Die Solidarität mit den Riva-Beschäftigten in Trier und Horath wächst.

Gewerkschaften : Solidarität für Riva-Beschäftigte

Seit nunmehr 15 Wochen hält der Streik der Beschäftigten des Stahlkonzerns Riva in Trier und Horath an. Und immer größer wird die Welle der Solidarität – aus der Politik, aber auch von Gewerkschaftskollegen aus ganz Europa. Noch lässt das die Konzernspitze kalt.

Wer seit 15 Wochen jeden Morgen das Streikwestchen gegen den Blaumann tauscht und zur Streikzentrale statt in sein Stahlwerk fährt, der muss aus hartem Holz geschnitzt sein und voll und ganz hinter seiner Forderung stehen. Die rund 130 Beschäftigten der rheinland-pfälzischen Betriebe des italienischen Stahlkonzerns Riva jedenfalls tun das, seit sie am 11. Juni in den Ausstand getreten sind. Denn während das Unternehmen mit Stammsitz in Rom und 4700 Mitarbeitern in 21 Werken in Italien, Spanien, Belgien, Frankreich und drei weiteren in Deutschland Tariflohn zahlt, müssen die hiesigen Beschäftigten mit 20 bis 30 Prozent weniger Lohn auskommen (der TV berichtete).

„Wir streiken ja nicht aus Prinzip oder weil wir ein Angebot der Arbeitgeber ablehnen“, sagt IG Metall-Chef Christian Z. Schmitz. „Sondern weil es komplette Sprachlosigkeit und keinerlei Reaktion auf Unternehmensseite gibt.“ Dabei hat die Gewerkschaft ein Moratorium mit Mediationsverfahren und Tarifverhandlungen vorgeschlagen – Reaktion: Keine. Zwar gebe es im Hintergrund Bemühungen um Kontakte, aber bislang ohne Erfolg.

Doch umso kämpferischer werden die Riva-Beschäftigten in der Region: „Alle sind entschlossen und treten aus voller Überzeugung dafür ein, endlich ihren Anerkennungstarifvertrag zu bekommen“, sagt Schmitz. Und immer mehr Politiker und Gewerkschafter stellen sich hinter die Forderungen der Stahlwerker: Von der Grünen-Bundestagsfraktion über die SPD-Landtagsfraktion, Bundestagsabgeordnete der Linken, die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerbewegung der CDU, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer bis hin zur Landesarbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler gibt es in Stellungnahmen und in sozialen Netzwerken Solidarität und die Forderung nach Verhandlungen.

Auch die anderen Riva-Standorte von Spanien bis Italien haben in den vergangenen Tagen protestiert, Aktionen veranstaltet und versucht, die Konzernleitung wachzurütteln. „Es ist nicht hinnehmbar, dass ein italienisches Unternehmen die Rechte und das Gehalt des nationalen Vertrags nicht anerkennt, indem es Arbeitnehmer gegeneinanderstellt und die Arbeitsbedingungen verschlechtert“, protestiert etwa Francesca Re David, Generalsekretär einer der größten italienischen Metall-Gewerkschaften Fiom-Cgil. Und so solle der Arbeitskampf „nicht an unserer Solidarität scheitern“, sagt er. Denn ohne eine Tarifbindung in Trier und Horath schafft das Unternehmen „Billigstandorte“, die auch den anderen Werken schaden können.

Die Mitarbeiter der Rivastahlwerke Trier und Horath bei der Kundgebung vor dem Horather Werk. Foto: Christoph Strouvelle

Dass sich die Beschäftigten der verschiedenen Riva-Standorte nicht gegeneinander ausspielen lassen, hat die Konzernleitung nach fast drei Monaten erstmals zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst, dass man eine „Drucklösung“ ablehne. „Natürlich müssen sich die Mitarbeiter jeden Tag fragen, ob sie auch ohne einen Tarifvertrag nochmals in das Unternehmen zurückkehren wollen“, sagt Schmitz. Der Vorwurf, die regionalen Werke seien unrentabel, will er jedoch nicht stehenlassen. „Wir kennen Einkaufs- und Verkaufspreise sowie Produktionskosten. Beide Standorte sind profitabel und werfen Gewinn ab.“ Stattdessen spiele Riva mit seinem Image, in Trier und Horath „Billigwerke“ ohne Tarif festzuschreiben und den Konflikt „ohne Rücksicht auf Verluste auszusitzen“. Denn diese sind bislang bereits enorm: Laut der IG Metall belaufen sich die Produktionsausfälle durch die wochenlangen Streiks in Trier und Horath auf bis dato rund 26 Millionen Euro.

Mehr von Volksfreund