Die Ehrmann-Gruppe aus Landau übernimmt das Trierer Möbelhaus

Wirtschaft : Möbel Hölzmer in Trier wechselt Eigner und wächst

Die Ehrmann-Gruppe übernimmt das Trierer Möbelhaus  und baut es komplett um. Zudem sollen 40 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden.

Horst Ehrmanns Enkel ist zweieinhalb Jahre alt. Einmal hat er sich an Ehrmanns Schreibtisch gesetzt und wurde gefragt, wer der Chef ist. „Ich bin der Chef“, sagte der Enkel. Die zwei Kinder von Ehrmann sind bereits im Unternehmen aktiv und werden in Entscheidungen mit einbezogen. Nachwuchsprobleme bekommt die Unternehmensgruppe daher wohl nicht. Beim Möbelhaus Hölzmer in Trier sieht das anders aus. Fünf Geschwister führen das Haus. Alle sind 60 Jahre oder älter. Der Sohn des Geschäftsführers Kurt Hölzmer ist mit 16 Jahren noch zu jung, um die Verantwortung zu übernehmen. „Die Konzentration auf dem Markt wird immer stärker“, sagt sein Bruder Hans Hölzmer.

Seit zwei, drei Jahren beschäftigen sie sich nun schon mit der Frage, an wen sie das Unternehmen abgeben können. Vor rund einem Jahr kamen sie dann mit Horst Ehrmann auf einer Möbelmesse in Kontakt. „Wir verkaufen nicht an jeden. Es ist uns wichtig, dass das Personal übernommen wird“, sagt Kurt Hölzmer. Das hat Horst Ehrmann vor. 80 Leute arbeiten bei Möbel Hölzmer. Ehrmann sagt, er werde alle übernehmen und bis September 2020 40 weitere Leute einstellen – alles Festangestellte in Teil- und Vollzeit sowie Auszubildende und duale Studenten. Das Familienunternehmen Ehrmann mit Hauptsitz in ­Landau ist einer der Markführer in der Pfalz, Baden und dem angrenzenden Nordelsass. Fünf Einrichtungshäuser gehören zur Gruppe. Dazu drei Bingo-Selbstbedienungsmärkte und zwei Küchenhäuser.

Die Häuser decken alles ab, „was zum schönen Wohnen gehört“, sagt Ehrmann – Küchen, (Massivholz-)Möbel, Leuchten und mehr. Etliche Marken wie Rolf Benz oder Team 7 führt Ehrmann exklusiv. „Bei Küchen sind wir ganz stark. 4000 bis 4500 Küchen liefern wir pro Jahr und bauen sie mit eigenem Personal auf.“ Zuletzt hat Ehrmann ein Möbelhaus in Rastatt für 30 Millionen Euro gebaut. In seiner Region, so sagt Ehrmann, könne das Unternehmen nicht mehr wachsen, daher betätige man sich nun außerhalb des bisherigen Einzugsgebietes.

Bevor die Entscheidung für Trier fiel, hat Ehrmann eine Markuntersuchung machen lassen. In Trier gebe es Potenziel und obendrein den Markt zu Luxemburg, den man ansprechen möchte. Möbel Hölzmer wird nun der fünfte Familienbetrieb, den Ehrmann übernimmt. Mit einer Übernahme ist er vor 24 Jahren mit seiner Frau in das Business eingestiegen. Davor war er Personalchef eines Möbelhandelsunternehmens mit 1500 Mitarbeitern. Ehrmann sagt, er habe in seinem eigenen Unternehmen nie Stellen abbauen müssen. Das dürften die Mitarbeiter von Möbel Hölzmer gerne hören. Eine Angestellte dort sagt, die Stimmung unter den Mitarbeitern sei gut, man befürchte nichts.

Horst Ehrmann sind seine Mitarbeiter offenbar wichtig. Er zahlt laut eigenen Aussagen über Tarif und jeder Mitarbeiter hat fünf Tage Sonderurlaub im Jahr für Weiterbildungen. 610 Mitarbeiter beschäftigt Ehrmann bislang. Im kommenden Jahr sollen es 730 sein.

Möbel Hölzmer wurde 1959 gegründet. Mit einem Möbellager in Zewen fing es an. Dann übernahm der Vater einen Großhandel, sagt Kurt Hölzmer. Seit 1965 sind sie am aktuellen Standort Im Siebenhorn in Trier-Euren nahe der Zewener Straße. Nach und nach wurde das Haus in neun Bauabschnitten erweitert. „Wir sind so gewachsen, wie wir Geld verdient haben“, sagt Kurt Hölzmer. Er und seine Geschwister hätten schon im Alter von 13 Jahren mitgearbeitet und seien in das Unternehmen reingewachsen. Nach dem Verkauf möchten sie aber noch nicht in Rente gehen, sondern in Immobilien investieren. Das Möbelhaus mit Grundstück bleibt eh ihr Eigentum. Sie verpachten an Ehrmann. Marktleiter in Trier wird Stefan Grotelüschen.

Der Schreinermeister ist seit über 30 Jahren in der Möbelbranche und hat bereits mehrere Möbelhäuser geführt. Für den Job zieht er mit seiner Frau von Mannheim nach Trier. Schon jetzt ist er aber oft hier, um die Mitarbeiter kennenzulernen. An der Ehrmann-Gruppe gefällt ihm der außerordentliche Service. „Die Verkäufer fahren auch schon mal zum Kunden.“ Die Beratung sei sehr persönlich und das Flair angenehm, etwa bei einem Sektempfang an verkaufsoffenen Sonntagen. Ehrmann möchte nicht weniger‚ „als den Maßstab für aktuelle Wohntrends und persönliche Beratung mit Kompetenz und Herz setzen“. Er sagt: „Die Branche hat zuletzt stagniert, wir konnten aber trotzdem wachsen.“ Zum 1. Januar 2020 wird er Möbel Hölzmer übernehmen und direkt mit dem Umbau und Ausbau im laufenden Betrieb beginnen. „Wir bauen das Haus mit 26 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche komplett um und aus“, sagt Ehrmann. Im Januar geht es mit der Abteilung für Gartenmöbel los. Dann kommt der Bad- und Möbelbereich. Neu entstehen soll eine Fläche für junges Wohnen sowie eine Boutique-Abteilung mit Leuchten, Bettwäsche und Dekoartikeln. Ins Erdgeschoss kommt eine Gastronomie. Ehrmann ist sehr zuversichtlich. „Das wird mit Sicherheit ein ganz toller Standort.“