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Aktuelle Trends und Zahlen zum Glücksspiel in Deutschland

 Im Internet locken viele Gelegenheiten zum Zocken. Wichtig für Eltern ist es daher, auf erste Zeichen von Sucht bei Kindern zu achten. Foto: Ulrich Perrey
Im Internet locken viele Gelegenheiten zum Zocken. Wichtig für Eltern ist es daher, auf erste Zeichen von Sucht bei Kindern zu achten. Foto: Ulrich Perrey
In Deutschland sind Glücksspiele weit verbreitet und sehr beliebt. Das belegen öffentlich einzusehende Studienergebnisse der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Die Ergebnisse sagen aus, dass ca. 78 % aller 16-65-Jährigen schon einmal an einem Glücksspiel teilnahmen. Aus der Studie geht auch hervor, dass es vor allem Männer sind, die Erfahrungen mit Glückspielen haben. In der Gruppe der 16 bis 65 Jahre alten Spielteilnehmer befinden sich deutlich mehr männlich als weibliche Teilnehmer. Besonders deutlich wird der Unterschied in der Altersgruppe der 21-25-Jährigen. Hier ist der Anteil der männlichen Spieler um fast 20 % höher als der der weiblichen Spieler. Doch welche Spiele sind es, die Millionen von Menschen in Deutschland zum Glücksspiel motivieren? Welche Umsätze erzielt die Industrie damit? Und welche Nebeneffekte stellen sich ein? Ein kurzer Blick auf einige Zahlen und die aktuelle Situation des Marktes sollen bei der Betrachtung etwas Aufschluss bringen.

Einstieg ins Glücksspiel über staatliche Lotterie

Das Glücksspiel in Deutschland besitzt viele Facetten. Für Neulinge stehen dabei vor allem die staatlichen Lotterien als Einstiegserfahrung an erster Stelle. Der Lotto-Tipp 6 aus 49 und die Glücksspirale sind die anerkannten, großen Glücksspiele unserer Gesellschaft. An ihnen kommt man kaum vorbei. Mit viel Marketing und Werbung werden für die Gesellschaften des Deutschen Lotto- und Totoblocks ganzjährlich eifrig Spieler geworben. Das Lotto 6 aus 49 rangiert bei den Deutschen an der Spitze der beliebtesten Glücksspiele. Demnach haben 58 % aller 16-65-Jährigen Bürger und Bürgerinnen Deutschlands mindestens schon einmal das Tipp-System 6 aus 49 ausprobiert. In der Rangliste der populärsten Glückspiele schließen sich dann die Spiele der Sofortlotterien mit Rubbellosen und Aufreisslosen an, hier haben 41 % der genannten Gruppe schon einmal mitgemacht, gefolgt von der bekannten Auslosungen Spiel 77 und Super 6 mit 31 % Anteil.

Hohe Umsätze beim Glücksspiel in Deutschland

Mit dem gesamten Glücksspieleangebot in Deutschland erzielt der Glücksspielemarkt Milliardenumsätze. Der Umsatz lag im Jahr 2012 bereits bei 33,11 Milliarden Euro und steigerte sich in den beiden darauffolgenden Jahren, laut Statista, auf 34, 69 Milliarden Euro. Betrachtet man dabei z. B. die Entwicklung bei den Sportwetten, so stieg dort der Umsatz von 3,46 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 4,51 Milliarden Euro im Jahr 2013 an. In den Folgejahren waren es dort dann bereits 4,81 Milliarden Euro und in 2016 ca. 5,12 Milliarden Euro, was Zahlen von Goldmedia aus Berlin belegen. Insgesamt hält der Trend Glücksspiel also an und beschert auch im Bereich der Online Casinos weitere Umsatzzuwächse.

