Bafin erstattet Anzeige im Fall Wirecard

Kursabsturz beim Zahlungsabwickler : Bafin erstattet Anzeige im Fall Wirecard

Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München geht es offenbar um Journalisten und Investoren. Ob das bestehende Leerverkaufsverbot am Donnerstag um Mitternacht endet, war am Mittwoch noch offen.

Im Fall Wirecard hat die Finanzaufsicht Bafin nachgelegt. Auf Grund detaillierter Verdachtsmomente hat sie einen Fall an die Staatsanwaltschaft in München übergeben. „Wir haben Anzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation in Form einer Short Attacke in Aktien der Wirecard AG erstattet“, sagte eine Behördensprecherin. Bei einer Short-Attacke versuchen Investoren, durch gezielt verbreitete Informationen Aktienkurse in den Keller zu treiben. Wenn sie vorher auf fallende Kurse gewettet haben, profitieren sie vom Kursverfall.

Genau das ist möglicherweise bei Wirecard-Aktien geschehen. Es hat mehrfach negative Berichte vor allem in der Financial Times (FT) über Wirecard gegeben. In deren Folge ist der Kurs der Aktien stark gefallen; zeitweise verlor das Unter nehmen rund fünf Milliarden Euro an Börsenwert. Wie die Bafin betonte, dauern andere ihrer Untersuchungen wegen möglicher Marktmanipulationen im Fall Wirecard noch an .Im Zuge der jüngsten Kursschwankungen bei Wirecard hatte die Bafin zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Leerverkaufsverbot für eine einzelne Aktie erlassen. Dieses Verbot läuft am Donnerstag um Mitternacht aus. Ob es verlängert wird, wollte die Behörde am Mittwoch auf Anfrage nicht verraten.

Seit Monaten untersuchen die Finanzaufseher den Fall des Zahlungsabwicklers. Auch die Staatsanwaltschaft München ist bereits vorher dem Verdacht nachgegangen, dass illegale Kursmanipulationen für den zeitweise drastischen Kursverfall verantwortlich gewesen sein könnten. Nun richten sich die Ermittlungen offenbar gegen Journalisten und Investoren. Die Staatsanwaltschaft München erklärte, es bestehe der Verdacht, dass mehrere Personen mit verteilten Aufgaben den Aktienkurs manipuliert hätten. Namen wollten beide Behörden nicht nennen.

In den Berichten ging es um die Wirecard-Filiale in Singapur. Dort hat es Unregelmäßigkeiten gegeben; das hat Wirecard eingeräumt. Allerdings habe man die Vorfälle von einer externen Rechtsanwaltskanzlei überprüfen lassen, und die habe keine schweren Vergehen feststellen können, nur kleinere Unregelmäßigkeiten, erklärte das Unternehmen. Deswegen erstattete der Online-Zahlungsdienstleister bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Markmanipulation. Die FT ihrerseits weist den Verdacht der Markmanipulation scharf zurück. Angeblich hat aber ein Börsenhändler, der auf fallende Kurse spezialisiert ist, in München ausgesagt, er sei vorher über die Erscheinungstermine der Artikel informiert gewesen.

Mehr Klarheit könnte es in der Woche nach Ostern geben. Denn Wirecard hat seine Bilanzpressekonferenz auf den 25. April verschoben. Grund: einige nach Ansicht des Unternehmens kleinere Korrekturen in der Bilanz nach der Überprüfung in Singapur.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Wirecard möglicherweise Opfer von Spekulanten ist. Vor rund zehn Jahren hatte der Chef der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei Wirecard geäußert. Im Nachhinein kam heraus, dass er auf einen fallenden Kurs des Unternehmens gewettet hatte. Er wurde wegen Marktmanipulation verurteilt. 2016 erschien ein langer Report eines Analystenhauses namens „Zatarra“. Auch darin ging es um angebliche kriminelle Machenschaften bei Wirecard. Gegen den Herausgeber des Reports, den Briten Fraser Perring, hat die Staatsanwaltschaft in München mittlerweile Strafbefehl erlassen – wegen Marktmanipulation.

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