Erstmals werden am Sommer 2018 Kaufleute im E-Commerce ausgebildet

Ausbildung : Neue Berufe im Online-Handel

Mit dem Kaufmann im E-Commerce gibt es für regionale Betriebe die Chance, sich für die Zukunft fit zu machen.

Als Peter Wilhelm Hieronimi 1883 in Cochem seinen Handel für Fassreifen und Weinkisten eröffnete, konnte noch niemand ahnen, dass 135 Jahre später Handel immer mehr auf digitalem Weg erfolgt. Heute berät das Unternehmen mit Hauptsitz in Faid (Kreis Cochem-Zell) und vier von sieben Niederlassungen in der Region Trier sogar online seine Kunden. „Wir befinden uns noch im Aufbaustadium, aber wir sehen im Online-Handel ein großes Potenzial bei Umsatz und Kundenbindung“, sagt Marco Geißler, Hieronimi-Niederlassungsleiter in Wittlich.

Von insgesamt 250 Mitarbeitern sind an den regionalen Standorten in Wittlich, Mülheim und Daun zehn Azubis. Und wenn es nach Geißler geht, dann könnten schon bald neue dazukommen, und zwar in einem Beruf, den es bislang gar nicht gab: den Kaufmann im E-Commerce. Denn der Handelsverband Deutschland (HDE) hat eine neuen Ausbildungsberuf geschaffen, um den Online-Boom auch im Handel mit geeigneten Fachkräften in den Unternehmen zu begleiten. „Der E-Commerce-Markt wächst rasant, und die Unternehmen brauchen dafür qualifiziertes Personal, daher ist der neue Beruf notwendig“, sagt Ulrich Schneider, Geschäftsführer Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier. Und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Insgesamt setzt der deutsche Einzelhandel laut HDE jährlich rund 482 Milliarden Euro um. Auf den Online-Handel entfallen 58,5 Prozent mit einem Wachstum von elf Prozent. Tendenz stark steigend: Laut den Prognosen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wird 2025 bereits jeder vierte Euro an Umsatz im E-Commerce erzielt und nach Schätzungen bei gut 80 Milliarden Euro liegen. Damit ist Deutschland neben den USA, China, Großbritannien und Japan einer der am schnellsten wachsenden Märkte für den Online-Handel.

„Insbesondere Branchen, die bisher einen geringen Anteil am E-Commerce aufweisen, verfügen über hohe Wachstumsraten und Dynamik“, sagt IHK-Experte Schneider. Der Online-Handel agiere in vielen Sortimenten als Antreiber des Wachstums. Dabei sieht Schneider auch Vorteile für Filialen und Niederlassungen vor Ort durch „neue Möglichkeiten für den stationären Handel“. So wird es im Einzelhandel zunehmend Geschäfte auf mehreren parallelen Kanälen geben.

Der Haken: es gibt zu wenige Beschäftigte in den Betrieben, die sich mit der digitalen Materie auskennen. Ob es um die Präsentation der Produkte, die Gestaltung der Internetseite, die Koordination der Bestellabläufe, die Kommunikation mit dem Kunden und die Prüfung der Bezahlvorgänge geht: Fast die Hälfte der online aktiven Betriebe beklagt sich laut HDE darüber, dass das fehlende Know-How in der digitalen Handelswelt einem weiteren Wachstum im Weg steht. „Durch den neuen Ausbildungsberuf wird bereits den angehenden Kaufleuten das notwendige digitale Know-how vermittelt“, verspricht Ulrich Schneider. Wer als Händler auch online innovativ bleiben wolle, brauche auch innovativen Nachwuchs.

Auch beim Baustoffhändler Hieronimi setzt man auf den wachsenden Umsatz mit dem Online-Handel. „Wir sehen bereits jetzt, dass wir sowohl fachlich als auch personell mit dem vorhandenen Mitarbeiterstamm an unsere digitalen Grenzen stoßen. Von daher setzen wir auf den neuen Ausbildungsberuf“, sagt Marco Greißler. Die Mission sei klar: die Zukunft des Unternehmens vorzubereiten.

Für die Ausbildung zu Kaufleuten im E-Commerce ist keine bestimmte Vorbildung notwendig. Die Ausbildung soll es ab August in Trier geben und drei Jahre dauern. Wer sich als Jugendlicher oder als Betrieb für eine Ausbildung im E-Commerce interessiert, meldet sich bei Ulrich Schneider (IHK Trier), Telefon 0651-9777-301, Mail schneider@trier.ihk.de

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