Umsätze der Glücksspielindustrie steigen auch bei Onlinespielen

Deutliche Umsatzzuwächse werden im Bereich der Onlinespiele verzeichnet. Einem Kurzbericht des IFT Zugfolge, sei die Zahl der verfügbaren Online-Glücksspielautomaten in Deutschland von 2012 bis 2014 um ca. 46% gestiegen. Auch hier zeigt der Trend nach oben, denn durch die Spieloption am eigenen PC von zu Hause aus, dem ständig steigenden Angebot von unterschiedlichen Spielen und der permanenten Verfügbarkeit der Online-Spiel-Plattformen, steigt die Zahl der Spieler in diesem Bereich ebenfalls Jahr für Jahr an. Dafür sorgen zahlreiche Anbieter von Onlinespielen wie z. B. Captain Cooks Casino und andere Plattformen. Im Jahr 2012 soll der Bruttospielertrag bei Online-Glücksspielen bereits 1 Milliarde Euro betragen haben, was Goldmedia in einer Analysestudie des Glückspielmarktes in Deutschland angab.

Hoher Spieleranteil an Onlinespielen in Deutschland und Europa

Im Bereich des Online-Pokerspiels sollen darüber hinaus im Jahr 2013 ca. 357.322 aktive Spieler registriert worden sein, was rund 8 % des gesamten Weltmarktes entspricht. Auf dieses Ergebnis kamen die Hamburger Wissenschaftler Ingo Fiedler und seine Kollegin Ann-Christin Wilcke. Der Trend, der sich in Deutschland bzgl. der Teilnahme am Markt für Onlinespiele zeigt, ist auch europaweit zu erkennen. Die EU-Kommission schätzt dabei die Zahl der Europäer, die sich via Internet mit Glücksspielen beschäftigen, auf ca. 7,0 Millionen Spieler, was einem Anteil von knapp 45 % des weltweiten Online-Glücksspielmarktes entspricht.

Geldspielautomaten im Umsatzvergleich an der Spitze

Spielbanken bei Umsatzentwicklung im Abwärtstrend

Der Bereich Online-Spiele entwickelt sich beständig. Durch die vielen privaten Anbieter in diesem Segment, sind genaue Zahlen hier nur bedingt ermittelbar. Fakt ist, dass die Umsätze der traditionellen Spielbanken seit 2005 deutlich zurückgegangen sind. Waren es dort im Jahr 2005 noch 10,58 Milliarden Euro, die erzielt wurden, kamen die klassischen Casinos bzw. Spielbanken 2014 nur auf 5,6 Milliarden Euro Umsatz. Im Vergleich dazu sind die Umsätze bei den Geldspielautomaten von 5,88 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 20,52 Milliarden Euro im Jahr 2014 laut Statista angestiegen. Der Trend zeigt auch in diesem Bereich nach oben.

Nebeneffekt: Glücksspielproblematik

Hohe Umsatzzahlen mit guten Prognosen für den Glücksspielmarkt hinterlassen aber auch deutliche Problematiken bei den Spielern. Krankhaftes Spielverhalten, das sich negativ auf das soziale Umfeld und die eigene Psyche auswirkt, sind nur zwei der Nebeneffekte, die exzessives Glückspiel mit sich bringt. Mehr als 360.000 Menschen zeigen in Deutschland ein problematisches Spielverhalten, fast 440.000 Menschen sind in Deutschland pathologische Spieler. Verantwortlich dafür sind in hohem Maße die Automatenspiele.

Das Glücksspiel hinterlässt auch markante Schuldenstände. So haben ca. 17 % der Spieler, die wegen einer Spielsuch behandelt werden, mehr als 25.000 Euro Spielschulden. Zahlreiche pathologische Spieler versuchen unablässig ihre Verluste auszugleichen, was sich in fast allen Fällen als schwieriges bis auswegloses Unterfangen darstellt. Der soziale Abstieg ist dabei oft vorprogrammiert. Positive Aspekte ergeben sich hier allerdings auch, denn die Beratungen und ambulanten Behandlungen von pathologischen Spielern erweisen sich oft als erfolgreich.