 15. März 1962 vier Grundrechte für Verbraucher formulierte, war von Internet, weltweitem Datennetz und grenzenlosem Kommunizieren und Handel noch keine Rede. Allein im vergangenen Jahr soll das Onlinegeschäft mit knapp 54 Milliarden Euro in Deutschland bereits ein Zehntel des gesamten Handels ausgemacht haben. Kein Wunder, haben inzwischen 94 Prozent aller Haushalte Internetzugang. Und so nimmt nicht nur der Austausch von Waren übers Netz immer mehr zu, auch die Menge an oftmals persönlichen Daten wie Adressen und Vorlieben, aber auch Kontoverbindungen und Passwörtern wächst stetig. Dabei sind Verbraucher oftmals viel zu unvorsichtig im Internet unterwegs, warnen Experten. „Viele Menschen nehmen zwar die Macht der Daten wahr, wissen aber weder genau, worin diese Macht besteht, noch wie man diese besser kontrolliert“, sagt Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Und so setzen die Verbraucherschützer zum diesjährigen Weltverbrauchertag mit ihren Infoangeboten auf mehr Sicherheit im Netz. Die Menschen müssten darauf vertrauen können, dass ihre Daten bei Unternehmen auch wirklich sicher seien. „Immer neue Meldungen über Datenlecks zeugen nicht davon“, bemängelt von der Lühe. „Hier ist die Politik gefordert, Regeln zu schaffen, die die Verbraucherinteressen nicht den Geschäftsmodellen von Unternehmen unterordnen.“

Dabei sind diese selbst kaum abgesichert, weiß Karin Basenach, Leiterin des Europäischen Verbraucherzentrums in Luxemburg: „Als Verbraucher ist man im Zwiespalt, aber man hat die Wahl zwischen bequemer Nutzung des Internets und der Datenfreigabe, womit Hackern Tür und Tor geöffnet sind“, sagt sie. „Behörden und Firmen jedoch haben ihre Systeme selten gut abgesichert. Sie nehmen Datensicherheit auf die leichte Schulter.“

Deshalb setzt die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Anne Spiegel auf eine stärkere Verpflichtung der Hersteller. „Wir brauchen verbindliche IT-Standards“, sagt sie und fordert, dass Hersteller von vernetzten Geräten deren Sicherheit „in angemessenen, transparenten Zeiträumen“ kontrollieren und erweitern müssten. „Außerdem müssen Hersteller dafür haften, wenn bekannte Sicherheitslücken nicht geschlossen werden.“ Als Vorsitzende der deutschen Verbraucherschutzministerkonferenz fordert sie von der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für die Standards einzusetzen und mathematische Algorithmen bei Vergleichsportalen oder Kreditverträgen stärker zu kontrollieren. Das Problem für die Verbraucher dabei: „Viele merken Risiken und Schäden erst, wenn es an ihren Geldbeutel geht“, weiß Kirsten Thul-Kunsmann von der Verbraucherberatung Trier.