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Die Hoffnung auf normales Arbeiten im Handwerk steigt

Regionales Handwerk : Mit Vertrauen zurück in die Normalität

Die rund 7000 Handwerksbetriebe sind bisher mehr oder weniger glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Dennoch hofft die Wirtschaft, dass die Geschäfte wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen.

Nichts wünschen sich die Verantwortlichen der Handwerkskammer Trier (HWK) so sehr, wie eine schnelle Rückkehr in die Normalität. Ein Stück Alltagsgeschäft kehrt am 4. Mai in die Kammer zurück. Dann werden die Werkstätten im neuen Bildungszentrum wieder mit Leben erfüllt. Aus diesem Grund haben Handwerkspräsident Rudi Müller, HWK-Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf und HWK-Geschäftsführer Matthias Schwalbach auch das neue BTZ gewählt, um ihre Botschaft anzubringen: „Wir lassen uns von Corona nicht ins Handwerk pfuschen. Wir wissen, was wir tun,“ zitiert Präsident Müller eine Handwerkskampagne.

Eigentlich seien die meisten Handwerksbranchen bisher „mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärt HWK-Hauptgeschäftsführer Axel Bettendorf. Wichtig sei nun in dieser Phase, dass das Vertrauen in die Kompetenz der Handwerksbetriebe in Sachen Hygiene-Sicherheit gestärkt werde. „Sicherheit in der Corona-Krise – Vertrauen bei Mitarbeitern und Kunden gewinnen“, ist eine Handlungsanweisung für Betriebe, wie sie gefahrlos durch diese Zeiten steuern können.

Die gleichen Hygieneregeln gelten natürlich auch für den Neustart im Berufsbildungs- und Technologiezentrum. „Wir rechnen vom 4. Mai an mit etwa 200 Azubis am Tag  in unseren Werkstätten im Bauhof in Kenn und hier im BTZ in Trier“, sagt Bettendorf. Entsprechende Konzepte werden nun vorbereitet, damit die Azubis ihre Ausbildung und ihre Abschlussprüfungen machen können. „Für die jungen Menschen ist es wichtig, dass sie ihren Gesellenbrief bekommen können“, sagt Kammerpräsident Rudi Müller.

Das Handwerk habe bisher die Krise recht robust überstanden. „Viele Unternehmen haben vor zwei Monaten bei der Öko von vollen Auftragsbüchern berichtet, das sie bis Ende des Jahres ausgebucht seien“, erinnert sich Bettendorf. An dieser guten Lage habe sich wenig geändert. Matthias Schwalbach sieht zudem etwas Licht am Horizont für Branchen, die bisher gelitten haben. Seit vergangenem Montag können deutsche Handwerksbetriebe auch wieder in Luxemburg arbeiten. „Wenn das zunächst auch nur bei Großbaustellen und staatlichen Aufträgen der Fall ist, ist das eine gute Entwicklung“, sagt Matthias Schwalbach.

Der Neustart in Luxemburg sei für die deutschen Handwerker „rund gelaufen“, es seien keine Probleme bei der HWK gemeldet worden. Und auch in anderen Handwerksbereichen gehe es langsam wieder los. „Voraussichtlich vom 4. Mai an dürfen die Friseure unter strengen Hygiene-Richtlinien wieder öffnen. Das ist gut.“ Kosmetiker und auch die kosmetische Fußpflege (nicht zu verwechseln mit medizinischen Podologen, die geöffnet haben) dürften indes noch nicht wieder an den Start gehen.

Die Ungewissheit spiegelt sich denn auch in den vielen Fragen, die bei den Experten der Handwerkskammer eingehen. „An erster Stelle steht die Frage, wann darf ich wieder öffnen?“, berichtet Schwalbach. 

Ein weiterer Schwerpunkt bei den Fragen sei das Thema Soforthilfen. In welchem Stadium ist mein Antrag? Warum wurde er abgelehnt? Als ich den Antrag vor Wochen gestellt habe, waren die Voraussetzungen anders. Was muss ich tun, wenn sich nun meine Lage verschlechtert/verbessert hat, zählt Schwalbach die Probleme auf.

Rund 3000 Anfragen hat die HWK in den vergangenen Wochen beantwortet und geholfen, wo es immer möglich war. „Leider gibt es auch sehr dramatische Fälle“, berichtet Axel Bettendorf. Vor allem bei Solo-Selbstständigen. Diese können nämlich nicht ihre Lebenshaltungskosten bei einem Hilfsantrag einrechnen, so dass einige ohne Aufträge jetzt auf eine Grundsicherung durch den Staat angewiesen sind. „Das ist sehr hart, es ist wichtig wieder auf breiter Basis in die Arbeit zurückzufinden“, sagt Handwerkspräsident Rudi Müller.

Viel Lob gibt es in Sachen Krisenbewältigung von Müller für die Netzwerkpartner: „Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, der IHK und der VTU, dem Finanzamt, den regionalen Banken oder auch dem Gesundheitsamt ist hervorragend und unbürokratisch“, lobt Rudi Müller. Auch die Bereitschaft der Landkreise, der Stadt Trier und der Kommunen, öffentliche Vorhaben jetzt vorzuziehen, seien eine große Hilfe für das Handwerk. Deshalb will der Handwerkskammer-Chef auch nach vorne blicken: „Wir sind sicher, dass unsere Betriebe bei ihrer Arbeit alles für ihre Kunden und ihre Mitarbeiter tun, damit diese sicher sind und gesund bleiben.“