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Die regionalen Finanzinstitute stellen sich der Herausforderung

Finanzen : So wollen Volksbanken Raiffeisenbanken und Sparkassen die Region stützen

Die meisten der rund 500 000 Menschen und rund 40 000 Unternehmen in der Region Trier sind Kunden der Sparkassen und/oder der Volksbanken Raiffeisenbanken. Für die Finanzinstitute ist die Corona-Krise eine große Herausforderung. Wie haben sie sich darauf eingestellt?

Das Wirtschaftsleben in der Region ist fast gänzlich abgestellt. Für viele Menschen und Unternehmen ergeben sich daraus auch unverschuldet finanzielle Fragen und Probleme. Antworten darauf geben die Sparkassen- und Volksbanken Raiffeisenbanken in der Region.


Für viele Menschen ist in Sachen Finanzen die persönliche Beratung und Ansprache wichtig. Wie funktioniert das in diesen Zeiten?

ANTWORT Alle – Unternehmen, Privatpersonen, öffentliche Einrichtungen, Medien – stehen aktuell in der Verantwortung, die Infektionsrate mit Covid-19 möglichst niedrig zu halten. Als Volksbanken Raiffeisenbanken und Sparkassen haben wir zudem eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gleichzeitig müssen wir aber auch die Versorgung mit Bankdienstleistungen sicherstellen und den Zahlungsverkehr, bar wie elektronisch, aufrechterhalten.

Um das sicherzustellen und um auf aktuelle Entwicklungen unmittelbar reagieren zu können, haben wir unsere Notfallpläne aktiviert, so dass wir einen verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie bestmöglich gewährleisten.


Wie sieht denn heute eine persönliche Beratung bei Ihnen aus?
ANTWORT Bei Dienstleistungen, die nur in einem persönlichen Kontakt erfolgen können, setzen wir das um, was das Robert Koch-Institut empfiehlt: Hygiene, Nies- und Hustenetikette, Abstand, keine Gruppenbildung. Filialbesuche sollten auf das absolut Notwendige reduziert werden. Natürlich können Filialen auf Grund der sich schnell entwickelten Ereignisse geschlossen werden. Daher sollten sich unsere Kundinnen und Kunden vor einem Filialbesuch informieren, ob Filialen aktuell geöffnet sind. Ist das nicht der Fall, werden andere Lösungen angeboten. Unsere Internetseiten geben darüber Auskunft oder rufen Sie Ihre Volksbank Raiffeisenbank oder Sparkasse an.


Welche Möglichkeiten haben Kunden, mit Ihnen in Kontakt zu treten?

ANTWORT Eine große Hilfe ist jetzt, dass die Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken schon frühzeitig in die Digitalisierung investiert haben. Vieles kann im Rahmen des Online-Bankings, telefonisch oder über unsere SB-Komponenten erledigt werden. Unser Appell daher an alle Kundinnen und Kunden: Nutzen Sie jetzt vorrangig unsere digitalen Angebote. Sie sind sicher, effizient und zuverlässig.


Wenn Kunden in den kommenden Monaten Einnahmeausfälle haben, seien es Unternehmen, weil sie keine Geschäfte mehr machen können oder Beschäftigte, die nur noch Kurzarbeitergeld bekommen oder gar ihren Job verloren haben, wie können Sie dort helfen?

ANTWORT Volksbanken Raiffeisenbanken und Sparkassen stehen in einem engen Austausch mit den Unternehmen in der Region. Wir sind Teil der Wirtschaft vor Ort. Gemeinsam mit den Unternehmen bilden wir eine Verantwortungsgemeinschaft. Wir sitzen in einem Boot. Denn wir wollen und können nicht unsere Nachbarn im Stich lassen. Wir können nicht je nach Situation unsere Geschäftspolitik wechseln. Jedes Unternehmen, das nicht durch die Krise kommt, ist ein Kunde weniger. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Unternehmen sind die Familienangehörigen, Nachbarn und Freunde unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das heißt für uns: Zusammenhalten, solidarisch sein und alles tun, um gemeinsam durch die Krise zu kommen.


Mal ganz konkret, wenn ich als Privatkunde jetzt sehe, dass ich mit dem Kurzarbeitergeld demnächst mein Konto überziehe, was sollte ich dann tun?

