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Bundesweit einmaliges Ausbildungskonzept für die Gastrobranche der Region.

Ausbildung : Nur zufriedene Kunden reichen nicht

Begeisterung für eine Ausbildung in der Hotellerie und Gastronomie: Das will das bundesweit wohl einmalige Ausbildungskonzept der Hoganext-Kampagne der IHK Trier. In der nächsten Runde gibt es für junge Leute Fachwissen aus der Praxis wie Grill-Workshops und Champagner-Schulungen.

Als Ondrej Novotny mit seinen rund 20 Auszubildenden der Hotellerie- und Gastrobranche auf die Fahrräder steigt, ahnt noch niemand der Azubis, wohin die Reise geht. Doch als sie an einer Schafsweide anhalten, wird klar. Die angehenden Restaurantfachleute, Köche und Hotelkaufleute sollen wissen und erfahren, woher die Zutaten kommen, die sie verarbeiten oder die sie dem Gast am gedeckten Tisch servieren. Im Gespräch mit dem Schäfer wird dann schnell klar, wie Schafe ihr Fleisch ausprägen, was sie gesund hält und wie sich das auf Zubereitung und Speise auswirkt. „Ich brauche Leute in der Branche mit Begeisterung“, sagt der Experte für Hotellerie und Gastronomie. „Der Gast muss von uns unserer Leistung so verblüfft sein, dass er nicht mehr weg möchte. Zufriedenheit allein reicht mir nicht.“

Novotny hat die Branche von der Pieke auf kennengelernt. Über viele Jahre machte er die Orangerie des Nells Park Hotels Trier als Bankettleiter mit rund 600 Hochzeiten und Events bekannt. Später wurde er dort Hoteldirektor. Seit 2018 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Zadra Gruppe Zweibrücken mit fünf Häusern und verantwortlich für Personalführung, Führungskräfteentwicklung und das Ausbildungskonzept.

Und nun ist er Projektleiter für das neue Ausbildungskonzept der Hoganext-Kampagne der Trierer Industrie- und Handelskammer (IHK). Mit diesem wohl bundesweit einmaligen Konzept werden Novotny, die ausarbeitende Agentur für Unternehmensentwicklung, Denkneu, aus Trier und die Kammer erstmals Auszubildende mehrerer Betriebe aus der Region Trier miteinander vernetzen und ihnen Fortbildungen zu Schwerpunktthemen anbieten. Zudem werden die Ausbilder selbst weitergebildet, um sich in der Branche herauszuheben. „Unsere Ziele sind klar: Wir erhoffen und qualifiziertere Azubis, eine geringere Abbruchquote in der Branche, einen Imagegewinn für die teilnehmenden Betriebe, eine höhere Bewerberzahl und ein stärkeres Netzwerk zwischen den Betrieben“, sagt Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der IHK Trier und Initiator von Hoganext.

Bereits im Herbst 2018 ist die Kampagne Hoganext mit rund 50 Teilnehmern gestartet. Nach der Schulung von Betriebsinhabern und der Entwicklung von Marketingstrategien und Tipps zur Fachkräftegewinnung kommt von den bislang teilnehmenden Restaurants und Hotels aus der Region der Wunsch nach noch größerer Vernetzung – und zwar in der Ausbildung.

„Hoganext öffnet Türen und gibt den Betrieben die Chance, ihren Azubis die Teilnahme an einem qualitativ hochwertigen Fortbildungsangebot zu ermöglichen“, sagt Schneider. Dazu gehören Fachschulungen zu den Themen Fleisch und Fisch, spezielle Seminare zu Champagner und Cocktails, Einweisung in die Technik der Küche 4.0 sowie ein eigener Azubi-Wein. „Junge Leute sollen wissen, woher die von ihnen verarbeiteten Produkte kommen, wie die Lieferkette aussieht, wer ihre Ansprechpartner sind – alles, was ein kleiner Betrieb allein nicht stemmen kann“, sagt IHK-Mitarbeiterin Anne Morbach. Hinzukomme eine Vernetzung der Betriebe untereinander.

Die profitieren neben ihrem besser qualifizierten Personal zusätzlich von der Teilnahme am Hoganext-Projekt: „Nach außen können die Restaurants und Hotels mit einem eigenen Siegel werben, das sie von anderen abhebt“, sagt IHK-Geschäftsführer Schneider. Zudem würden die vor Ort und per Videokonferenz beim Unternehmensmarketing unterstützt.

Dass Hoganext für die Branche ein Wegbereiter ist, zeigt die Resonanz: In ganz Rheinland-Pfalz wird die Trierer Idee inzwischen umgesetzt, das Ausbildungskonzept ist bislang ein einmaliges Pilotprojekt mit Start Anfang 2020. „Wir sehen das positiv, geht es ja letztlich um das Image der Branche und der Berufe“, sagt Ulrich Schneider.

Und mit der Unterstützung durch die Nikolaus Koch Stiftung Trier, die unter anderem Aus- und Fortbildungsprojekte in der Region unterstützt, sind die Kosten für die Ausbilder mit 50 Euro im Monat pro Teilnehmer überschaubar. „Die Seminare sind nicht personengebunden, sondern Betriebe können auch mehrere Azubis abwechselnd schicken, so dass mehrere gleichzeitig profitieren“, erklärt Anne Morbach.

Den Erfolg eines Ausbildungskonzepts kann Ondrej Novotny an den Azubizahlen seines Arbeitgebers in Zweibrücken ablesen: Als er vor zwei Jahren dort seinen Dienst antritt, sind es drei Lehrlinge, inzwischen sind es 25. „Entscheidend ist die eigene Begeisterung, aber der Markt ist auch hart und umkämpft.“ Für kleinere Betriebe gehe es nur mit Kooperation: „Diese haben meist nicht die Manpower, ein eigenes Konzept auf die Beine zu stellen und dieses umzusetzen.“

Wer Interesse hat, als Auszubildender im Hotel- und Gastgewerbe oder als Ausbildungsbetrieb mit seinen Lehrlingen beim Ausbildungskonzept Hoganext der IHK mitzumachen, wendet sich bis zum Freitag, 20. Dezember, an die IHK Trier, Anne Morbach, Telefon 0651-9777-240 oder per E-Mail an morbach@trier.ihk.de.