Ausbildungsmesse in Bitburg: 60 Betriebe stellen sich vor. Azubi-Bedarf steigt.

Ausbildung : Jeder Azubi wird für Betriebe immer wichtiger

Das Ringen um die Fachkräfte von morgen wird immer härter. Bei der Ausbildungsmesse „Dein Tag, Deine Chance“ in Bitburg wird deutlich: Jedes Bewerbergespräch ist wichtig, denn immer weniger junge Leute stehen der Wirtschaft zur Verfügung.

Mit der Teilnahme an der Ausbildungsmesse „Dein Tag, Deine Chance“ in der Bitburger Stadthalle betritt Malermeister Sebastian Peters aus Badem (Eifelkreis Bitburg-Prüm) Neuland. „Ich bin positiv überrascht, denn ich führe hier viele gute Gespräche mit Jugendlichen, die echtes Interesse an einer Ausbildung bei mir haben“, sagt Peters, der derzeit einen Azubi bei zwölf Mitarbeitern beschäftigt. „Wenn ich aus der Teilnahme hier einen neuen Azubi gewinne, dann war die Messe ein Erfolg“, sagt der Handwerker.

So wie ihm geht es vielen der rund 60 heimischen Betriebe, die ihre Ausbildungsinhalte aus dem Handwerk, dem Handel, der Industrie und der Dienstleistungsbranche bei der 14. Auflage von „Dein Tag, Deine Chance“ des Ausbildungsnetzwerkes von Arbeitsagentur, der Handwerkskammer (HWK) Trier, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier und dem Trierischen Volksfreund vorstellen. „Für die Firmen wird es immer wichtiger, selbst auf die jungen Leute zuzugehen und auf ihre Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen“, sagt Isabel Juchem von der Arbeitsagentur Trier. Dann können die Jugendlichen selbst entdecken, welche Arbeitsmarktchancen sie gleich vor ihrer Haustür haben“, sagt sie. 

Angesichts eines wachsenden Arbeitskräfte- und Azubibedarfs sind die rund 300 jugendlichen Messebesucher begehrte Ansprechpartner. „Es gibt viele Betriebe, die noch Lehrlinge für dieses Jahr suchen“, weiß Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der IHK Trier. Folglich wüssten auch immer mehr Unternehmer, dass sie auf die Jugendlichen zugehen müssten, um für die Fachkräfte der Zukunft zu werben.

Die jungen Messebesucher sind laut der IHK-Mitarbeiterin für die passgenaue Besetzung für Lehrstellen, Petra Scholz, bestens vorbereitet: „Auch wenn viele noch nicht so genau wissen, welchen Beruf sie einmal erlernen möchten, sagen gerade viele Elftklässler, dass sie erst mal eine Ausbildung und kein Studium machen wollen.“

Einen Trend zurück zur betrieblichen Ausbildung kann auch Carl-Ludwig Centner, HWK-Geschäftsführer und zuständig für Ausbildung, bestätigen. So weist die Kammer aktuell mit 1237 neuen Lehrlingen zu Ausbildungsbeginn 2018 leicht mehr auf als in den Jahren zuvor. Besonders auffällig: Gerade die Zahl der Azubis mit Realschulabschluss, Hochschul- oder Fachhochschulreife hat zugenommen. „Von einer Kehrtwende zu sprechen, ist vielleicht verfrüht, aber die duale Ausbildung hat wieder zu ihrem wahren Wert gefunden“, sagt er.

Dass viele Unternehmen in der Region Trier dafür bereits einiges tun, zeigt das Beispiel der Justizvollzugsanstalt in Wittlich mit ihren 360 Mitarbeitern. „Unsere Ansprüche haben sich deutlich verändert“, sagt Personalleiter Hans-Joachim Weiler. „Unsere Strategie der Personalgewinnung setzt schon fünf Jahre im Voraus an, und wenn sich dann einer passend bewirbt, reicht uns das.“ Die Ausbildungsmesse sei dazu ein „Top-Event, und wer hierhin kommt, der wurde nicht durch die Schule vorgeschickt. Auch wenn es nicht die Masse an Besuchern ist, die Qualität des Gesprächs entscheidet“, so Weiler.

Auch Frank Sungen des Logistikers DHL Freight aus Sehlem ist zufrieden mit der Messeresonanz. Besonders das Speed-Dating mit fünfminütigen kurzen Bewerbungsgesprächen mit den Personalchefs war erfolgreich: „Wir haben noch zwei Ausbildungsplätze in diesem Jahr frei. Beim Speed-Dating hatten wir drei Gespräche – und drei konkrete Bewerbungen. Das sieht sehr gut für uns und die jungen Leute aus.“

Maurice Faber. Foto: Sabine Schwadorf
Vivien Hellström. Foto: Sabine Schwadorf
Andreas Warnecke. Foto: Sabine Schwadorf

Ob die Schornsteinfeger-Innung Trier Glück mit der Gewinnung neuer Lehrlinge haben wird, ist noch unklar. Denn: „Noch sind wir mit 17 Lehrlingen die Innung mit dem besten Ausbildungsstand. Aber unsere 62 Kehrbezirke in der Region sind im Umbruch und Kleinstbetriebe mit meist einem Mitarbeiter“, schildert Schornsteinfeger-Obermeister Klaus Kwiatkowski aus Mettendorf die Lage. Deshalb sei es wichtig, bei der Ausbildungsmesse Flagge zu zeigen und auf sich aufmerksam zu machen. Und wenn es mit einem Glücksbringer in Form eines kleinen Schornsteinfegers ist.

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