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Porträt: Ein Allrounder in Sachen Wein

Porträt : Ein Allrounder in Sachen Wein

Das Berufsleben von Karl Kirch war von Weinbau geprägt. Im Ruhestand knüpfte er dort nahtlos an. Am Montag, 21. September, wird Kirch 90 Jahre alt.

Wie der Vater so der Sohn:  Auf Karl Kirch passt das. In den 1930er Jahren, als kleiner Junge, begleitete er seinen Vater oft zur Arbeit in die Staatliche Weinbaudomäne in Trier-Avelsbach. „ Das hat mein Leben geprägt“, sagt der Mann, der am 21. September seinen 90. Geburtstag feiert. Bis ins hohe Alter ist er dem Weinbau verbunden geblieben.

Doch der Reihe nach: Der frühe Einblick ins Arbeitsleben sorgte dafür, dass Karl Kirch gleich nach Ende des Zweiten Weltkrieges und dann noch einmal nach dem Abitur im Jahr 1950 für jeweils einige Monate in der Domäne arbeitete. Das war wichtig, weil sein Vater bereits 1946 starb und die Mutter nur wenig Geld hatte. Es folgte eine Lehre für Landwirtschaft und Weinbau. Ein erster Karrieresprung für den Winzergehilfen. Nach dem Tod des Verwalters im Weingut der Landes-Lehranstalt in Kasel wurde er Aushilfsverwalter.

Doch Kirch wollte mehr. Er ging zum Studium für Weinbau und Kellerwirtschaft an die Staatliche Lehr- und Forschungsanstalt in Geisenheim (Hessen). Dort schloss er mit der Note sehr gut als staatlich geprüfter Weinbautechniker ab und blieb als Assistent im Institut für Weinbau und Kellerwirtschaft der Forschungsanstalt.

Sein Wissen über den Pflanzenschutz blieb nicht unbemerkt. Die Schering AG Berlin, ein Konzern, kam auf ihn zu. „Ich sollte mithelfen neue kupferfreie Fungizide im deutschen Weinbau einzuführen“, berichtet er. Ihm wurde sogar zugestanden, einen Großteil seiner Arbeit im Home-Office zu machen. „Denn ich wollte privat wieder nach Trier zurück“, sagt her.

Mit dem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1994 könnte die Geschichte des damaligen Marketing-Leiters der Region West enden. Doch damit würde man Kirch nicht gerecht. Während und nach der Zeit war er in zahlreichen Funktionen ehrenamtlich tätig.

Drei hebt er hervor: den Arbeitskreis der Weinbau-Ingenieure und Winzermeister, den er mitbegründete, die Weinversteigerungsgesellschaft Bernkasteler Ring, bei der er lange Geschäftsfürer war, und den Moselwein e.V. (Weinwerbung), wo er im Vorstand tätig war.

In Erinnerung aus seiner Zeit im Bernkasteler Ring bleiben ungewöhnliche Aktionen, wie 1997 „Wein und Dessous“. An der Verbindung von leicht bekleideten Frauen und Rebensaft habe es im Vorfeld auch Kritik in den eigenen Reihen gegeben. Doch die Aktion habe viel Resonanz mit sich gebracht. Der Ring habe seine Weine an ungewöhnlichen Orten, zum Beispiel einem großen Düsseldorfer Autohaus präsentieren können. Auch das Thema Wein und Gesundheit lag Kirch am Herzen. Gleiches gilt für die Verbindung von Wein und Fisch sowie von Wein und Kunst.

Ach ja: 1959 heiratete Kirch seine Sibylla. Sie führte das heimische Büro. 1977 bauten die beiden in Mertesdorf ein Haus – mit Blick auf die Weinberge im Ruwertal. Die Kirchs haben eine Tochter, die als Modedesignerin arbeitet, und zwei Enkel. „Ohne die Familie wär dies alles nicht möglich gewesen“, blickt der Ehemann, Vater und Opa zurück. „Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können“, resümiert er mit Blick auf sein Leben.