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Das Startup Regiocart vernetzt Lebensmittellieferanten und Kunden

Existenzgründer : Lebensmittel-Lieferung per App

Das Startup Regiocart vernetzt Lebensmittellieferanten und Kunden und bekommt eine ungeahnte Relevanz in dieser Zeit.

Eigentlich sind Michael Steffen (30) und Yannik van Breen (26) mit ihrem Startup Regiocart noch gar nicht startbereit. Doch wegen des Corona-Virus haben sie sich entschieden, eine Facebookgruppe ins Lebens zu rufen, die die Organisation von Lebensmittel-Lieferungen in Trier unterstützen soll. Sie heißt: „Lebensmittel Lieferdienste Region Trier“. Jeder Lebensmittelerzeuger und jedes Lebensmittelfachgeschäft hat dort die Möglichkeit, unkompliziert eine Lieferfahrt mit Angabe eines Liefergebietes und eines Zeitfensters und den Kontaktdaten zu veröffentlichen. Steffen und van Breen hoffen dadurch, einen Beitrag zur Versorgung der Region Trier mit Lebensmitteln zu leisten – besonders für Menschen, die nicht in der Lage sind, selber einzukaufen.

Regiocart wird eine Online-Plattform, auf der jeder Lebensmittelerzeuger oder jedes kleine, unabhängige Fachgeschäft seinen eigenen, intuitiv zu bedienenden Online-Shop anlegen kann. „Das Besondere an Regiocart ist, das dieser Online-Shop kein klassischer Versandshop ist, sondern der Shop an ein Landkarten-Tool gekoppelt wird, um in einem regionalen, selbst vom Verkäufer bestimmten Umkreis, Bestellungen zur eigenen Auslieferung entgegennehmen zu können“, sagt Steffen.

Die Kunden sehen auf regiocart.de und in der App alle Anbieter einer Region, welche Lieferfahrten anbieten. „Damit soll auch der regionale Lebensmittelmarkt gestärkt werden“, sagt van Breen. Das Konzept lässt sich vielfältig auf bereits bestehende Konzepte anwenden. So können etwa Winzer, die bereits zu Kunden fahren, ihre Strecken veröffentlichen und Bestellungen von weiteren Kunden annehmen. Bauern können einen Obst- und Gemüsekistenlieferservice anbieten. Der fahrende Eiermann kann direkt zum Kunden liefern. Anbieter auf Wochenmärkten können extra Kunden beliefern. Unternehmen, die aus organisatorischen Gründen bislang nur Gewerbekunden und Gastronomiebetriebe beliefert haben, können ihr Geschäftsfeld auf den privaten Endverbraucher ausweiten. „Wir möchten mit unserer Plattform die Kommunikation zwischen Erzeuger und Endverbrauchern verbessern, da aktuell vielerorts noch Telefonate und Zettel zur Organisation von Kundenfahrten oder andere analoge Vertriebswege genutzt werden“, sagt Steffen. Damit sollen auch neue Zielgruppen von eher altmodisch wirkenden Angeboten erreicht werden. „Ein junger Mensch ruft eher selten bei einem Winzer oder Eiermann für eine Bestellung an“, sagt Steffen, aber mit Regiocart hoffen sie, das zu ändern, „denn im Grunde sind regionale Lebensmittel im Trend und gefragt“. Aber wenn es zu kompliziert würde, diese zu bekommen, gingen die Menschen eben doch zum Supermarkt, sagt van Breen. Michael Steffen und Yannik van Breen haben sich 2018 beim Startup Camp vom Gründungsbüro der Universität Trier und der Wirtschaftsförderung Trier kennengelernt. In Workshops stellten die Teilnehmer ihre Ideen vor und wurden von Mentoren aus der Wirtschaft beraten.

Die Ursprungsidee kam Steffen, weil er schon seit langem für seine Großmutter einkauft. „Es gibt viele Leute, die nicht mehr gut einkaufen gehen können, aber auch nichts geliefert bekommen.“ Steffen und van Breen gingen sehr strukturiert an das Projekt und schauten, wer sie fördern kann. Sie bekamen ein Exist-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums und des Europäischen Sozialfonds für Deutschland. Über dieses erhalten sie ein Jahr lang noch bis Ende April ein Gehalt sowie ein Budget für beispielsweise Sachmittel. Zudem fördert sie das Land Rheinland-Pfalz mit dem Gründungsprogramm „Startup innovativ“, über welches das Wirtschaftsministerium Gründungen bis zum fünften Jahr nach Unternehmensstart mit 10 000 bis 100 000 Euro unterstützt. Und am Innovations- und Gründerzentrum am Petrisberg bekamen die beiden ein mietfreies Büro für ein halbes Jahr zur Verfügung gestellt.

Steffen und van Breen waren auf vielen Messen wie den Agrartagen bei Mainz, den Weinbautagen in Wittlich oder der Fruchtwelt-Messe am Bodensee. Dort stießen sie auf ein positives Feedback. Regiocart startet zwar erst einmal in der Region Trier, lässt sich aber auf ganz Deutschland ausweiten.

Steffen und van Breen verstehen sich als Projektmanager. Sie gründeten eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG), sprachen mit Investoren, schrieben einen Businessplan und kauften Kompetenzen ein. Denn sie wissen, was sie selbst machen können und was nicht. So wird die App und die Website von einer Softwareagentur programmiert. Regiocart soll im zweiten Quartal dieses Jahr online gehen. In der Facebook-Gruppe ist derweil schon einiges los. Der Winzerhof Löwener Mühle, das kalifornische Restaurant Chicano, die Fleischerei Adams, die Craftbeer-Bar Craftprotz, der Lieferservice Flieten Franz: Viele Anbieter werben schon um Kundschaft.