ANTWORT Zunächst ist es wichtig, dass der Privatkunde schnell Kontakt mit seinem Bankberater aufnimmt. Dann sind Tilgungsaussetzung oder Hilfen über Kreditlinien möglich. Förderprogramme gibt es derzeit nicht.


Zunächst aber stehen viele große und kleine Betriebe in der Bredouille. Gibt es schon viele Anfragen seitens der Wirtschaft?

ANTWORT Ja, es gibt erste Anfragen von Unternehmen. Wir besprechen frühzeitig sinnvolle Lösungswege, wie die Krise gemeinsam überwunden werden kann.


Wo gibt es für Firmen Hilfen?

ANTWORT Die staatlichen Banken haben bereits Unterstützungsprogramme aufgelegt, um gemeinsam mit den Hausbanken die kurzfristige Versorgung der Firmenkunden mit Liquidität zu erleichtern.


Was bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Unternehmen an?

ANTWORT Im Zuge des Maßnahmenpaketes der Bundesregierung hat die KfW die Aufgabe, die kurzfristige Versorgung der Unternehmen mit Liquidität zu erleichtern. Folgende Angebote stehen bereit:

Für Unternehmen, die länger als drei Jahre am Markt sind, gibt es den KfW-Unternehmenskredit. Damit sichert die KfW die Risikoübernahmen zu (Haftungsfreistellungen) für die durchleitenden Finanzierungspartner – das ist in der Regel die Hausbank – von bis zu 90 Prozent für Betriebsmittelkredite bis eine Milliarde Euro Kreditvolumen. Eine solche höhere Risikoübernahme kann die Bereitschaft der Finanzierungspartner für eine Kreditvergabe erleichtern.

Ein weiterer Baustein ist die Erhöhung der anteiligen Risikoübernahme auf bis zu 70 Prozent. Hierdurch wird der Zugang von mittelständischen und größeren Unternehmen zu individuell strukturierten, passgenauen Konsortialfinanzierungen erleichtert.

Für junge Unternehmen, die weniger als fünf Jahre am Markt sind, gibt es den ERP-Gründerkredit. Auch hier gelten die oben genannten Rahmenbedingungen, also Risikoübernahmen bis zu 80 Prozent oder die Öffnung der Haftungsfreistellung.

Darüber hinaus wird die KfW je ein Sonderprogramm vorbereiten und schnellstmöglich einführen.


Wie kommt ein Unternehmen an diese Möglichkeiten?

ANTWORT Die Antragsstellung der Produkte erfolgt über die Hausbank, also in der Vielzahl über Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen, beziehungsweise den Finanzierungspartner.


Wie sehen die Programme der ISB aus und wie kommen Unternehmen daran?

ANTWORT Wir warten noch auf die genaue Ausstattung der ISB-Prorgamme. Auch hier ist der persönliche Kundenberater die erste Ansprechstelle.


Gibt es weitere Hilfen?

ANTWORT Es gibt auch noch andere wichtige politische Maßnahmen, um die Krisenbegleitung von Unternehmen durch die Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken zu stützen. Regelungen rund um das Thema Kurzarbeit sind hier beispielhaft zu nennen. Oder auch der Zugang branchenfremder Arbeitskräfte in andere Bereiche, insbesondere als Erntehelfer. Für unsere Landwirtschaft und die nahrungsmittelverarbeitende Industrie ist es existenziell, dass die Ernte und Lese gesichert sind.

Wir stehen mit unseren Verbänden in engem Kontakt mit den politisch Verantwortlichen im Bund und im Land, mit den Landwirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Unternehmensverbänden. Dabei zahlt sich der jahrelange intensive Austausch zwischen den Institutionen und Verantwortlichen jetzt aus. Gerade in Krisen zeigt das demokratische und pluralistische System seine Stärken. Wir haben Vertrauen und große Zuversicht, dass wir diese Krise gemeinsam meistern.


In der Bankenkrise 2008 waren die regionalen Volksbanken Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen der Rettungsanker für die regionale mittelständische Wirtschaft, um die uns andere Länder beneidet haben. Können Sie das wieder leisten oder bringt Sie diese Krise an die Leistungsgrenze?

ANTWORT Die regionalen Banken haben sich gut entwickelt und sind gut aufgestellt. Gemeinsam mit den jetzt staatlich angestoßenen Hilfsprogrammen werden wir das schaffen.