Wahlen in Hessen : Historische Verluste für SPD und CDU, Gewinne für Grüne und AfD

Hessen vor schwierigem Regierungspoker – Kommt jetzt Jamaika? Nur Schwarz-Grün-Gelb hätte klare Mehrheit. Rechtspopulisten sitzen erstmals in allen Landtagen.

CDU und SPD haben bei der Landtagswahl historisch schlechte Ergebnisse eingefahren. Beide Parteien haben jeweils über zehn Prozent gegenüber 2013 verloren. Wahlgewinner sind die Grünen und die AfD. Die mit der CDU seit fünf Jahren regierenden Grünen konnten ihr Ergebnis mehr als verdoppeln. Die AfD verdreifachte ihr Ergebnis und schaffte erstmals den Sprung in den Landtag in Wiesbaden. Damit ist die Partei in allen 16 Länderparlamenten vertreten.„Wir freuen uns mit unseren Mitstreitern aus Hessen, dass sie nunmehr auch das letzte Landesparlament für die AfD erobert haben“, kommentierte der rheinland-pfälzische AfD-Chef, Uwe Junge, das Abschneiden seiner Partei.

Die CDU beanspruchte gestern Abend, weiter mit Ministerpräsident Volker Bouffier zu regieren. „Die Mehrheit der Hessen möchte, dass er Ministerpräsident bleibt“, sagte die rheinland-pfälzische CDU-Landeschefin Julia Klöckner. Die Grünen ließen jedoch eine Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition zunächst offen. Die rheinland-pfälzische Grünen-Vorsitzende Jutta Paulus sprach sich gegenüber dem TV dafür aus, das „erfolgreiche“ Bündnis fortzusetzen. Sie freue sich über das Abschneiden ihrer Partei: „So grün war Hessen noch nie.“

Der rheinland-pfälzische Juso-Vorsitzende Umut Kurt forderte, dass SPD-Bundeschefin Andrea Nahles „endlich liefern“ müsse. Von der von ihr versprochenen Erneuerung der Partei sei noch nichts zu spüren. Die SPD müsse an Profil gewinnen. Kurt sprach sich dafür aus, die große Koalition auf Bundesebene fortzusetzen.

Wahlen in Hessen
Foto: dpa-infografik/dpa-infografik GmbH

Auch der Landauer Politikwissenschaftler Ulrich Sarcinelli glaubt nicht, dass das schwarz-rote Bündnis in Berlin in Gefahr ist. Er geht jedoch davon aus, dass die Debatte um die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel an Fahrt gewinnen  wird. CDU-Landeschefin Klöckner sagte, „die Menschen verlangen von uns zurecht, dass wir liefern“.