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Die besten Gesellen aus Reinland-Pfalz haben sich in zwölf Gewerken in Trier gemessen.

Handwerk : Handwerker im Kampf um den Landessieg

Klappern gehört zum Handwerk: Doch in Corona-Zeiten fällt das schwer, vor allem um neuen Nachwuchs zu bekommen. Der Praktische Leistungswettbewerb des Handwerks auf Landesebene in Trier hat gezeigt: Ein Virus allein kann gute Ideen, Engagement und Leidenschaft für die Gewerke nicht abhalten.

Wenn junge Leute am Samstagmorgen um 9 Uhr antreten, um zu arbeiten, dann geht es um mehr als nur Spaß. „Wenn man eine solche Chance erhält, dann muss man sie ergreifen“, sagt Marius Windhausen, 19 Jahre und diesjähriger Kammersieger der Tischlergesellen in der Region Trier. Die Chance, das ist der Praktische Leistungswettbewerb im Handwerk auf Landesebene, bei dem sich Marius beweisen kann. Der Wettkampf wird in diesem Jahr in zwölf Gewerken für das Land in der Handwerkskammer (HWK) Trier (Elektroniker, Feinwerkmechaniker, Informationselektroniker, Kauffrau für Büromanagement, Kraftfahrzeugmechatroniker, Maler und Lackierer, Metallbauer, Raumausstatter, Tischler) und im Bauhof Kenn (Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Maurer, Zimmerer) ausgetragen. Dazu muss der junge Tischler mit den Kammersiegern aus Mainz, Koblenz und Kaiserslautern um die Wette schleifen, sägen, leimen und schmirgeln, um das geforderte Beistelltischchen in bester Qualität nach nur wenigen Stunden Arbeit zu präsentieren. „Das Handwerk ist meine Leidenschaft. Hier kann ich mich selber beweisen“, sagt der Junghandwerker und legt wieder Hand ans Holz.

Der Ansporn für Marius Windhausen ist groß, könnte der Mitarbeiter der Bitburger Firma Bulbaum doch mit einem Landessieg nicht nur der beste Tischler im Land werden, sondern auch vom 8. bis 11. November im Wettstreit mit allen 16 Siegern aller deutschen Bundesländer in Trier erneut antreten, um sich zu testen.

Um die Wettkampferfahrung reicher ist bereits sein Vorjahreskollege Max Follmann aus Föhren, der den Titel des Landessiegers nur um 0,7 Punkte verpasst hat, zweitbester Tischler von Rheinland-Pfalz wurde und nun den Nachfolgern über die Schuler schaut. „Es war sehr knapp am Ende und auch sehr stressig“, sagt er rückblickend. „Aber der Wettbewerb hat enorm viel Spaß gemacht, weil man hier nicht miteinander, wie in der Berufsschule antritt, sondern gegeneinander. Hier wird nichts verschenkt“, sagt Max Follmann. Und sein Zwillingsbruder Jan, ebenfalls Tischler und inzwischen Meisterschüler, bedauert gar, nicht beim Leistungswettbewerb angetreten zu sein. „Diese Wettkampferfahrung fehlt mir!“

Die fehlt auch Sarah Werhand – und doch darf sich die 27-Jährige bereits zum Landessieg gratulieren lassen. Denn gegen die kammerbeste Fahrzeuglackiererin aus dem Bezirk Trier ist erst gar kein Konkurrent aus Rheinland-Pfalz angetreten, so dass sich die junge Frau gleich auf den Antritt zum Bundesentscheid ab 16. November in Wuppertal vorbereiten kann. „Auch wenn ich hier keinen Wettkampf habe, so werde ich von der Kammer doch gut vorbereitet“, sagt sie. „Denn Sarah wird im Bundesentscheid ein Thema so präsentieren müssen, dass sie sich von anderen abhebt“, sagt Oliver Schäfer von der Handwerkskammer der Pfalz. Digitale Farbabstimmung beim Fahrzeuglack, automatisiertes Mischen – „heute reicht es nicht mehr aus, nur den Kotflügel neu zu lackieren“, sagt der Ausbildungsleiter. Und gerade das reizt Sarah Werhand: „Ich habe zunächst nicht mit der Wettkampfteilnahme gerechnet. Aber ich freue mich darauf, wenn ich gefordert bin und mir eigene Gedanken machen kann“, sagt sie.

Gerade diesen Nachwuchs braucht das Handwerk, ist sich Carl-Ludwig Centner, Geschäftsführer Ausbildung der Handwerkskammer Trier, sicher. Angesichts eines aktuellen Minus von 7,4 Prozent bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen „hilft uns jede Aufmerksamkeit für das Handwerk, junge Leute dafür zu interessieren“, ist er überzeugt. Vor allem in den technischen Berufen sei der Aderlass auch coronabedingt sehr groß. „Hier beim Wettbewerb ist alles echt, nichts ist virtuell, und alle Kollegen hier leben für ihren Beruf und zeigen viel Praxisbezug“, sagt er. Immerhin habe Trier derzeit das bundesweit modernste Technologie- und Bildungszentrum, das er vor wenigen Wochen für rund 44 Millionen Euro fertiggestellt wurde.

Und auch Axel Bettendorf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier, betont die Bedeutung von Handwerk mit Praxisbezug. „Die berufliche Bildung hat derzeit keine Plattform“, bedauert er. Deshalb freue er sich über den Zuschlag Triers, sowohl den Landesentscheid in den zwölf Gewerken als auch den Bundesentscheid der Tischler veranstalten zu dürfen. Auch wenn die Kollegen der Bauberufe bereits kurzfristig ihren Entscheid abgesagt haben, weil das coronabedingte Beherbergungsverbot womöglich die Gleichbehandlung der Teilnehmer verbiete, so will Trier noch am Bundesentscheid für die Tischler festhalten: „Wir meinen aktuell, der Wettbewerb sollte stattfinden, um auch zu zeigen: Das Handwerk arbeitet weiter!“

Stefanie Kaspari vom Malerfachbetrieb Mehs in Wittlich ist als Kammersiegerin im Malerhandwerk in den Wettbewerb eingestiegen. Foto: Sabine Schwadorf
Ausbildungsmeister Thorsten Bauerfeld und Fahrzeuglackierer-Landessiegerin Sarah Werhand mit einem Musterstück, anhand dessen die Gesellen ihr Können beweisen müssen. Foto: Sabine Schwadorf

Da die Auswertung der Landessieger aller Gewerke in Rheinland-Pfalz nicht nur in Trier, sondern auch an anderen Wettkampforten wie Mayen und Kaiserslautern stattfindet, ist mit endgültigen Ergebnissen des Landesentscheids erst im Lauf der Woche zu rechnen. Der TV wird sie sobald wie möglich veröffentlichen.