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Der Verband für Energiehandel sieht auch in Zukunft einen Markt für „umweltfreundlichere“ Heizölanlagen

Energie : Hat die Ölheizung eine Zukunft?

Der Verband für Energiehandel sieht auch in Zukunft einen Markt für „umweltfreundlichere“ Heizölanlagen.

Viele Experten sehen in den kommenden Jahren das Aus für Ölheizungen. Der Verband für Energiehandel Südwest-Mitte e.V. sieht das natürlich anders. Mit dem Geschäftsführer des Verbands, Hans-Jürgen Funke, sprach TV-Redakteur Heribert Waschbüsch.

Ölheizungen sind vor allem in ländlichen Gebieten vertreten. Bleibt das so?

Funke: Ölheizungsbesitzer sind nach letzten Umfragen in hohem Maße mit ihrem Heizsystem sehr zufrieden, was zum einen durch die langjährig niedrigen Energiepreise, zum anderen durch ein hohes Maß an Komfort und Effizienz bei modernen Ölheizgeräten bedingt ist. Durch die Möglichkeit der Einbindung erneuerbarer Energien wie Solarthermie, Photovoltaik oder auch Holzheizgeräte werden Ölbrennwertgeräte auch zukünftig speziell im ländlichen Raum, wo es in der Regel keine kostengünstigen sowie umwelt- und klimafreundliche Alternativen gibt, ihre dominante Stellung im Wärmemarkt behalten. Dies umso mehr, je eher es gelingt, auch das Produkt Heizöl zu einem grünen, CO2-freien flüssigen Energieträger umzuwandeln.

Mit dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung gibt es starke Reglementierungen für Ölheizungen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Der ein oder andere Politiker verkündet schon, die Ölheizung hat ausgedient. Wie sehen Sie das?

Funke: Das Klimaschutzprogramm sieht im Einzelnen vor, dass ältere Ölheizungen bis einschließlich 2025 problemlos gegen ein modernes Öl-Brennwertgerät getauscht werden können. Auch ab 2026 ist dies möglich, wenn gleichzeitig erneuerbare Energien mit eingebunden werden, etwa durch die Kombination mit Solarthermie. Da diese Form der Modernisierung nach wie vor die kostengünstigste und auch effizienteste Möglichkeit darstellt, Energie einzusparen und damit auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, wird davon ein Großteil der heutigen Ölheizungsbesitzer sicher Gebrauch machen. Ein generelles Verbot von Ölheizungen steht somit auch nicht zur Diskussion. Von daher werden Ölheizungen auch zukünftig ganz sicher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und einen wichtigen Part im gesamten Wärmemarkt einnehmen. Allerdings wird das Produkt Heizöl zukünftig kein reines mineralisches Produkt mehr sein, sondern es wird entweder durch biogene oder durch synthetische Anteile zunehmend CO2-neutraler werden.

Rund 50 Prozent der rheinland-pfälzischen Ölheizungsanlagen sind älter als 20 Jahre alt. Was raten Sie den Hausbesitzern?

Funke: Ältere Ölheizungen, insbesondere die, die älter als 20 Jahre alt sind, sollten in nächster Zeit durch eine moderne Öl-Brennwertheizung ausgetauscht werden. Das ist zum einen noch immer in der Regel die günstigste Modernisierungsvariante, zum anderen wird dadurch oft 30 Prozent, in Kombination mit erneuerbaren Energien sogar bis zu 50 Prozent Energie und damit auch CO2 eingespart. Die Einbindung von erneuerbaren Komponenten wie die Photovoltaikanlage auf dem Dach kann dabei auch Schritt für Schritt vollzogen werden, so dass nicht gleich die gesamten Investitionskosten für eine sogenannte Hybridlösung anfallen. Da es perspektivisch auch grünes, also synthetisches Öl für die Ölheizung geben dürfte, können die jetzt modernisierten Anlagen zukünftig vermehrt CO2-neutral betrieben werden.

Hybridheizungen auf der einen Seite, synthetisch hergestellte Brennstoffe auf der anderen Seite: welche Chancen sehen Sie damit für ihre Mitglieder?

Funke: Durch den verstärkten Einsatz von Hybridlösungen, aber letztlich auch durch den zunehmenden Einsatz CO2-neutraler flüssiger Brennstoffe gibt es grundsätzlich gute Perspektiven für den Brennstoffhändler auch in Zukunft – vorausgesetzt, das System Ölheizung bleibt auch zukünftig politisch akzeptiert. Dabei muss man auch berücksichtigen, dass ja schon seit längerem ein Wandel vom reinen Brennstoffhändler hin zum modernen Energiehändler stattfindet, so dass durch Diversifizierung viele Mitglieder ihre Geschäftstätigkeit bereits breiter gefächert haben. Nichtsdestotrotz wird sich insgesamt der traditionelle Absatzmarkt in Zukunft weiter verkleinern. Es wird sich eine weitere Marktkonzentration vollziehen. Fazit: Wer sich somit gut an die Entwicklungen des Marktes anpasst, hat auch in Zukunft als Mittelständler durch seine Kundennähe und seine Flexibilität sehr gute Marktchancen.