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Arbeitsagentur hat eine Welle an Kurzarbeitergeld-Anzeigen zu bearbeiten

Wirtschaft in Corona-Zeiten : Welle an Anträgen für Kurzarbeit - „Firmen tun alles, ihre Mitarbeiter zu halten“

Routinemäßig stellt die Arbeitsagentur Ende des Monats ihre Arbeitslosenstatistik vor. Doch diesmal sind die Zahlen angesichts der Corona-Krise Makulatur. Mehr sagt indes die Situation bei der Kurzarbeit aus.

Angesichts der schwierigen Lage für die regionale Wirtschaft hat Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Trier, dennoch eine positive Nachricht: „Die Firmen tun alles, um ihre Mitarbeiter zu halten. Und wir als Arbeitsagentur werden alles tun, um sie dabei zu unterstützen.“

Derzeit läuft bei den Arbeitsagenturen in ganz Deutschland eine Welle von Kurzarbeitergeld-Anzeigen auf. Angesichts der massiven Beschränkungen wegen der Corona-Krise haben inzwischen 470 000 Unternehmen in Deutschland Kurzarbeit angezeigt. Darunter seien neben dem produzierenden Gewerbe auch viele Unternehmen aus dem Gastgewerbe und dem Handel, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am Dienstag in Berlin. Wie viele Beschäftigte davon insgesamt betroffen seien, lasse sich noch nicht seriös sagen. Es sei aber davon auszugehen, dass es deutlich mehr werden als zu den Spitzenzeiten bei der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 mit rund 1,4 Millionen.

In der Region Trier sind bis Ende der vergangenen Woche 3000 Anzeigen eingegangen. Stefanie Adam: „Im Monatsdurchschnitt 2019 waren es gerade einmal fünf Anzeigen je Monat.“ Von den bisher eingegangenen Anzeigen der regionalen Unternehmen sind bereits ein Drittel positiv bescheinigt, erklärt die Geschäftsführerin. „Es gab aber so gut wie keine Absagen“, fügt sie an.

„Um die Zahl der Bewilligungen zu erhöhen, haben wir die Zahl der Mitarbeitenden in den verantwortlichen Teams vervierfacht“, betont Adam. Sie bittet aber Arbeitgeber um Verständnis dafür, dass es zu Wartezeiten kommen kann. Das Prozedere bei der Kurzarbeit läuft über die Schritte Anzeigen, Abrechnung, Auszahlung ab. Bisher haben die Unternehmen Kurzarbeit angezeigt. „Damit können wir noch nicht sagen, wie viele Beschäftigte davon betroffen sind“, so die Arbeitsagentur-Geschäftsführerin. Die Unternehmen müssen auch bei der Auszahlung des Kurzarbeitergeldes zunächst in Vorleistung gehen. In einem zweiten Schritt, der Abrechnung, geht es dann darum, genau zu hinterlegen, wie viele Mitarbeiter in welchem Umfang in Kurzarbeit gewesen sind. Vorerst muss die Arbeitsagentur aber die Anzeigenwelle bewältigen. „Wir haben dafür unser gesamtes Team umgestellt.“ Wenn es – aus technischen Gründen – zu Verzögerungen käme oder kein Kontakt zustandekomme, werde doch jeder Antragssteller zurückgerufen. Weil für viele Betriebe die Anzeige zur Kurzarbeit Neuland sei, gebe es häufiger noch Rückfragen oder Verständnisprobleme. „Per Online-Anzeige  funktioniert der Antrag meist reibungslos. Die Angaben müssen aber auch absolut stimmen.“ Schwieriger sei es per Fax, Post oder E-Mail. Dabei ist es egal, für welchen Zeitraum die Kurzarbeit beantragt wurde, es wird immer monatlich bewertet. Insgesamt kann die Kurzarbeit in einem Betrieb zwölf Monate laufen.

Hilfestellung bekommen Antragssteller aber auch im Netz: In kürzester Zeit sind die Online-Angebote der Agentur für Arbeit umgestellt und erweitert worden. Anträge, Erklär-Videos, Fragen und Antworten zu allen Themen finden sich auf neuen Sonderseiten und www.arbeitsagentur.de

Rechnet die Arbeitsagentur nach der Kurzarbeiterwelle dann in einigen Wochen mit einer Entlassungswelle? Auch in dieser Frage ist Stefanie Adam vorsichtig optimistisch: „Davon ist derzeit nicht auszugehen. Der Wille der heimischen Unternehmen, die Mitarbeiter im Betrieb zu halten, ist klar erkennbar. Zunächst geht es darum, die Krise jetzt zu überstehen und dann mit den Mitarbeitern neu zu starten.“