Deutsche Handwerk-Nationalmannschaft bereitet sich in Kenn auf die WM vor.

Handwerk : Hummels, Müller und Özil? Ach was, Rapp, Bruns und Kiesl!

Die deutsche Handwerk-Nationalmannschaft bereitet sich in Kenn auf die WM vor. Dabei kämpfen sie nicht nur um Gold, sondern auch um Nachwuchs.

Hochkonzentriert mauert Christoph Rapp Stein auf Stein. Er ist gebannt, durch seinen Hörschutz dringen keine Geräusche. Der Blick ist starr auf den nächsten Stein gerichtet. „Da könnte jetzt eine Bombe neben ihm hochgehen, er würde das nicht merken“, scherzt sein Trainer Ralf Schmitz von der Handwerkskammer Trier.

Rapp ist der deutsche Maurer-Vertreter bei den WorldSkills 2019, der Weltmeisterschaft der Handwerker. Vom 22. bis 27. August wird er als Teil eines Teams zusammen mit einem Stuckateur, einem Zimmerer, einem Fliesenleger und zwei Stahlbetonbauern bei der Weltmeisterschaft im russischen Kazan antreten. Seit Montag bereiten er und sein Team sich im Bauhof der Handwerkskammer Trier in Kenn auf den Wettkampf vor. Diese Woche nutzen sie, um ein letztes Mal in der Wettbewerbszeit (22 Stunden) gleichwertige Trainingsaufgaben auf WM-Niveau durchzuführen.

 Rapp kommt aus Schemmerhofen in Baden-Württemberg. Er ist mit seinen 22 Jahren bereits hochdekoriert. 2016 wurde er deutscher Meister und Landessieger, 2018 folgte dann mit dem Europameistertitel das bisherige Highlight der Karriere. Kein Wunder, dass er bereits sehr routiniert und abgeklärt wirkt: „Hier teilzunehmen ist schon cool, aber ich mache mir da kein riesiges Ding draus“, so der Maurer. Wichtig sei, dass er „später auf der Baustelle seine Leistung“ bringe. Sein Ziel für die WM? „Alles geben.“ Dafür muss er einen Entwurf, den er zwei Tage vor dem Wettbewerb erhält, innerhalb der 22 Stunden nachmauern.

Trainiert wird Rapp auch von einem Trierer. Ralf Schmitz, Maurermeister und Co-Trainer der Nationalmannschaft, konzentriert sich besonders auf seinen Zögling. Er unterstreicht, wie viel Arbeit bei den Teilnehmern dahintersteckt: „In der letzten Trainingswoche wird alles andere hintenangestellt – egal ob Hobby oder Freundin.“

Wenn es dann am 22. August in Kazan losgeht, will Deutschlands Handwerk-Elite eine bessere Figur abgeben, als die Kollegen der Fußball-Nationalmannschaft, die am gleichen Ort vor einem Jahr bei der WM in der Gruppenphase ausschied. „Ich fahre nicht nach Russland, um Dritter zu werden“, sagt der rheinland-pfälzische Vertreter Alexander Bruns. Der 22-jährige Zimmerer aus Bad Dürkheim ist wie Teamkollege Rapp ebenfalls schon titelerfahren. 2016 wurde er Landessieger und Zweiter bei den Deutschen Meisterschaften und konnte sich dann 2018 bei der Europameisterschaft durchsetzen. „Das Ziel, der beste Zimmerer der Welt zu werden, spornt mich enorm an“, sagt er, während er mit der Säge kleine Kerben ins Holz schneidet.

Dabei denkt er nicht nur an sich, sondern hat seinen gesamten Beruf im Blick: „Ich trete nicht nur für mich, sondern stellvertretend für alle Zimmerer in Deutschland an.“ Er wirbt auch für die Veranstaltung an sich: „Wenn es ein bisschen mehr Bewusstsein gäbe, dass man mit seinem Handwerk bei internationalen Wettkämpfen mitmachen kann, dann würden vielleicht auch mehr junge Leute früh darauf hinarbeiten.“ Dadurch könne das Handwerk auch für den dringend benötigten Nachwuchs noch interessanter gemacht werden.

Ein Gedanke, der sich auch im Gespräch mit den anderen deutschen Teilnehmern und Trainern wiedererkennen lässt. Sie alle wollen mit ihrem Engagement auch die Wichtigkeit und Vielseitigkeit des Handwerkes unterstreichen. „Wir wollen zeigen, was man alles Tolles erschaffen kann, wenn man mit den Händen arbeitet“, sagt Niklas Beroth (21), der mit Julian Kiesl (20) das Beton- und Stahlbauer-Team bildet. Komplettiert wird die Mannschaft von Stuckateur Tobias Schmider (21) und Fliesenleger Janis Gentner (21).

Beide fokussiert, beide engagiert: Zimmerer Alexander Bruns (links) und Maurer Christoph Rapp (rechts) bereiten sich als Teil der Nationalmannschaft in Kenn auf die WM vor. Foto: Christian Thome

„Ich hoffe, dass wir einige Goldmedaillen gewinnen können“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Alexander Bettendorf. Während er das sagt, mauert Christoph Rapp weiter Stein auf Stein. Hochkonzentriert.

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