2019 sind mehr Firmen in der Region Trier finanziell ins Straucheln geraten.

Konjunktur : Trotz Pleitenanstieg bleibt die regionale Wirtschaft robust

„Miezen“-Insolvenz und Konkurs in der Zeitarbeit: Im vergangenen Jahr sind zwar mehr Firmen finanziell ins Straucheln geraten, doch Sonderfälle verwässern das Bild.

Ein scheinbar widersprüchliches Bild bestimmt derzeit die wirtschaftliche Entwicklung auf Bundesebene und in der Region Trier. Denn deutschlandweit zeigt sich mit 19 410 Firmeninsolvenzen die niedrigste Zahl seit 25 Jahren, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform analysiert hat. In Eifel, Hunsrück und an der Mosel allerdings ist die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Jahr um knapp 24 Prozent angestiegen. Gleichzeitig sind bestimmte Exportbranchen auf Bundesebene von einem sich abzeichnenden Konjunkturtief betroffen, was sich zunehmend in der Insolvenzstatistik bemerkbar macht, während in der Region die Exportbetriebe weniger betroffen sind.

„Die Wirtschaftskraft in der Region ist weiter strukturell gut aufgestellt“, sagt Herbert Eberhard, Chef von Creditreform Trier. In der Region seien vor allem typische Kleinbetriebe in finanzielle Nöte geraten, was zwar insgesamt höhere Zahlen, aber vergleichsweise geringe Arbeitsplatzverluste mit sich gebracht habe. Und so liegt die Zahl der regionalen Firmeninsolvenzen in den vergangenen zwölf Monaten mit 115 um 22 Stück und damit knapp 24 Prozent höher als im Jahr 2018.

Vor allem Kleinbetriebe in der Baubrache, der Gastronomie und im Handel haben Federn gelassen, wie Creditreform festgestellt hat. Dabei ist die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze von 479 im Jahr 2018 auf 1209 im vergangenen Jahr angestiegen. Die verlorengegangenen Umsätze liegen bei 68,7 Millionen Euro 2019 und dabei deutlich niedriger als im Vergleich zu 80,8 Millionen Euro im Vorjahr.

Vor allem in der Stadt Trier gab es eine massive Steigerung der Insolvenzzahlen (plus 95 Prozent auf 41), während „sich die Eifel in den vergangenen Jahren am besten entwickelt hat“, sagt Eberhard.

Dass die Gastronomie stark von Insolvenzen betroffen ist, führt der Auskunftei-Chef auf anhaltende Managementprobleme und verschärfte Kassenpflichten bei Gaststätten und Hotels zurück. „Es sind höhere Investitionen in Software erforderlich, und es ist schwieriger geworden, Schwarzgeld zu machen“, sagt der Experte.

Der Fachkräftemangel mache sich jedoch nicht zusätzlich bemerkbar, da dieser schon lange bestehe und von vielen Gastronomiebetrieben schlichtweg ein weiterer Ruhetag eingeführt worden sei, der zwar den Umsatz senke – aber gleichzeitig auch die Personalkosten. Dass die Zahl der Firmeninsolvenzen in der Region Trier so unterschiedlich zum Bundestrend liegt, führt Herbert Eberhard hauptsächlich auf Sondereffekte zurück. So sind mit der Insolvenz der Zeitarbeitsfirma semmservice in Trier gleich 180 Mitarbeiter arbeitslos geworden, die waren aber größtenteils lediglich in Teilzeit beschäftigt.

Große Arbeitsplatzverluste gab es auch bei der Insolvenz des Zentrum für Sozialpädiatrie und Frühförderung Trier und Zentrum für Erwachsene mit Behinderung Trier mit 140 Mitarbeitern sowie bei der Salmtaler Bäckerei Wilhelm Beicht (45 Mitarbeiter). Eberhard warnt davor, diese „Sonderfälle“ überzubewerten, da „in diesen Betrieben zwar verhältnismäßig viele Menschen beschäftigt waren, aber „viele der Mitarbeiter ,nur’ in Teilzeit, die nun anhand der Zahlen die Statistik verfälschen“, sagt er.

Eine der spektakulärsten Pleiten des vergangenen Jahres betrifft eine der weniger typischen Metiers: die des DJK/MJC Sportmanagement e.V., der Damenhandballmannschaft der „Miezen“. Im April hatte der Verein Insolvenz angemeldet, nachdem die Spielerinnen drei Monate keine Gehälter erhalten hatten. Dadurch wuchs auch der sportliche Druck, denn durch diesen Insolvenzantrag standen die Miezen als Zwangsabsteiger aus der 2. Liga fest. Aber auch sportlich stieg die das Team dann als Tabellenletzter ab. Trotz mehrerer Rettungsversuche wird der Verein DJK/MJC Sportmanagement nun abgewickelt.

Somit passt die Insolvenz der Trierer Handballerinnen in die gestiegene Zahl an Insolvenzen in der Dienstleistungsbranche (plus knapp elf Prozent).