Konjunktur: Die Betriebe starten mit vollen Auftragsbüchern ins neue Jahr

Konjunktur : Die Betriebe starten mit vollen Auftragsbüchern ins neue Jahr

Die Konjunktur boomt weiter, in der Region Trier noch weitaus stärker als in anderen Teilen der Bundesrepublik. An der Digitalisierung und einer Fachkräfteoffensive kommt deshalb keine Branche auf Dauer vorbei. Die Kammern sprechen bereits von „Wachstumshemmnissen“.

Wie stark sich zwei Seiten einer Medaille voneinander unterscheiden können, zeigt nicht zuletzt der Blick auf die Konjunktur in der Region Trier. Von einer „rekordverdächtigen Auslastung“ spricht Axel Bettendorf von der Handwerkskammer (HWK) Trier, von einem „guten Polster“ bei Kapazitätsauslastung und Auftragsbestand berichtet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, man sei „rundum zufrieden“, verkündet das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium auf TV-Anfrage und verweist darauf, dass das Land gemessen am Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr wirtschaftlich erfolgreichste in der Bundesrepublik gewesen sei.

Andererseits müssen Kunden länger darauf warten, dass ihr Dach abgedichtet und ihre Heizung repariert wird, können allein in der Industrie und im Handel der Region Trier 3500 Stellen nicht besetzt werden, gibt es Unsicherheiten für exportorientierte Branchen durch den bevorstehenden Brexit und durchHandelskonflikte.

Insgesamt gehen die heimischen Betriebe „sehr optimistisch in die Zukunft“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Bettendorf für seine Branche. Die große Mehrheit der rund 7000 Handwerksunternehmen erwarte „eine Stabilisierung der sehr guten Geschäftslage mindestens auf dem Niveau von 2018“. Und weil steigende Einkommen der Bürger zu einer wachsenden Binnenkonjunktur führten, sei das Handwerk von äußeren Einflüssen wie internationalen Handelskonflikten „kaum oder allenfalls mittelbar betroffen“.

Immer noch positiv, aber etwas gedämpfter optimistisch sieht dies die IHK Trier. Zwar sieht ihr Chefvolkswirt bei der jüngsten Konjunkturumfrage „ein Signal dafür, dass es weiter bergauf gehen wird“, sagt Matthias Schmitt. So rechnet die Kammer laut ihrem Sprecher Sebastian Klipp „mit einer Fortsetzung des Aufschwungs in der Region, allerdings womöglich in einem moderateren Tempo als 2018“. Während exportstärkere Regionen in Deutschland massiver unter einer nachlassenden außenwirtschaftlichen Konjunktur litten, seien die heimischen Betriebe aus Industrie, Dienstleistung und Handel immer noch bereit, in diesem Jahr stärker zu investieren und Mitarbeiter einzustellen.

Wenn diese denn auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind (der TV berichtete). Für IHK-Chefvolkswirt Schmitt ist „der Fachkräftemangel für die Region Trier mittlerweile ein Wachstumshemmnis“, sagt er. Drei von vier Mitgliedsbetrieben der IHK berichten inzwischen von Problemen, offene Stellen besetzen zu können, in der Gastronomie kämpfen sogar 83,3 Prozent der Betriebe um neue Mitarbeiter.

Auch die Handwerker haben zunehmend Probleme damit, neue Aufträge anzunehmen und angenommene Aufträge abzuarbeiten. „Dies betrifft vor allem die Bauwirtschaft und die Ausbaugewerke“, sagt HWK-Chef Axel Bettendorf. Er sieht hier auch die Politik in der Pflicht, durch die Arbeits- und Sozialgesetzgebung „den Fachkräftemangel nicht noch zu verschärfen“. Bettendorf nennt als Beispiel die Rente mit 63 und die Belastung des Faktors Arbeit durch die Mütter- und Erwerbsminderungsrente. „Das Handwerk denkt in Generationen, von daher sehen wir die derzeitigen Entwicklungen kritisch, weil die häufig zulasten der folgenden Generationen beschlossen werden“, sagt der Hauptgeschäftsführer.

Auch die Gewerkschaften sehen die Politik gefordert, mehr für die Ausbildung neuer Fachkräfte zu tun. „Sollte sich eine konjunkturelle Abkühlung bestätigen, muss die Fachkräfteoffensive mit den Menschen gestaltet werden und nicht gegen sie“, sagt Dennis Dacke, Sprecher des Verdi-Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland. Hierzu gehöre auch ein Digitalisierungskonzept, das menschlich gestaltet werden müsse: „Der Wandel ist menschengemacht“, sagt Dacke. Mehr Mitbestimmung in den Betrieben, eine Stärkung der Tarifverträge und eine stärkere Ausrichtung der Unternehmen an ihren Mitarbeitern, nur dies könne die Wirtschaft auch in Krisenzeiten stärken.

Ganz so schwarz sieht es die rheinland-pfälzische Regierung allerdings nicht. „Die rheinland-pfälzischen Unternehmen haben ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Die Zahl der Beschäftigten ist so hoch wie noch nie“, verkündet das Wirtschaftsministerium von Minister Volker Wissing. Ob Förderprogramme für Unternehmensgründer, digitale Geschäftsmodelle, ÖPNV im ländlichen Raum oder Aufstiegsbonus nach der dualen Ausbildung: „Wir investieren in Köpfe, wir investieren in Digitalisierung und in Infrastruktur“, sagt der Minister. Folglich seien die Unternehmen im Land gut in der Weltwirtschaft aufgestellt.

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