Darum ist für den Logistik-Riesen DHL ist der Standort Sehlem ganz wichtig.

Logistik : „Bedeutung des Standorts Sehlem ist groß“

In Sehlem (Kreis Bernkastel-Wittlich) hat das Logistikunternehmen DHL Freight zwar einen seiner kleineren Standorte in Deutschland. Der ist derzeit im Aufschwung – auch dank seiner Lage und der Teilnahme an einem Pilotprojekt.

Dass Fußballfan Uwe Brinks an diesem Wochenende im Trierer Moselstadion weilte, hatte er seinen kickenden Mitarbeitern von DHL Freight in Sehlem (Kreis Bernkastel-Wittlich) zu verdanken. Die waren im Vorjahr Europa-Turniersieger der DHL Freight geworden und durften nun das Turnier für über 50 Mannschaften und fast 2000 Spieler aus ganz Europa ausrichten — und verteidigten vor den Augen des DHL Freight Chefs ihren Titel gegen eine schwedische DHL-Auswahl. Am Rande des Fußballturniers äußerte sich der 54-jährige Brinks, Chef von über 13 000 Mitarbeitern in Europa, im TV-Interview zur schwierigen Suche nach LKW-Fahrern, speziell weiblichen, dem Standort Sehlem, dem Klimaschutz und weiteren Herausforderungen der Logistikbranche.

Wie wichtig ist es für Sie als Europachef und Fußballfan, beim großen Fußballturnier dabei zu sein?

Brinks: In allen Sparten der Deutschen Post DHL Group haben diese Fußballturniere eine lange Tradition, mit DHL Freight waren wir schon in den ehemaligen Erstligastadien von Hamburg und Duisburg, jetzt hier in Trier, wo das Turnier toll organisiert wurde. Ich finde es toll, dass es solche Turniere gibt.

Welche Bedeutung hat der Standort Sehlem für die Landfrachtsparte der DHL?

Brinks: Es ist zwar ein kleiner Standort unter den insgesamt 25 Terminals in ganz Deutschland, aber die Bedeutung ist groß, denn durch Sehlem haben wir eine wichtige Wirtschaftsregion direkt angegliedert, die nächsten Terminals sind in Koblenz und Saarbrücken. Hier kommen alle Waren aus der Region und für die Region an, die dann weitertransportiert werden, daher ist es ein wichtiger Punkt in unserem Netzwerk. Die Region Trier hat im gesamten Post-Konzern eine hohe und lange Präsenz, daher wind wir als Frachtsparte froh, dass wir den Standort haben.

Hat Sehlem eine rosige Zukunft?

Brinks: DHL Freight ist im Wachstum begriffen, und auch das Aufkommen am Standort Sehlem wächst immer weiter. In diesem Sinne fühlen wir uns hier sehr wohl.

DHL hat gerade das Pilotprojekt „Fahrerinitiative“ gestartet, mit dem neue Fahrer gesucht werden, denen hochmoderne und umweltfreundliche LKW zur Verfügung gestellt werden. Warum wurde unter anderem Sehlem für dieses Pilotprojekt ausgewählt?

Brinks: Sehlem liegt in der sogenannten Central Area. Und die Fahrerinitiative wird von unserem Hauptsitz Maintal bei Frankfurt betreut, der ebenfalls in diesem Bereich liegt. In Sehlem haben wir fünf neue Fahrer eingestellt, die in den neuen LKW eingesetzt werden, die nicht nur umweltfreundlich sind, sondern auch über den Abbiege-Assistenten verfügen, der Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern vermeiden soll. Insgesamt haben wir dank des Projekts 50 neue Fahrer einstellen können. Uns liegt auch am Herzen, mehr Frauen für diesen Job zu begeistern, denn alleine in Deutschland fehlen der gesamten Branche 45 000 Fahrer, in Europa sind es 150 000 Fahrer, da wollen wir natürlich das Potenzial von Frauen nutzen, wir wollen schon Mädels für die Logistik begeistern. Es passt ja dazu, dass beim Fußballturnier in Trier sechs reine Frauenmannschaften aus ganz Europa am Start waren.

Warum wird es immer schwieriger, LKW-Fahrer zu finden – und welche Maßnahme hat DHL ergriffen?

