| 19:32 Uhr

Royaler Besuch
Warum es Willem und Máxima (auch) in den Weinberg zieht

Hoch über der Mosel: Das niederländische Königspaar macht Station in Bernkastel-Kues. Hunderte Zuschauer verabschiedeten sie am Steillagenzentrum.
Hoch über der Mosel: Das niederländische Königspaar macht Station in Bernkastel-Kues. Hunderte Zuschauer verabschiedeten sie am Steillagenzentrum. FOTO: Friedemann Vetter
Bernkastel-Kues. Die niederländischen Majestäten informieren sich in Bernkastel-Kues über Weinbau. Der beginnt in ihrem Land eine echte Rolle zu spielen. Von Katharina De Mos

Die Niederlande. Da denkt man an Tulpen und Schafe. Aber doch nicht an Wein! Dennoch ist Wein das Erste, wofür sich die niederländischen Majestäten König Willem-Alexander und Königin Máxima bei ihrem Arbeitsbesuch in der Region Trier interessieren.

Während die königlichen Fans draußen in der strahlenden Herbstsonne darauf hoffen, bald einen Blick auf die beiden zu erhaschen, besuchen die Hoheiten das Steillagenzentrum in Bernkastel-Kues. Mit deutschen und niederländischen Winzern sprechen sie über technische Neuerungen oder über die Risiken und die Chancen des Klimawandels – wobei für die Niederlande die Chancen überwiegen dürften.

Bis vor einigen Jahren hat Weinbau im Land der Grachten und Polder so gut wie keine Rolle gespielt. War belächelte Liebhaberei. Doch diese Zeiten sind vorbei. Natürlich ist die niederländische Weinproduktion im Vergleich mit Frankreich oder Deutschland weiterhin unbedeutend. Aber sie wächst. Nach Auskunft des niederländischen Agrarministeriums gibt es inzwischen 137 professionell betriebene Weinberge auf insgesamt 245 Hektar Land. „Die Qualität niederländischer Weine ist gut und wird immer besser“, sagt Ministeriumssprecher Raoel Koole. Dies liege auch daran, dass Anbau und Verarbeitung immer professioneller werden. Auch bessere Pflanzenkenntnis und bessere Maschinen – und zwar aus Deutschland – trügen ihren Teil dazu bei.  Wie hier verspricht auch das niederländische Weinjahr 2018 außerordentlich gut zu werden.

Gleich zum Auftakt seines Besuchs in Rheinland-Pfalz hat der niederländische König für das bislang wenig bekannte Erzeugnis seiner Heimat geworben. Nicht nur der Rhein, sondern auch der Wein verbinde die beiden Nachbarn, sagte er am Mittwoch vor einem Festessen in Mainz. „Als junges, aufstrebendes Weinbauland haben die Niederlande der Kompetenz und Innovationskraft deutscher Winzer viel zu verdanken.“

Doch nicht nur den Niederländern selbst schmeckt, was sie produzieren. Auch Ansgar Schmitz von Moselwein e.V. sagt: „Was ich probiert habe, war sehr gut“. Hätte er nicht gewusst, wo der Wein herkommt, so hätte er auf Luxemburg getippt. Man merke, dass viele niederländische Winzer ihre Ausbildung an der Mosel gemacht haben.

Seit 2017 gibt es sogar die ersten niederländischen Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung. Ironischerweise heißen diese genauso wie eine Aktion gegen Alkohol im Straßenverkehr: Bob (für „beschermde Oorsprongsbenaming“). Die ersten anerkannten Bob-Lagen sind „Mergelland“ und „Maastal-Limburg“. Weitere warten auf ihre Zertifizierung.

Die meisten Weinberge liegen im Süden (Limburg) und Osten des Landes (Gelderland). Neben klassischen Sorten wie Auxerrois und Pinot bauen die niederländischen Winzer auch neue Traubensorten an wie Souvignier gris, Solaris (beide weiß) oder Cabernet Cortis (rot), allesamt pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die sich gut für regenreiche Regionen eignen. 70 Prozent der 8100 Hektoliter Wein, die die Niederlande produzieren, sind weiß, 30 Prozent rot oder Rose. Zudem werden auch immer mehr Perlweine hergestellt.

„In Rheinland-Pfalz hat man eine Jahrhunderte alte Tradition im Weinbau. Aus diesem Grund sind wir sehr am Austausch interessiert“, sagt Roos Verhamme von der niederländischen Botschaft in Berlin. Deshalb konnten Bernkastel-Kueser nun so hohen Besuch begrüßen. Auch ein Gläschen Moselwein hat Willem-Alexander probiert – und sah dabei zufrieden aus.

Wegen des Klimawandels werden es immer mehr: eine Karte mit den Weinbergen in den Niederlanden.
Wegen des Klimawandels werden es immer mehr: eine Karte mit den Weinbergen in den Niederlanden. FOTO: TV / Katharina de Mos
Willem-Alexander und Máxima werden von Ministerpräsidentin und Ehemann Klaus Jensen vor der Mainzer Staatskanzlei begrüßt. Das Königspaar hält sich zu einem dreitägigen Besuch in Deutschland auf.
Willem-Alexander und Máxima werden von Ministerpräsidentin und Ehemann Klaus Jensen vor der Mainzer Staatskanzlei begrüßt. Das Königspaar hält sich zu einem dreitägigen Besuch in Deutschland auf. FOTO: dpa / Boris Roessler
In Boppard machen Schaulustige Fotos von der Ankunft des Königspaars nach einer Schifffahrt auf dem Rhein.
In Boppard machen Schaulustige Fotos von der Ankunft des Königspaars nach einer Schifffahrt auf dem Rhein. FOTO: dpa / Silas Stein
Das niederländische Königspaar zu Besuich in Bernkasteler-Kues. Hunderte Zuschauer verabschiedeten sie am Schluß am Steillagenzentrrum.
Das niederländische Königspaar zu Besuich in Bernkasteler-Kues. Hunderte Zuschauer verabschiedeten sie am Schluß am Steillagenzentrrum. FOTO: Friedemann Vetter