Die Tischler sollen am 2. September die ersten sein, die im neuen HWK-Bildungszentrum arbeiten.

Handwerk : Im September starten die Tischler

Mit vier Monaten Verzug sind die Bauarbeiten für die Eröffnung der ersten Kursräume im neuen Bildungszentrum der Handwerkskammer (HWK) Trier nun in der Endphase. Als Erstes dürfen Tischler, Friseure und Zahntechniker mit neuester Technik arbeiten.

Jetzt zählt jeder Tag, jede Stunde, jede Minute: Denn der Neubau  des neuen Bildungszentrums (BZT) der Handwerkskammer (HWK) Trier ist für die ersten Gewerke so gut wie einzugsbereit. Wenn alles glattläuft, werden die ersten Tischlerkurse am 2. September ihre Arbeit in neuen Räumen und mit neuer Technologie aufnehmen.

Doch noch wird überall gehämmert, gebohrt, verfugt und verspachtelt, liegt das Projekt doch etwa vier Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Und der war schon Spitz auf Knopf genäht. Allerdings sahen die Fördergeber von Land, Bund, EU und Bundesinstitut für Berufsbildung einen schnellen Geldabruf vor. „Es ging Schlag auf Schlag. Wir mussten schon bei der Planung wissen, wo welche Maschine mit welcher Leistung stehen sollte“, beschreibt Axel Bettendorf, Hauptgeschäftsführer der HWK die Zeitnot. Hinzukommt, dass auch die Kammer – wie viele Privatkunden – unter der guten Konjunktur ihrer 7000 Betriebe in der Region leidet und damit auf Handwerker gewartet hat. Rund 40 Firmen sind letztlich am Bau beteiligt (siehe Info).

Denn die Technik ist durchaus innovativ und selbst für Experten kein Tagesgeschäft. In Passivhausbauweise gebaut, werden stündlich 70 000 Kubikmeter Luft ausgetauscht, die Wärmerückgewinnung erfolgt über zwei Brunnen, so dass mit Kosten von lediglich 2000 Litern Heizöl im Jahr gerechnet wird.  „Das ist ein innovativer Ansatz, der nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch die Technik für Aus- und Weiterbildung betrifft“, erklärt Projektleiter Thomas Sandner. So wurden alle Räume und Leitungen des BTZ digital aufgemessen, was auch für Kurse und Schulungen verwendet wird. Lernen am Objekt quasi.

Es gibt W-Lan und interaktive Tafeln. Im Metallbau gibt es ein Fünf-Achs-Bearbeitungszentrum, die Edelstahlbearbeitung erfolgt in Kabinen. In den Schweißerwerkstätten hängen bereits Absaugvorrichtungen von der Decke. Und die Fahrzeuglackierkabine wartet auf ihren Aufbau. Für die Sanitär- und Heizungsfachleute geht ein Mikro-Blockheizkraftwerk und eine Pelletzelle an den Start. Und: „Das Projekt ist so aufgebaut, dass man alle Leitungen und Rohre sieht – eine Werkstätte ohne Decke also“, sagt Sandner.

Denn die Lernenden und mehr als 300 Lehrenden sollen im BTZ die Zukunft ihrer Gewerke nicht nur in der Theorie lernen, sondern auch in der Praxis anwenden können. „Wir rechnen täglich mit 400 Schülern in der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU), 300 Meisterschüler sowie Teilnehmer an Fort- und Weiterbildungen“, sagt Bettendorf.

Auf eine funktionierende Technik kommt es an: Hier wird letzte Hand angelegt, um die Versorgung mit Strom fürs Gebäude, die Maschinen und Computer zu sichern. Foto: Sabine Schwadorf

Ob die Tischler nun am 2. September ihre Werkstätten tatsächlich beziehen können, hängt von der technischen Abnahme in wenigen Tagen ab. „Ist die Freigabe erteilt, können bald danach die Zahntechniker und Friseure hinzukommen“, sagt der HWK-Chef. Denn deren Räume sind bereits mit mobilen Frisiertischen, CNC-Fräsern für Zahnkronen und 3-D-Druckern ausgestattet. Nach und nach sollen so alle Gewerke, die nun teils in den Nebenstraßen ausgelagert sind, in den Neubau des BTZ einziehen. Wenn der Altbau dann abgerissen und Parkplätze gebaut sind, wünscht sich Bettendorf noch: „Ziel ist es, am Tag des Handwerks 2020 die offizielle Einweihung zu feiern.“ Eine kleine Feier ist allerdings auch jetzt schon geplant – wenn Bischof Stephan Ackermann das Gebäude nach der HWK-Vollversammlung am 22. November einsegnet.

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