Brinks: In der Region Trier waren wir zum Beispiel bei den vergangenen Ausbildungsmessen von Volksfreund, HWK, IHK und Agentur für Arbeit vertreten. Dort haben wir die breite Palette unserer Ausbildungsberufe präsentiert – vom Speditionskaufmann und Disponenten hin zu IT- und Personalexperten. Mit der Fahrerinitiative wollen wir den spannenden Mix des Berufs aufzeigen: Die neuen Fahrer im Nahverkehr sind auch Disponenten, damit sorgen wir für qualifizierte Arbeitsabläufe und können einen attraktiven Job anbieten.

Der Standort Sehlem ist auch für Luxemburg zuständig. Wird diese grenzüberschreitende Logistik wachsen, gerade vor dem Hintergrund, dass Logistik zu den aufstrebenden Branchen in Luxemburg zählt?

Brinks: Wenn die Logistik in Luxemburg wächst, ist das gut für uns, denn wir sind dank Sehlem quasi an der Tür zu Luxemburg. Allerdings gibt es in Luxemburg wenig große Industrie und Produktionsgewerbe, die unsere Hauptkunden sind, sondern viel Mittelstand und Dienstleistungen wie die Finanzbranche.

Inwieweit bekommt bei DHL Freight der Klimaschutz eine größere Bedeutung, läuft der Weg hin zu CO2-neutralen Transporten wie bei der gelben Post?

Brinks: Als eines der weltgrößten Logistik-Unternehmen stellen wir uns der Verpflichtung zum Klimaschutz, und wir testen alternative Antriebsformen wie einen LNG-gasbetriebenen LKW oder LKW mit Elektromotor. Die Fahrzeuge unserer Fahrerinitiative verfügen über Solarmatten auf den Dächern, mit denen der Strom für die Klimaanlagen CO2-neutral produziert wird. Daneben arbeiten wir mit aerodynamischen Trucks, und alle neuen Gebäude verfügen über Photovoltaik oder Solaranlagen. Auf drei deutschen Autobahnteilstrecken wird ein Testlauf mit Oberleitungs-LKW gestartet. Ferner sehen wir die Zukunft im Platooning, also einem System, in dem Fahrzeuge in kurzem Abstand hintereinander fahren und von einer elektronischen Deichsel gesteuert werden. Das geht schon in die Richtung autonomes Fahren. Weitere Punkte des Klimaschutzes sind der Masterplan Schiene der Bundesregierung, um mehr Fracht auf diesem Weg zu transportieren, und als primäres Ziel, den CO2-Ausstoß massiv zu reduzieren. Ende 2017 haben wir uns mit unserer Mission 2050 das Ziel gesetzt, alle logistikbezogenen Emissionen bis 2050 netto auf null zu reduzieren. Bis zum Jahr 2025 wird unsere Gruppe die CO2-Effizienz ihrer eigenen Aktivitäten und unserer Partner weltweit um 50 Prozent gegenüber 2007 steigern.

Was sind neben Fachkräftemangel und Klimaschutz die größten Herausforderung der Logistikbranche?

Brinks: Das ist einerseits die immer wichtiger werdende Digitalisierung und das gesamte Thema Infrastruktur. Das Niedrigwasser im Rhein und der Einsturz des Rastatter Bahntunnels haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie wichtig die Infrastruktur ist. Straßen sind als Verkehrswege für uns genauso wichtig wie Bahntrassen oder Wasserstraßen. Und dann gibt es gesetzliche Hürden. Warum gibt es im vereinten Europa keine einheitliche LKW-Maut, die alle Unternehmen einheitlich einpreisen können? Oder die EU-Richtlinie, dass LKW-Fahrer nicht mehr in ihren Kabinen schlafen und das Wochenende in ihrer Heimat verbringen sollen. Dann müssen auch erst einmal so viele Übernachtungsmöglichkeiten an der Autobahn geschaffen werden. Inwieweit diese dann tatsächlich von den Fahrern angenommen werden, ist dann noch einmal eine ganz andere Frage. Man muss zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung eine Balance finden.

Und was ist mit dem Brexit?

Brinks: Durch den werden mehr LKW und mehr Fahrer gebunden, denn die neuen Formalitäten werden viel Zeit kosten, die Standzeiten werden länger und die Standkapazitäten weder in Dover noch in Calais werden ausreichen. Es kostet mehr und dauert länger, ohne dass es für diesen größeren Aufwand irgendeinen Mehrwert gibt.

Mit Uwe Brinks sprach Björn Pazen

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