Wie moderne Technik die Medizin verändert

Kostenpflichtiger Inhalt: TV-Serie Hauptsache gesund : Video-Konferenz mit dem Arzt und Roboter als Pflegekräfte

Ein Zukunftsforscher sieht Chancen für Senioren und chronisch Kranke, besser versorgt zu werden und länger zuhause zu leben. In der Eifel soll 2020 ein Telemedizin-Projekt starten.

Telemedizin ermöglicht Älteren und Kranken, künftig länger selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben, ohne ein Heim oder ein Krankenhaus aufsuchen zu müssen. Davon geht der Heidelberger Zukunftsforscher Eike Wenzel aus, der mit einem tiefgreifenden, technischen Wandel der medizinischen Versorgung in den kommenden Jahrzehnten rechnet. „Der Trend wird dahin gehen, dass sich immer mehr medizinische Dienstleistungen von Kliniken, Arztpraxen und Pfege dezentralisieren und mehr private Anbieter auf den Markt strömen, die kranke Menschen betreuen“, sagt Wenzel. In den USA sei diese Entwicklung bereits im vollen Gange.

Wenzel sieht darin Chancen: Chronisch Kranke könnten über Apps permanent ihre Daten wie Blutdruck an den Doktor übermitteln, bei Problemen mit dem Arzt chatten und somit „engmaschig viel umfassender betreut werden“, sagt Wenzel. Das bisherige Gesundheitssystem nennt er „ineffizient“: Andere Länder seien deutlich fortschrittlicher bei der Telemedizin, digitalen Rezepten und der Erlaubnis, Medikamente online bestellen zu können.

In Rheinland-Pfalz soll ein Telemedizin-Projekt bald in Vulkaneifel, Westerwald, Pfalz und Rheinhessen starten, das die hausärztliche Versorgung auf dem Land sichert. Geschulte Assistenten sollen dabei zu Patienten fahren, Daten erfassen und auf Wunsch den Arzt per Video-Chat zuschalten können. „Mein Ziel ist, dass wir Anfang 2020 den Startschuss dafür geben“, sagt Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) im Interview mit unserer Zeitung. Bislang testete das Land die Telemedizin bereits bei Schlaganfällen, Asthma, Herzerkrankungen und psychischen Leiden.

Landesärztekammer-Chef Günther Matheis fordert wiederum bessere Breitbandverbindungen in Rheinland-Pfalz. „Es nützt nichts, von Telemedizin zu sprechen, wenn im Hunsrück ständig die Verbindung abbricht“, sagt der Trierer, der in Berlin vor Tagen eine Konferenz zur „Zukunftsvision Gesundheitspolitik“ besucht hat.

Auch die Pflege wird sich wandeln, bei der im Raum Trier viele Fachkräfte fehlen, die nach Luxemburg abwandern, sagt Anja Braun. Die Morscheiderin hat in einer Master-Arbeit untersucht, wie akzeptiert bei Menschen in der Region die Pflege durch Roboter wäre. Die große Mehrheit wolle nach wie vor von Menschen gepflegt werden und sei besorgt wegen des Datenschutzes, sagt Braun. Wo die Technik aber helfe, länger selbstbestimmt zu leben, werde sie besser akzeptiert.

Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler, sagt, es sei wichtig, den technischen Wandel zu begleiten. Dörfer, Nachbarschaften, Vereine und Politik sieht sie in der Pflicht, diesen nicht in sozialer Isolation münden zu lassen. „Das Gesundheitssystem kann Verein­samung nicht aufhalten“, warnt die Ministerin.

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